Uli Hoeneß kritisierte den Neymar-Transfer und das Verhalten von Dortmund-Profi Ousmane Dembélé, sprach RB Leipzig die Konkurrenzfähigkeit ab und berichtete über menschliche Enttäuschungen im Gefängnis. Sein Talkshow-Comeback bei Jörg Wontorra enthielt 105 unterhaltsame Minuten.

Früher war Uli Hoeneß ein häufiger Gast bei Diskussionsrunden gewesen. Seit seiner Haftentlassung im Februar 2016 machte er sich im Fernsehen jedoch rar.

Bis jetzt: Sonntagvormittag gab er in dem neuen Format "Wontorra - der Fußball-Talk" auf Sky Sport News HD sein Comeback - und fand einmal mehr klare Worte.

Familie statt Transfer-Wahnsinn

Der 65-Jährige kritisierte vor allem den Mega-Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain.

"Ich hätte Neymar weder für 220 Millionen Euro noch für weniger geholt - so gut finde ich den gar nicht. Daher habe ich kein Verständnis für diesen Transfer," erklärt Hoeneß.

Dass die UEFA mit dem Financial Fairplay zukünftig solche Transfers verhindert, hält er für unwahrscheinlich: "Ich sehe momentan keine Lösung."

Der Präsident des FC Bayern München versprach, sein Verein würde den Ablöse-Irrsinn nicht mitmachen.

"Das ist nicht unser Weg. Die anderen Vereine sollen das ruhig machen und können ihren Fans dann auch erklären, warum sie so viel Geld ausgeben," so Hoeneß. "Wir beim FC Bayern wollen diesem Wahnsinn mit unserem Nachwuchsleistungszentrum und einigen sinnvollen Verstärkungen entgegenwirken."

Besonders wichtig sei dabei das familiäre Miteinander: "Die Familie ist unsere Antwort auf die Neymars dieser Welt."

Uli Hoeneß: "Man sollte Spieler nicht wie Götter behandeln"

Nun ist es nicht so, dass der Rekordmeister auf dem Transfermarkt sparsam war. Rund 41,5 Millionen Euro Ablöse wurden in diesem Sommer für den französischen Mittelfeldspieler Corentin Tolisso bezahlt - es war der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte.

"Aber im Gegensatz zu anderen Vereinen mussten wir keinen Scheich nach Geld fragen. Wir können unsere Transfers durch unsere Gewinne refinanzieren", erklärt der Vereinsboss. Eine Transfer-Obergrenze werde es in München gleichwohl nicht geben.

"Ich kann nicht sagen, bei 40, 50 oder 60 Millionen ist Schluss. Wir müssen schauen, welche Ausgaben wir wirtschaftlich verkraften können, sodass wir noch immer Gewinn machen", so Hoeneß.

Lobende Worte fand der Bayern-Präsident für Borussia Dortmund im Umgang mit dessen Spieler Ousmane Dembélé.

Der 20-Jährige blieb unerlaubt dem Training fern, nachdem sein Wechsel zum FC Barcelona gescheitert war. Der BVB hat den Spieler nun vorerst suspendiert.

"Wir hätten genauso gehandelt. Als großer Verein muss man Stärke beweisen", stellt Hoeneß klar.

Ohnehin sähe er nicht die Berater, sondern den Spieler in der Hauptschuld: "In der Öffentlichkeit wird immer auf die Berater eingedroschen. Aber wenn ein Spieler nicht zum Training kommt, hat er das selber zu verantworten."

Hoeneß hofft, dass auch Medien und Fans solch ein Verhalten zukünftig kritischer sehen: "Man sollte Spieler nicht wie Götter behandeln, wenn sie sich nicht wie Götter benehmen."

Neue Saison, neue Herausforderung

Freitagabend beginnt die neue Bundesliga-Saison. Dortmund schätzt er im Meisterschaftskampf als den stärksten Widersacher ein.

RB Leipzig hingegen prognostiziert er eine schwierige Saison: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese junge Mannschaft die Mehrbelastung durch die Champions League einfach so wegsteckt."

Für Bayern-Trainer Carlo Ancelotti läge die Herausforderung nun darin, den Umbruch fortzuführen und gleichzeitig Erfolg zu haben.

Dass noch immer keine Nachfolger für die alternden Top-Stars Franck Ribéry und Arjen Robben verpflichtet wurden, habe laut Hoeneß einen simplen Grund: "Wenn die beiden fit sind und wir ihnen sagen, am Wochenende wird jemand anderes für euch spielen, sind die stocksauer. Die Stimmung in der Mannschaft ist das Wichtigste."

Umbruch auf der Führungsebene

Ein Umbruch findet nicht nur in der Mannschaft, sondern auch auf der Führungsebene statt. Den neuen Sportdirektor Hasan Salihamidzic bezeichnete Hoeneß als "Königslösung".

Und niemand solle auf die Idee kommen, den Ex-Profi zu unterschätzen: "Er hat in seinen 14 Tagen bereits öfter intern dazwischen gehauen als Matthias Sammer in seinen ganzen vier Jahren."

Auch für den Vorstand werde nach neuen Lösungen gesucht: "Weder Karl-Heinz Rummenigge noch ich möchten die nächsten zehn Jahre hier noch was zu sagen haben."

War Hoeneß früher noch als Hitzkopf bekannt, so wirkte er dieses Mal trotz seiner klaren Worte völlig entspannt. Als Wontorra ihn auf seine Zeit im Gefängnis ansprach, antwortete Hoeneß: "Ich habe einen riesigen Fehler gemacht, habe dafür gebüßt und mehr möchte ich darüber nicht sagen."

Erst auf Nachfrage berichtete er von menschlichen Enttäuschungen hinter Gittern: "Wenn ich mit jemandem Schafkopf spiele, der mich dann nackt in der Dusche fotografiert und das an Zeitungen verkaufen will, muss ich sagen, dass meine Menschenkenntnis mich verlassen hat."

Umso glücklicher schien er darüber zu sein, all das hinter sich gelassen zu haben.