Borussia Dortmund verliert mit Henrikh Mkhitaryan wohl einen dritten wichtigen Spieler. Umgekehrt stehen bisher sechs junge, talentierte Zugänge fest. Trainer Thomas Tuchel wird das Team also wieder neu erfinden müssen. Allerdings sind die Personalplanungen noch nicht abgeschlossen: Mindestens ein Hochkaräter dürfte noch zum BVB wechseln.

Henrikh Mkhitaryan wird Borussia Dortmund ziemlich sicher verlassen und nach Mats Hummels und Ilkay Gündogan der dritte herbe Verlust für Borussia Dortmund sein. Der Vollzug des Deals verzögert sich noch ein paar Tage, da am 30. Juni das alte Geschäftsjahr endet und einen Tag später ein neues beginnt.

Deshalb würde der BVB in Person von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seinen Aktionären wohl am liebsten erst dann die zu erwartende hohe Ablösesumme präsentieren und wenigstens buchhalterisch einen guten Start in die neue Saison hinlegen. Denn dass Mkhitaryans Weggang den BVB sportlich noch schwerer treffen wird als die Abgänge von Hummels und Gündogan, erwarten die meisten Experten.

Allerdings hat die Borussia auf dem Transfermarkt bisher auch so ausgiebig zugelangt wie selten zuvor. In etwas mehr als einem Monat seit Saisonende hat sich Dortmund schon sechs Zugänge gesichert.

Mikel Merino (20), Marc Bartra (25), Raphael Guerreiro (22), Sebastian Rode (25), Ousmane Dembele (19) und Emre Mor (18) drücken den Altersschnitt beim Vizemeister enorm, nur Rückkehrer Jakub Blaszczykowski fällt mit seinen 30 Jahren etwas aus der Reihe.

Ex-DFB-Kapitän traut dem kritisierten Bayern-Spieler zu, Italien zu knacken.

Was plant Thomas Tuchel?

Der BVB hat sich also deutlich verjüngt. Er hat gestandene Stars abgeben müssen oder wollen und dafür eine Bande junger Emporkömmlinge einbestellt - aber bisher weiß niemand so recht, was Tuchel und Sportdirektor Michael Zorc mit dieser runderneuerten Mannschaft so alles vorhaben.

Beinahe sensationell schnell hat Tuchel aus einer Klopp-Konterfußball-Mannschaft in seiner ersten Saison in Dortmund ein Team geformt, das sich über den Ballbesitz definiert und allenfalls noch ein paar Spuren des alten Fußballs unter seinem Vorgänger Jürgen Klopp aufweist. Dafür benötigte Tuchel aber eben genau jene Spielertypen wie Hummels, Gündogan oder Mkhitaryan.

Eine Abkehr von dieser grundsätzlichen Spielidee ist kaum zu erwarten. Aber Tuchel und sein Trainerteam können sich in der neuen Saison zumindest von den Offensivspielern noch etwas mehr Geschwindigkeit erhoffen. Aber sie müssen ohne Hummels, Gündogan und Mkhitaryan auch ihre Spielanlage ändern. Bevor man die neue Mannschaft aber nicht in Aktion gesehen hat, bleibt vieles reine Spekulation.

Satter Transferüberschuss zu erwarten

Klar ist nur, dass die Borussia inklusive der zu erwartenden Mkhitaryan-Millionen trotz der zahlreichen Zugänge einen satten Transferüberschuss generiert hat. Was unweigerlich zu der Frage führt, ob das Geld angelegt oder doch noch in eine oder zwei spektakuläre Verpflichtungen reinvestiert wird.

Watzke hat vor einiger Zeit bereits betont, dass der Klub die Gehälter seiner Topverdiener noch einmal anheben müsse. Marco Reus ist einer, der beim Jahresverdienst an der Grenze zu einem zweistelligen Millionenbetrag kratzt. Und der BVB muss die Preise mitgehen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Warum das bei Mkhitaryan - sollte er wirklich gehen - offenbar nicht getan wurde, bleibt rätselhaft. Schließlich gilt der Mittelfeldspieler als so etwas wie der Ziehsohn des Trainers, denn erst unter Tuchel zeigte der Armenier, was wirklich in ihm steckt und wie sehr er dieser Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann.

Perfekter Zeitpunkt für einen Kracher wie Mario Götze

Wer aber könnte Mkhitaryan ersetzen? André Schürrle vom VfL Wolfsburg soll ein Kandidat sein, ebenso wie Leverkusens Karim Bellarabi. Schürrle hat ja auch eine sehr innige Beziehung zu Tuchel, der ihn damals in Mainz aus der A-Jugend zu den Profis hochgezogen hat. Und Bellarabi ist einer der besten Dribbler und Tempospieler des Landes. Doch beide hätten nicht die Strahlkraft eines Mario Götze.

Seit dem Frühjahr, als immer mehr durchsickerte, dass Götze bei den Bayern wohl keine große Zukunft mehr haben wird, durfte man sich eigentlich darauf einstellen, dass der BVB im Hintergrund an einer Rückholaktion arbeitet. Bisher ist aber offenbar kaum etwas geschehen. Watzke hält sich für seine Verhältnisse geradezu vornehm zurück - ohne aber die Tür zuzuknallen.

Götze wäre für rund 25, vielleicht sogar für 20 Millionen Euro zu haben und damit deutlich "billiger" als bei seinem Transfer zu den Bayern vor drei Jahren. Und der deutsche Markt gibt nicht unerschöpflich viele Spieler her, die nach Mkhitaryans angekündigtem Abschied perfekt passen könnten. Götze wäre aber einer.

Er wäre zwar das Gegenbeispiel dazu, dass Tuchel sich nach und nach von den klassischen Klopp-Spielern trennen und seine eigene Mannschaft aufbauen möchte. Aber Götze wäre auch, trotz seiner erst 24 Jahre, ein erfahrener Spieler, der die vielen noch jüngeren anleiten könnte. Der eine Führungsrolle einnehmen könnte, die er bei den Bayern nie hatte.

Fazit: Kein Übergangsjahr zu erwarten

Dortmunds Fans müssen sich wohl eher nicht auf eine Saison des Umbruchs einstellen. Dafür ist der Kader insgesamt ausgeglichen und auch erfahren genug. Natürlich fällt es angesichts der prominenten Abgänge schwer, das Ziel im Vergleich zur abgelaufenen Saison nochmals nach oben zu korrigieren. Dafür war der BVB schon da spielerisch zu gut und schloss als Zweiter hinter den Über-Bayern ab. Da bleibt nach oben nur die Meisterschaft. Oder wenigstens mal wieder der Pokalsieg.