Der FC Bayern leiht Philippe Coutinho vom FC Barcelona aus. Wir erklären den Fußball des Brasilianers, warum er auch eine Diva sein kann und warum ihm Jürgen Klopp einst vom FC Bayern abriet.

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Sie gaben ihm einen liebevollen Kosenamen beim FC Liverpool: "kleiner Magier". Dort, an der englischen Merseyside, hatte der Brasilianer Coutinho (1,71 Meter) seine bisher beste Zeit zwischen 2013 und 2018.

"Bleib hier, und sie werden dir ein Denkmal bauen. Geh nach Barcelona, zu den Bayern oder zu Real Madrid, und du wirst nur ein Spieler unter vielen sein", sagte LFC-Coach Jürgen Klopp seinem damaligen Schützling nach der Saison 2016/17.

Coutinho: Zweitteuerster Transfer nach Neymar

Doch ein halbes Jahr später wechselte der Linksaußen, der für Liverpool in 201 Pflichtspielen 54 Tore erzielte, zum noch größeren FC Barcelona, für eine kolportierte Ablöse von 145 Millionen Euro.

Er stieg damals zum zweitteuersten Transfer überhaupt auf, nach Landsmann Neymar, der die Katalanen für astronomische 222 Millionen Euro in Richtung PSG verlassen hatte.

Jetzt also kommt Coutinho, in Rio de Janeiro geborener Filigrankicker, zum FC Bayern und wird laut Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge "spätestens am Sonntag, Montag, in München erwartet". Er wird einen Vertrag unterschreiben, der eine Leihe für ein Jahr vorsieht – plus eine Kaufoption der Bayern.

Große Erleichterung beim FC Bayern

Die Erleichterung rund um den Rekordmeister ist förmlich greifbar, nachdem sich ein Transfer von Wunschkandidat Leroy Sané (23) von Manchester City nach dessen Kreuzbandriss wohl zerschlagen hat.

"Nein, Leute. Jeder weiß, was ein Kreuzbandriss bedeutet, was die Ausfallzeit betrifft", meinte Rummenigge zum deutschen Nationalspieler und erzählte zu Coutinho: "Wir haben den Namen nicht vor zwei Tagen aus dem Hut gezaubert."

Zaubern ist wohl das richtige Verb, möchte man den Fußball des 27-jährigen Linksaußen beschreiben. "Welche Qualitäten wünschen Sie sich von einem Fußballer?" wurde Brasiliens Nationaltrainer Tite einmal bei einer Pressekonferenz gefragt.

Seine Antwort: "Coutinho hat sie alle: Ein starkes Passspiel, großen Ehrgeiz, er ist aus der Mitteldistanz effektiv, gedankenschnell, eiskalt im Abschluss und ein hervorragender Vorbereiter."

Hasan Salihamidzic schwärmt

"Ich glaube, dass wir unseren Fans mit diesem Spieler was Spektakuläres bieten. Einen Spieler, der die Stärke hat, mal von der linken Seite zu kommen, der aber auch auf der Zehn spielen kann", erklärte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem wenig zauberhaften 2:2 gegen Hertha BSC zum Bundesliga-Auftakt.

Chef Rummenigge versicherte vorsorglich, dass die Münchner den einstigen Klopp-Schützling "exklusiv" wegen dessen "Qualität" geholt hätten. "Der Name hat überhaupt keine Rolle gespielt", sagte der 63-Jährige, wohl mit Blick auf Vermarktungsmöglichkeiten in Südamerika.

"Ich glaube, dass wir uns freuen können, einen solchen Top-Spieler bei uns begrüßen zu können. Und damit meine ich nicht nur den FC Bayern, sondern die gesamte Bundesliga und komplett Deutschland", frohlockte Trainer Niko Kovac zeitgleich auf der Pressekonferenz.

Auch Berlin-Coach Ante Covic hörte gebannt zu, als sein Kumpel vom neuen Bundesliga-Superstar referierte. Doch Coutinho muss diesen Nachweis erst erbringen.

Coutinho hat schlechtes Jahr bei Barca hinter sich

"Ich hatte keine gute Saison," sagte er vor der jüngsten Copa America: "Meine Leistungen waren viel schlechter, als ich es von mir selbst erwartet hatte." Zwar brillierte Coutinho beim Turnier in seinem Heimatland, führte die Selecao als Spielmacher zum Sieg.

Doch seine Torgefahr bleibt ausbaufähig. Bei der Copa traf er immerhin zwei Mal, in der Vorsaison kam er in 34 Liga-Spielen für Barca aber nur auf fünf Tore und zwei Vorlagen.

Dabei war der Druck gewaltig, hatte der damalige Sportdirektor Robert Fernandez Coutinho schließlich als "idealen Ersatz" für Klub-Ikone Iniesta bezeichnet. Er wurde diesem undankbaren Vergleich nicht gerecht.

Ein Muskelbündelriss warf ihn zurück, und die Fans pfiffen ihn im März gegen Rayo Vallecano aus. Auch gegen San Sebastian kurz darauf gab es viele Pfiffe von den Rängen. Trainer Ernesto Valverde intervenierte, sagte: "Das Publikum steht hinter Coutinho, und Coutinho steht hinter dem Publikum."

Ärger mit den Fans beim FC Barcelona

Vergeblich. Nach seinem Tor gegen Manchester United im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League (3:0) ließ sich Coutinho zu einer Provokation hinreißen, steckte sich die Zeigefinger in die Ohren.

Spätestens damals dürfte es zum Bruch mit den Barca-Fans gekommen sein. Wenig hilfreich war, dass Coach Valverde sich nie für ihn oder den Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé als Nachfolger von Superstar Neymar entscheiden konnte.

Jetzt soll Neymar vor einer Rückkehr nach Katalonien stehen, es war wohl das letzte Signal, dass Coutinho für seine Entscheidung brauchte. "Philippe wollte unbedingt zu Bayern München", erzählte Rummenigge. Ein Bekenntnis, das sich der Rekordmeister viel Geld kosten lässt, laut spanischer Zeitung "El Pais" 24 Millionen Euro, einzig für die Leihe.

Millionenschwerer und langersehnter Hoffnungsträger – auch in München wird der Druck auf dem "kleinen Magier" gewaltig sein.

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