"Siegen oder fliegen" heißt es für die Österreicher im letzten Gruppenspiel gegen die Isländer. Für das ÖFB-Team startet die K.o.-Phase damit früher als geplant. Wir beleuchten die wichtigsten Punkte vor dem Spiel.

Egal wie: Die Wikinger müssen auf die Hörner genommen werden, will Österreich noch den Einzug ins Achtelfinale schaffen. Den Nordländern reicht hingegen bereits ein Remis zum Weiterkommen. Gut möglich, dass die Isländer deshalb ihre Taktik im letzten Spiel der Gruppe F noch defensiver als bisher anlegen werden.

Das rot-weiß-rote Team will den Abwehrriegel knacken. Für einmal muss es in der Offensive der Österreicher brodeln wie ein Vulkan. Und Teamchef Marcel Koller so einfallsreich wie Wickie sein, um die starken Männer von der Insel in Schach zu halten.

Wir beleuchten vor dem kleinen Finale die wichtigsten Knackpunkte.

Selbstbewusstsein

Die Isländer haben gegen Ungarn in den Schlussminuten zwei Punkte verspielt, wir gegen Portugal einen gewonnen. Das Remis war ein gefühlter Sieg. Die Tatsache, gegen Cristiano Ronaldo & Co. ohne Gegentreffer geblieben zu sein, sollte die Brust ein weniger breiter gemacht haben.

Marcel Kollers Plan

Einen Tag vor dem Spiel verkündete der Teamchef, er habe einen Plan entwickelt. Freilich wird dieser nicht verraten. Schließlich hat auch der Gegner Deutsch sprechende Spione, beispielsweise Helgi Kolvidsson, Ex-Trainer der SV Ried und des SC Wiener Neustadt. Gemeinsam mit Islands "Co" Heimir Hallgrímsson bereitet er die Beobachtungen für Coach Lars Lagerbäck auf.

Keine Zeit fürs Herumrechnen

Die Rechnerei, wie es in anderen Gruppen zum Teil der Fall, bleibt den Österreichern erspart. "Siegen oder fliegen" heißt das Motto. Die Elf, die spielt, kann sich also voll und ganz auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren und muss sich nicht an anderen Ergebnissen orientieren.

Die Rechnung ist einfach: zumindest ein Tor mehr als der Gegner schießen. Aber laut Marcel Koller nicht auf Teufel komm raus. "Wir werden uns zunächst einmal die Sache anschauen", sagt der Teamchef.

"Arnies" Ansage

Nein, nicht "Arnie" Schwarzenegger ist gemeint, sondern Marko Arnautovic, der gegen Island zum Terminator werden will. Dass er gegen Portugal so viel Defensivarbeit leisten musste, passte dem Exzentriker im ÖFB-Team gar nicht.

Heute soll das ganz anders sein. "Ich werde es gegen Island in die Hand nehmen", verspricht "Arnie". "Wenn wir mit diesem Kampf und Willen wie gegen Portugal in das Spiel gehen, steht uns nichts im Weg. Wir werden zeigen, was wir draufhaben."

Mut zur Offensive

Nicht umsonst hat Österreich 22 Tore in den zehn Qualifikationsspielen erzielt. Die Mannschaft hat nach vorne Power. Sie muss es nur noch durch schnelles und genaues Spiel umsetzen.

Marcel Sabitzer ist einer, der zum Eisbrecher werden könnte. Schließlich verbinden ihn mit Island gute Erinnerungen. Am 30. Mai 2014 traf er in einem Testspiel in Innsbruck zum 1:0. Das Tor kann er noch genau schildern: "Es war ein Pass von Arnautovic und ich hatte freie Bahn Richtung Tor. Ich schoss und ließ dem isländischen Goalie Hannes Halldórsson keine Chance." Niemand hätte gut zwei Jahre später gegen eine Wiederholung dieser Szene etwas dagegen.

Das Herz von Island stoppen

Fuchs, Arnautovic, Prödl: Unsere "Engländer" wissen, wie man Gylfi Sigurdsson stoppt. Der 27-Jährige vom Premier-League-Klub Swansea ist mit 13 Millionen Euro Marktwert der teuerste Kicker der Isländer und das Herz der Mannschaft. Islands Offensive lebt von ihm.

In 42 Länderspielen traf Sigurdsson bisher 14-mal und war auch in der EM-Quali der Topscorer. Gegen die Klubs, bei denen unsere England-Legionäre unter Vertrag stehen (Leicester, Stoke und Watfort) machte Sigurdsson aber in der abgelaufenen Saison keinen Stich. Wenn das mal kein gutes Omen ist.

Die Präsidentschaftswahlen

Allein schon aus demokratiepolitischer Verantwortung muss Österreich heute gewinnen. Denn am Sonntag sind in Island Präsidentschaftswahlen. Fast ein Zehntel der Bevölkerung (rund 30.000 Isländer) weilt derzeit aber in Frankreich, um das heimische Team anzufeuern.

Ein isländischer Einzug ins Achtelfinale würde die Euphorie weiter anfachen. Und, bitte, wer soll dann noch wählen gehen? Also: Am besten, heute alle heimschicken. Oder Wahlkarten verteilen. Damit haben wir ja genügend Erfahrung.

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