• Thomas Tuchel ist neuer Trainer des FC Chelsea - nur einen Monat nach seinem Aus in Paris.
  • In London wartet eine Großbaustelle samt verunsicherter deutscher Nationalspieler.
  • Warum er genau der richtige Mann für diese Aufgabe ist.
Eine Analyse
von Patrick Mayer

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Da ist er schon wieder. Thomas Tuchel, hochgelobter deutscher Fußball-Trainer, aber mindestens genauso umstritten. Der 47-Jährige übernimmt den schwer verunsicherten FC Chelsea. Und das nur einen Monat, nachdem der einstige Bundesliga-Coach von Borussia Dortmund und Mainz 05 ziemlich überraschend bei Paris Saint-Germain gehen musste.

Am Mittwochabend beginnt sein Job bei Chelsea direkt mit einem Heimspiel gegen die Wolverhampton Wanderers - ein unangenehmer Gegner, der gegen den Abstieg aus der Premier League spielt.

Die Ziele der Londoner sind gänzlich andere, nachdem sie seit dem Corona-Restart und vorheriger Transfersperre kolportiert knapp 250 Millionen Euro in neue Spieler investiert haben. Angeblich 80 Millionen Euro davon flossen in die Verpflichtung von Kai Havertz (von Bayer Leverkusen) und 53 Millionen Euro in die von Timo Werner (von RB Leipzig).

FC Chelsea: Kai Havertz, Timo Werner und Antonio Rüdiger haben zu kämpfen

Doch die deutschen Nationalspieler blieben bislang weit hinter den Erwartungen zurück, ebenso wie DFB-Kollege Antonio Rüdiger. Trainer Frank Lampard, Vereinsidol der "Blues" und entlassener Vorgänger Tuchels, fand keine wirkliche Rolle für sie in einem Konstrukt, das zuletzt sehr durcheinander wirkte: keine klaren Strukturen, keine klaren Zuordnungen, keine klaren Aufgaben.

Genau hier kommt Tuchel ins Spiel. Bei ihm wissen Spieler in jeder Phase der Partie, was sie zu tun haben. Auch wenn Kritiker bemängeln, dass er sich zu sehr darauf versteift und seine Spieler bisweilen überfordert - er ist damit der Gegenentwurf zu Frank Lampard. Der ließ trainieren, wie er in seiner Zeit als Chelsea-Spieler von 2001 bis 2014 auf dem Platz auftrat: Fleiß, Zweikämpfe und physische Präsenz standen im Fokus, weniger innovative Taktiken.

Tuchel hat mit Chelsea auch endlich wieder eine Mannschaft, die er menschlich begleiten kann. Das tat er schon bei früheren Stationen - entgegen aller Vorurteile. Dass er schwierig sei, diese Erzählung befeuerte vor allem BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der wegen seines Selbstbewusstseins in der Branche selbst als schwierig gilt.

Als aber etwa in der Saison 2016/17 bei Mario Götze eine Stoffwechselerkrankung diagnostiziert wurde, stand Tuchel dem WM-Helden beim BVB beinahe väterlich bei. Auch in London trifft auf junge und hochbegabte Profis, die Halt brauchen.

Thomas Tuchel: Erkenntnisse aus der Hirnforschung

Beispiel Timo Werner: Der 24-Jährige neigt bei Ballbesitz dazu, nach links zu ziehen und einen verkappten Außen zu spielen, statt den Weg über die Mitte zu suchen. Kritiker monieren, dass ihn das um deutlich mehr Tore bringe - Werner ist seit elf Premier-League-Spielen ohne Treffer.

Tuchel ist sehr gut darin, Fehler zu identifizieren und zu beheben. Er greift dazu auf Gehirnforschung und unübliche Übungen zurück. So müssen seine Schützlinge beispielsweise bei Spielformen (5 gegen 5) auch mal Gegenstände in der Hand tragen, damit sie nicht am Trikot des Gegners zupfen und so ein Foul riskieren.

Was oft vergessen wird: Auch sportliche Erfolge hat Tuchel vorzuweisen. Unter ihm holte der BVB mit dem DFB-Pokal-Sieg 2017 den letzten großen Titel seit dem Double 2012. Und mit PSG stand er im letzten Jahr im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern, das nur knapp 0:1 verloren wurde. Es sind genau diese Sphären, in die Chelsea wieder vorstoßen will.

Verwendete Quellen:

  • SZ: Innovativer Querkopf statt Vereinsidol
  • Kicker: Tuchel und Chelsea? Das passt!
  • Kicker: PSG-Trennung von Tuchel jetzt offiziell
  • Zeit Online: Der Gehirntrainer
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