Diesmal war es Tausendsassa Oliver Welke, der den im deutschen Fernsehen extrem umtriebigen Günther Jauch herausforderte. Der stets launige Moderator der "heute-show" ließ sich vor dem Hintergrund leicht veränderter Spielregeln von Kollegin Katrin Müller-Hohenstein, Schauspieler Matthias Matschke sowie Nationalpullunder Olaf Schubert unter die Arme greifen. Die heterogene Truppe machte Jauch zunächst das Leben richtig schwer. Auch, weil sie ihn im Verbund mit Moderator Oliver Pocher ständig hochnahmen.

Robert Penz
Eine Kritik
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Nach dem Medikus der Alpen, Schauspieler Hans Sigl, kam nun Journalist, Moderator und Satiriker Oliver Welke in die Gasse von Günther Jauch. Nicht wenige versprachen sich von "Jauch gegen Welke" einen heiteren Abend, ist der "heute-show“-Moderator ja auch dafür bekannt, nicht auf den Mund gefallen zu sein. Doch dieses Mal hatte Welke nicht seine gewohnte Formation an Gag-Autoren an seiner Seite, sondern musste mit Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein, Schauspieler Matthias Matschke und dann auch noch Comedian Olaf Schubert Vorlieb nehmen. Aber hey, es ging ja eigentlich gar nicht um ein Feuerwerk an Pointen. Welke hatte dem "Wer wird Millionär?“-Urgestein ja "lediglich" in Sachen Wissen die Stirn zu bieten.

Jauch bemüht: "Der Welke soll heute verwelken“

Welke wähnte sich diesbezüglich nicht völlig auf verlorenem Posten: "Das ist vielleicht meine einzige Chance, dass sein Langzeitgedächtnis nicht reicht, sich alles zu merken“, merkte er an. Er sei jedenfalls definitiv kein leichtes Opfer, der Herr Jauch, der sich da schon viel martialischer gab: "Der Welke soll heute verwelken!“, bemühte er ein Wortspiel, das sein Widerpart vermutlich erst ein paar Millionen Mal gehört hatte. Einmal mehr übernahm Oliver Pocher die Moderation des Wettkampfs, bei dem es darum ging, konventionelle Fragen zu beantworten, Behauptungen zu verifizieren/falsifizieren sowie in Multiple-Choice-Runden kluge Kreuzchen zu machen. In der Finalrunde mussten dann die zuvor erspielten Punkt in drei verschiedenen Kategorien gesetzt werden. Logisch: Die Show und damit 50.000 Euro für sein Publikum im Rücken gewinnt, wer am Ende einen fetteren Punktestand hat. Am Regelwerk wurde aber auch ein wenig geschraubt. Neu etwa: Das Quizduell wird noch am selben Abend entschieden, und im Finale spielen nur Jauch und sein Herausforderer.

Jauch und der Marathonlauf

Welke holte zunächst den Pullunder der Nation ins Spiel und hoffte, dass Olaf Schubert nicht nur das Zeug dazu hat, ein Publikum mit Aberwitzigem stutzig zu machen, sondern auch, Wissensfragen korrekt zu beantworten. Fragen wie diese etwa:

Seit Mitte März 2022 ist der…?

A: Äquator 1,43 Meter länger

B: Eiffelturm 6 Meter höher

C: Marathonlauf 195 Meter kürzer

D: Baikalsee 27 Meter tiefer

"Aus dem Bauch heraus würde ich ein paar Joker nehmen“, legte Schubert mit einem kleinen Gag los. Welke, selbst im Dunkeln tappend, war verwundert: "Der Baikalsee? Du bist doch aus dem Osten!“, witzelte der "heute-show“-Moderator zur Ahnungslosigkeit seines Teamkollegen, der auf den Äquator tippte und dahinter präzisere Messungen neuer Satelliten vermutete. Jauch, an sich gar nicht an der Reihe, meinte, diesbezüglich etwas gelesen zu haben, tippte auf den Marathonlauf und irrte ebenso. Es ist eine neue Antenne, die dem Eiffelturm seit einigen Monaten mehr Größe verleiht. "Darf ich noch fragen, wo Sie das mit dem Marathonlauf gelesen haben?“, stichelte Welke jetzt in Richtung Jauch, der sich in Schweigen hüllte.

Pocher kündigt "Burdecki gegen Jauch" an

Generell musste sich Jauch an diesem Abend mehrfach so richtig veräppeln lassen. Etwa, als er nicht wusste, dass man Hannover passiert, wenn man von der A2 von Bielefeld auf dem Weg nach Braunschweig unterwegs ist. "Das sieht er doch nicht aus dem Hubschrauber“, witzelte Welke, für den es gemeinsam mit der ihm sehr vertrauten Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein vorerst richtig gut lief. "Wir haben ja beide ganze Turniere mit Oliver Kahn kommentiert“, verriet Welke über deren Berührungspunkte im Job. "Und überlebt“, fügte Müller-Hohenstein hinzu. "Nun ja“, bemerkte Jauch dann hingegen nur lapidar, als Pocher ihn den vorübergehenden Spielstand von 8:1 für Welke wissen ließ und ankündigte, nächstes Mal besser "Jauch gegen Burdecki" zu spielen. Dass bei einer Analyse deutscher Euro-Banknoten an neun von zehn Geldscheinen Spuren von Kokain entdeckt hatten, hielten danach beide Kontrahenten für übertrieben. Doch es stimmt, was Pocher sogleich verwertete. "Da müsste noch ein bisschen Koks dran sein“, hoffte er einem Joker im Publikum, der sich die 100 Euro zuvor verdient hatte, eine echte Freude zu machen.

"Räumzeit" und "Blutalkohol"– wieder was gelernt

Jauch jedenfalls holte jetzt auf. Welke versuchte, mit Hilfe von Schauspieler Matthias Matschke wieder an Fahrt aufzunehmen, doch sein Gegner wusste jetzt beispielsweise auch, dass es Fußgängerampeln sind, bei denen bei der Berechnung der "Räumzeit" in der Regel von einer Geschwindigkeit von 1,2 m/s ausgegangen wird. Zur Info: Die Räumzeit ist jene Zeit, in der Ampeln bereits "Rot" signalisieren, der Querverkehr aber trotzdem noch angehalten wird, damit die FußgeherInnen den Schutzweg noch fertigqueren können, auch wenn dieser erst beim letzten Grün-Blinken betreten wurde. Nicht ganz so grün war Welke dann folgende Frage:

Alle zwei Monate erscheint die Fachzeitschrift…?

A: Bienensterben

B: Backenbart

C: Blutalkohol

D: Besenrein

Dass es die Zeitung "Blutalkohol" gibt, schlossen Welke und Maschke kategorisch aus, während sie sich "Backenbart“-Leser richtig gut vorstellen konnten. Sie loggten ein, was Jauch ein Strahlen ins Gesicht zauberte. Er zückte den "Besserwisser-Joker" und verriet, dass er einst in der Bibliothek der Harvard-Universität mehrere Ausgaben des ihm bis dato völlig unbekannten Magazins "Blutalkohol" entdeckt habe. Dieser Fund zahlte sich aus, brachte er ihm doch heute drei zusätzliche Punkte und eine deutliche Führung ein. Jetzt sah man dem 65-Jährigen auch nach, dass er kurz zuvor noch vermutet hatte, dass man sich heute bereits den Appendix des Blinddarms selbst entfernen könne. Beim Spielstand von 25:11 für Jauch läutete Pocher zum Finale.

Drei Fragen im großen Finale

Ihre erspielten Punkte mussten Welke und Jauch jetzt in drei Kategorien setzen, zu denen jeweils eine Frage gestellt wurde. Wer diese beantworten durfte, hing davon ab, wer sich selbst mehr korrekte Antworten zutraute. Welke, der in den ersten Runden wieder mächtig aufholte, freute sich schon auf die letzte und sportliche Kategorie "Der Ball ist rund“. Doch Jauchs Selbstbewusstsein – er meinte, in dieser Kategorie sicher acht von zehn Fragen, die er aber noch nicht kannte, beantworten zu können – überraschte ihn. "Wollen wir uns das nicht ankucken?“, fragte er seinen Fanblock hinter sich. Und ja, der wollte Jauch scheitern sehen.

Jauch legte mit echtem Pressing los und beantwortete Frage um Frage korrekt. Dass Rot-Weiß Essen in den Profifußball zurückgekehrt war und Mario Götze sein legendäres Tor im Finale mit dem linken Fuß erzielt hatte – Jauch wusste zunächst schlichtweg alles. Doch dann schien ihm die Luft auszugehen, weshalb es bei der allerletzten Frage – Jauch hatte sieben von zehn Fragen korrekt beantwortet und musste nur mehr ein einziges Mal liefern – um die Wurst ging. "Wer trägt seit 2008 auf seinem Vereinstrikot die Nummer 25? Thomas Müller oder Toni Kroos“, machte es ihm Pocher jetzt nicht allzu schwer. "Das ist der Thomas Müller”, so Jauch aus der Hüfte, was die Leute seines Fanblocks jubeln ließ. Sie durften sich nun 50.000 Euro teilen.