Thomas Tuchel scheint der ewige Nachfolger von Jürgen Klopp zu sein. Den 1. FSV Mainz 05 übernahm er ein Jahr nach Klopps Weggang. Bei Borussia Dortmund war er sogar der direkte Nachfolger. Heute beim Europa-League-Spiel zwischen dem Borussia Dortmund und dem FC Liverpool treffen die beiden Erfolgstrainer aufeinander. Wir machen den Trainer-Vergleich.

Philosophie

Es war einer der lustigsten Momente der Pressekonferenz in Liverpool, als Jürgen Klopp seine Spielphilosophie erklären sollte. "What is Umschaltspiel in english? Transition game? Switching game? You will see this", versprach er. Klopp steht für Hochgeschwindigkeitsfußball. Seine Spieler sollen den Gegner bei Ballbesitz unter Druck setzen und dann schnell kontern.

Thomas Tuchel hat das Spiel von Borussia Dortmund etwas verändert. In einem Interview mit "Bundesliga.de" verriet er: "Mir war sehr früh in der Vorbereitung klar, dass die Spieler große Lust darauf haben, den Ball zu besitzen und mit ihm zu spielen und dass sie enorme Qualitäten dabei entwickeln können." Auch beim heutigen Aufeinandertreffen ist davon auszugehen, dass die Dortmunder das Spiel machen und der FC Liverpool auf Konter lauert.

Trainereinstieg

Klopp wurde direkt ins kalte Wasser geworfen, als er im Februar 2001 Trainer des abstiegsgefährdeten Zweitligisten 1. FSV Mainz 05 wurde. Eine Woche zuvor stand er als Rechtsverteidiger noch selber auf dem Platz. Er besaß nicht einmal einen Trainerschein. Doch der Klassenerhalt gelang, sodass Klopp zur Dauerlösung wurde.

Der Aufstieg von Tuchel verlief deutlich langsamer. Er war Jugendtrainer beim VfB Stuttgart, FC Augsburg und Mainz 05. 2009 wurde er zum Cheftrainer der Mainzer ernannt.

Erfolge

Hier ist Klopp klar im Vorteil. Mit Borussia Dortmund feierte er zwei Meisterschaften, gewann den DFB-Pokal und stand 2013 im Champions-League-Finale. Tuchel gewann zwar ebenfalls zwei Meisterschaften - allerdings nur im Jugend-Fußball. Im Profifußball wartet er noch auf den ersten Titel.

Andererseits: Mit den schmal budgetierten Mainzern in fünf Bundesliga-Spielzeiten nie abgestiegen zu sein und sich sogar einmal für die Europa League qualifiziert zu haben, ist auch aller Ehren wert. In diesem Punkt wiederum ist Tuchel gegenüber Klopp im Vorteil. Der stieg mit Mainz nämlich in der Saison 2006/2007 ab.

Spielerkarriere

Tuchel und Klopp sind Paradebeispiele dafür, dass man kein erfolgreicher Spieler gewesen sein muss, um als Trainer groß rauszukommen. Rechtsverteidiger Klopp spielte mit dem FSV Mainz in der 2. Liga viele Jahre gegen den Abstieg.

Tuchel wäre froh gewesen, wenn ihm wenigstens das gelungen wäre. Er kam im Trikot der Stuttgarter Kickers lediglich auf acht Spiele in der 2. Liga. Ansonsten kickte er in der Regionalliga.

Abschiede

Klopp verschwindet durch die Vordertür, Tuchel durch die Hintertür. Die Abschiede der beiden Trainer bei ihren Ex-Vereinen könnten unterschiedlicher kaum sein. Klopp kündigte in Mainz sowie Dortmund rechtzeitig an, den Verein zu verlassen. Die Abschiede waren emotional und tränenreich.

Tuchel hingegen verschwand ganz unerwartet aus Mainz. Direkt nach dem letzten Spieltag der erfolgreichen Saison 2013/2014 wurde bekannt, dass Tuchel zurücktreten möchte - trotz eines laufenden Vertrages. Der Ärger war groß.

Kopfmensch gegen Bauchmensch

Es mag ein Vorurteil sein, doch Klopp gilt eher als Bauchmensch, Tuchel als Kopfmensch. Kaum ein Trainer agiert an der Seitenlinie so emotional wie Klopp. Er kann motivieren und mitreißen. Tuchel hingegen gilt eher als Taktiker und hält sich an der Seitenlinie etwas zurück.

Humor

Pressekonferenzen mit Klopp sind pures Entertainment. Mit seinen lockeren Sprüchen sorgt er für viele Lacher. Das war in Deutschland so und ist in England so geblieben. Ein Beispiel: Nachdem bei einem Torjubel seine Brille zu Bruch ging, erklärte er den englischen Journalisten: "Ich habe eigentlich immer eine zweite Brille dabei. Aber die ist schwer zu finden - ohne Brille."

Tuchel hat sich als Komiker noch keinen Namen gemacht. Im Gegensatz zu Klopp ist er niemand, der einfach drauflos erzählt und sich dabei auch ohne Scham blamiert. Zu einem humorvollen Spruch allerdings ist auch er in der Lage. Als Mainz-Trainer sagte er einmal vor einem Spiel gegen Bayern München: "Helfen würde uns ein schnelles Tor und ein schneller Abpfiff und vielleicht können wir ja den Mannschaftsbus vor unserem Tor parken."

Geld

Am Hungertuch müssen beide nicht nagen. "Ran.de" schätzt das Fixgehalt von Tuchel auf etwa vier Millionen Euro im Jahr. Noch besser wird in Liverpool gezahlt. Klopp soll geschätzte zehn Millionen Euro kassieren. Er ist also der mit Abstand bestverdienende deutsche Fußballtrainer.

Familie

Klopp ist in zweiter Ehe mit seiner Ulla verheiratet. Sohn Marc ist bereits 27 Jahre alt und hat von 2010 bis 2012 für die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund gespielt.

Tuchel hat mit seiner Frau Sissi und den gemeinsamen Töchtern Emma und Kim ebenfalls sein privates Glück gefunden.