Matti Nykänens viel zu früher Tod erschüttert die Sportwelt. Der beste Skispringer, den Finnland bisher hervorbrachte, starb schon mit 55 Jahren. Allerdings kam diese Nachricht für viele nicht ganz unerwartet.

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Sportliche Höhenflüge, private Abstürze - Matti Nykänen bewegte sich stets zwischen den Extremen. Die finnische Skisprung-Legende feierte Olympiasiege und setzte sportliche Maßstäbe, saß aber auch im Gefängnis und machte durch Alkohol-Eskapaden von sich reden.

Matti Nykänen: Ein Leben schlimmer als die Hölle

"Die Hölle ist nicht so schlimm, wie mein Leben jahrelang war", beschrieb der frühere Ausnahme-Athlet seine Erlebnisse einmal. In der Nacht zum Montag ist Nykänen im Alter von nur 55 Jahren gestorben.

Der Tod des früheren Sportidols, das nach Angaben des Chefs des Finnischen Skisprungverbandes Mika Kulmala seit einiger Zeit krank gewesen war, löste bei ehemaligen Konkurrenten und Funktionären tiefe Trauer aus.

"Heute ist ein großer Sportler gegangen, der für mich als Jugendlicher ein großes sportliches Vorbild war", sagte der einstige Weltklasse-Athlet Dieter Thoma der Deutschen Presse-Agentur.

Weißflog bezeugt Respekt für Nykänen

"Ich habe die Nachricht mit Entsetzen aufgenommen", sagte Deutschlands früherer Top-Springer Jens Weißflog dem Internetportal "Sport1". "Er war ein Mensch mit Stärken und Schwächen", sagte Weißflog. "Aber das ist auch das, was einen Menschen ausmacht. Er stand zu seinen Schwächen."

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Dr. Thomas Bach, fasste seine Gefühle so zusammen: "Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden. Matti Nykänen war einer der erfolgreichsten Skispringer der Geschichte mit vier olympischen Goldmedaillen, an dessen großartige Leistungen ich mich sehr gut erinnere. Er ist eine Legende seines Sports."

Die Sportabteilung des finnischen Ministeriums für Bildung und Kultur bestätigte Nykänens Tod, nachdem zuvor das finnische Magazin "Seiska" darüber berichtet hatte.

Der Internationale Skiverband drückte via Twitter seine Trauer aus. "Ruhe in Frieden, Matti", stand über einem Schwarz-Weiß-Bild des Finnen.

Erst Malysz kam an Nykänens Erfolge heran

Bei Olympia in Sarajevo 1984 und Calgary 1988 gewann Nykänen insgesamt vier Goldmedaillen und einmal Silber. Viermal holte er sich den Gesamt-Weltcup - das gelang außer ihm bislang nur dem Polen Adam Malysz.

Doch der sportliche Erfolg bekam ihm nicht. "Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war unglücklich und habe angefangen, in mir drinnen eine Mauer hochzuziehen", erzählte Nykänen einst.

Er begann zu trinken, jahrelang benebelte der Alkohol seine Sinne. Mit Bierbauch und aufgedunsenem Gesicht versuchte er sich nach seiner Skisprung-Karriere als Stripper und Popsänger. "Ich hätte niemals so viel trinken sollen. Wenn du trinkst, lebst du wie in einer Blase, siehst keinen Sinn", beschrieb er diese Zeit.

Nykänens privater Absturz sei sehr traurig gewesen, sagte Thoma. "Er war ein sehr einfach denkender Mensch, aber ein sehr guter Mensch - wenn er nüchtern war."

Thoma gibt Einblicke in Nykänens Seele

Nykänen habe eigentlich nur skispringen wollen, sei jedoch ausgenutzt worden, sagte Thoma. "Er war zu einfach zu begeistern für Alkohol, für Frauen, für das ganze Thema und hat dann das schöne Leben genossen. Aber leider hat er die Kurve nicht gekriegt, weil die Bodenständigkeit gefehlt hat und die richtigen Menschen um ihn herum. Das tut mir echt extrem leid."

Auch mit dem Gesetz geriet der zweimalige Vierschanzentournee-Sieger in Konflikt. Nach einer Messerattacke auf einen Freund saß er im Gefängnis. Nach seiner Entlassung im September 2015 griff er seine Ex-Frau tätlich an.

Auch Sven Hannawald, der 2001/2002 als erster Sportler alle vier Springen der Vierschanzentournee in einer Saison gewann, ging die Todes-Nachricht nahe.

Hannawald erinnert sich an Fernsehmomente

"Ich bin bestürzt. Als Kind habe ich ihn im Fernsehen gesehen und bewundert. Er war der Rekordskispringer der damaligen Zeit. Das hat mich beeindruckt", sagte Hannawald der "Bild"-Zeitung. "Er hatte es im Leben nicht einfach, nach seiner aktiven Zeit hat er leider nicht den Halt bekommen, den er gebraucht hätte."

Die Diskrepanz zwischen den sportlichen Höhen und den privaten Tiefen wird immer zur Erinnerung an Nykänen gehören. "Ich denke, der überwiegende Teil, der von Matti Nykänen gehört hat, weiß, was er sportlich geleistet hat. Das überwiegt", sagte Weißflog.

Er hatte sich bei den Olympischen Winterspielen 1984 packende Schanzen-Duelle mit Nykänen geliefert und ihn auf der Normalschanze auch bezwungen.

"Er war ohne Zweifel einer der bedeutendsten finnischen Sportler aller Zeiten", schrieb Sportminister Sampo Terho bei Twitter über Nykänen.

Erster und letzter Sieg in Deutschland

Nykänen wurde in seiner Heimat 1985 und 1988 zum Sportler des Jahres gewählt. Den ersten seiner 46 Weltcup-Siege sicherte er sich am 30. Dezember 1981 in Oberstdorf, seinen letzten am 1. Januar 1989 in Garmisch-Partenkirchen.

Der erste Weltcup-Termin der Skispringer nach Nykänens Tod findet im finnischen Lahti statt. Im Rahmen des Weltcups werde es wohl eine Gedenkfeier geben, kündigte Finnlands Skisprung-Chef Kulmala an. (dpa/hau)

Finnische Skisprung-Legende Matti Nykänen stirbt mit 55 Jahren

Der finnische Skispringer Matti Nykänen ist tot. Der vierfache Olympia-Sieger ist in der Nacht zum Montag unerwartet verstorben. Er wurde 55 Jahre alt. © ProSiebenSat.1
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