• Matthias Sammer sieht in Lothar Matthäus keinen geeigneten Kandidaten als Nachfolger für Joachim Löw.
  • Dem DFB rät er bei der Suche dazu, auch Personen unabhängig von deren Vertragskonstellation anzusprechen.
  • Auch zu einer eigenen Rückkehr auf die Trainerbank hat der Europameister von 1996 eine Meinung.

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Matthias Sammer ist nicht der Ansicht, dass Lothar Matthäus ein geeigneter Kandidat für den Posten des Bundestrainers wäre. Er sieht ihn nicht als Bundestrainer oder "Grüßaugust", wie er es nannte, sondern als "Fachmann für den Sport, (...), womöglich als Vizepräsident", sagte er im Interview mit der "Sport Bild".

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Bundestrainer Löw fordert er den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, die Strategie zu überdenken. "Diese Position muss (...) unabhängig von Vertragskonstellationen mit Leuten besetzt werden, die aktuell diesen veränderten Fußball leben und am besten geeignet sind", sagte der frühere DFB-Sportdirektor der Sport Bild: "Es geht um die Top-Lösung."

Sammer wirbt für Umdenken

Die DFB-Oberen haben allerdings mehrfach ausgeschlossen, Trainer anzusprechen, die derzeit unter Vertrag stehen, was die Suche einschränkt. Sammer warb für ein Umdenken: "Für mich wäre es kein Tabuthema, für einen Trainer Ablöse zu zahlen. Das könnte fair und sauber sein."

Löw hört nach der Europameisterschaft im Sommer auf. Als idealer Nachfolger gilt sein ehemaliger Co-Trainer Hansi Flick, der beim FC Bayern München aber noch bis 2023 unter Vertrag steht. Der Rekordmeister hat bereits mehrfach deutlich gemacht, dass Flick auch in der kommenden Saison in München arbeiten wird.

Vorstellen kann sich der Europameister von 1996 aber auch eine interne Lösung mit U21-Trainer Stefan Kuntz und/oder Joachim Löws Assistenten Marcus Sorg. "Ich halte das für hochinteressant", sagte Sammer. Kuntz sei "ein exzellenter Fachmann, wie auch Marcus Sorg, beide haben einen super Draht zu den Spielern".

Sammer über eine eigene Rückkehr auf die Trainerbank

Eine eigene Rückkehr auf die Trainerbank steht laut Sammer indes nicht zur Debatte: "Ich schließe das aktuell völlig aus, will aber nicht sagen: Ich werde auf alle Zeiten nie wieder Trainer", sagte der 53-Jährige, der zurzeit als externer Berater für den Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund arbeitet.

Auch zum zweiten Thema, das derzeit wohl die halbe deutsche Fußballwelt beschäftigt, hat Sammer eine Meinung. Dabei geht es um die Nominierung von Thomas Müller für den EM-Kader. "Auf Thomas Müller zu verzichten, kann sich der deutsche Fußball nicht leisten", sagte Sammer. "Thomas nicht in einer Mannschaft zu haben, würde bedeuten, dass das Leistungsprinzip außer Acht gelassen wird", sagte er außerdem und lobte insbesondere die Kommunikation des 31 Jahre alten Fußballers vom FC Bayern München. "Er trägt eine Mannschaft, er ist ein lautstarker Anführer."

Matthias Sammer war von 2000 bis 2004 als Trainer bei Borussia Dortmund tätig und wurde 2002 deutscher Meister. Im Anschluss trainierte er ein Jahr lang den VfB Stuttgart. Nach Stationen beim DFB (Sportmanager, 2006-2012) und dem FC Bayern (Sportvorstand, 2012-2016) ist er seit 2018 als externer Berater bei Borussia Dortmund tätig. (lh/AFP/dpa)

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