Die Corona-Warn-App könnte nach Ansicht von Ärztepräsident Klaus Reinhardt "überflüssig" werden, ein Hirn- und Entwicklungsforscher sieht in der Krise eine Chance für die Gesellschaft und Italien öffnet seine Grenzen für Touristen. Alle News zum Coronavirus.

  • 05:45 Uhr: Italien öffnet seine Grenzen wieder
  • 02:37 Uhr: Coronakrise könnte Aufbruch für Gesellschaft bedeuten
  • 01:00 Uhr: Ärztepräsident sieht Bedarf für Verbesserung von Corona-Warn-App

Hier Coronavirus-Live-Blog aktualisieren

Top-News: Ärztepräsident fordert Verbesserungen an Corona-Warn-App

01:00 Uhr: Aus Sicht von Ärztepräsident Klaus Reinhardt hängt der Erfolg der Corona-Warn-App entscheidend davon ab, dass sich viele Menschen testen lassen und die Ergebnisse schnellstmöglich in das Programm übertragen.

"Wenn es nicht gelingt, die Ergebnisübermittlung im Vergleich zu den jetzigen Verfahren drastisch zu beschleunigen, ist die App überflüssig", sagte der Präsident der Bundesärztekammer der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Gleichwohl könne die App helfen, die Corona-Pandemie einzugrenzen, indem Infektionsketten leichter nachverfolgt werden könnten. Ein Start der Anwendung in zwei Wochen sei angesichts der aktuell niedrigen Neuinfektionszahlen "wahrscheinlich noch rechtzeitig, um eine unkontrollierte Verbreitung des Coronavirus aufzuhalten", so Reinhardt.

Der Ärztepräsident plädiert dafür, die Systeme international zu vernetzen. "Vor allem mit Blick auf die anstehenden Grenzöffnungen und den wieder anlaufenden Reiseverkehr ist es wichtig, Schnittstellen zu den Systemen in anderen Ländern zu schaffen und entsprechende internationale Meldewege zu etablieren", sagte er. "Dies wäre als europäische Initiative sinnvoll und wünschenswert."

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geht davon aus, dass die deutsche Corona-Warn-App etwa Mitte Juni zur Verfügung stehen wird - zeitgleich mit der angestrebten vollständigen Öffnung der Grenzen zu den europäischen Nachbarn. Die App soll anonymisiert erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind - und Nutzer warnen, wenn sich herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben.

Wenn ein Nutzer seine bestätigte Infektion in der App meldet, werden Personen benachrichtigt, die ihm in den vergangenen Tagen nahe waren. Frankreich und Italien haben ihre Warn-Apps schon an den Start gebracht.

Weitere Corona-Meldungen des Tages im Live-Blog:

Studie: Arbeitgeber geben 1,6 Milliarden mehr für Lohnfortzahlung aus

07:48 Uhr: Wegen des sprunghaften Anstiegs der Krankenzahlen in der Coronakrise müssen die Arbeitgeber laut einer Studie im laufenden Jahr voraussichtlich rund 1,6 Milliarden Euro zusätzlich für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ausgeben.

Zum Jahresende drohten damit die Kosten der Entgeltfortzahlung bei Krankheit auf insgesamt knapp 69 Milliarden Euro zu steigen, zitiert die Düsseldorfer "Rheinische Post" in ihrer Mittwochsausgabe aus der Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Das Institut führt demnach den außergewöhnlich starken Anstieg des Krankenstandes vor allem auf die vom 9. März bis Ende Mai geltende Sonderregelung zurück, wonach Krankschreibungen lediglich nach Telefonat und ohne Arztbesuch möglich waren.

Der Anteil der krankgemeldeten Arbeitnehmer schnellte im März laut einer Erhebung der Techniker Krankenkasse (TK) auf 6,84 Prozent und damit den höchsten Wert seit 20 Jahren hoch. Im vergangenen Jahr lag das Jahreshoch beim Krankenstand noch bei 5,30 Prozent.

Wegen Corona: Lufthansa kündigt Umbau an - Milliardenverlust im ersten Quartal

07:23 Uhr: Die Lufthansa bereitet ihre Mitarbeiter trotz ihrer geplanten Rettung durch den Staat in der Coronakrise auf herbe Einschnitte vor.

"Angesichts der absehbar nur sehr langsam verlaufenden Erholung der Nachfrage müssen wir nun mit tiefgreifenden Restrukturierungen gegensteuern", sagte Vorstandschef Carsten Spohr bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal am Mittwoch in Frankfurt.

Das Management will die Stückkosten im Vergleich zum Vorkrisenniveau "deutlich" senken. Genauere Angaben zu einem Stellenabbau machte die Lufthansa zunächst nicht.

Um Kredite und Zinsen zügig zurückzahlen zu können, werde das Unternehmen seinen freien Barmittelzufluss im Vergleich zur Zeit vor der Krise deutlich steigern müssen, sagte Vorstandsmitglied Thorsten Dirks.

Dabei erwartet die Lufthansa nur eine schrittweise anziehende Nachfrage nach Flugreisen. Während zuletzt fast 700 der 763 Flugzeuge des Konzerns am Boden standen, dürften auch im kommenden Jahr noch 300 und im Jahr 2022 noch 200 Maschinen nicht fliegen, schätzt das Management. Für 2023 erwartet der Vorstand weiterhin eine um 100 Flugzeuge verkleinerte Flotte.

Im ersten Quartal brockte die Coronakrise dem Konzern einen Milliardenverlust ein. Unter dem Strich stand ein Minus von 2,1 Milliarden Euro nach einem saisontypischen Minus von 342 Millionen ein Jahr zuvor.

Eine Prognose für das Gesamtjahr traut sich der Vorstand weiterhin nicht zu, erwartet aber unverändert einen signifikanten Rückgang des operativen Ergebnisses.

Hohe Nachfrage nach Pools und Hängematten in Coronakrise

06:00 Uhr: Viele Menschen in Deutschland investieren angesichts ausgefallener Urlaubsreisen in die eigenen vier Wände und in Freizeitmöbel. Hersteller von Pools und Hängematten verzeichnen in der Coronakrise eine gestiegene Nachfrage.

"Es ist immer noch genug Geld da. Die Leute vergolden ihr Zuhause", sagte der Marketingleiter des emsländischen Schwimmbecken-Herstellers Riviera Pool, Uwe Rengers, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Hängematten-Hersteller La Siesta aus Rheinhessen verzeichnete im April nach eigenen Angaben sogar ein Umsatzplus von 85 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Baumarktkette Hagebau stellte eine hohe Nachfrage nach Produkten zur Renovierung der Wohnung fest.

Einig sind sich die Unternehmen allerdings, dass der Effekt wohl nicht von Dauer ist: Wenn sich das Reiseverhalten wieder normalisiere, werde sich das auch in der Nachfrage spiegeln.

Italien öffnet seine Grenzen für EU-Bürger

05:45 Uhr: Nach rund drei Monaten mit strengen Corona-Beschränkungen sind Italiens Grenzen wieder für Urlauber geöffnet. Die Reisefreiheit gilt seit Mittwoch für Menschen aus den anderen 26 EU-Ländern sowie weiteren Staaten wie Großbritannien, Norwegen und der Schweiz.

Eine Virus-Quarantäne von zwei Wochen entfällt damit. Außerdem dürfen die Italiener selbst wieder unbeschränkt zwischen den 20 Regionen hin- und herfahren.

Die neuen Lockerungen waren von vielen der 60 Millionen Bürger sehnsüchtig erwartet worden. Sie dürfen nun wieder Angehörige und Freunde besuchen, die weiter entfernt leben. Einige Politiker und Experten äußerten jedoch Bedenken, dass es dadurch wieder mehr Infektionen geben könnte.

In Italien sind die Regionen sehr unterschiedlich stark betroffen: In der Lombardei im Norden, wo das Virus am heftigsten gewütet hat, zählten die Behörden am Dienstag gut 20.000 aktuell Infizierte, in Umbrien nur 31, in der Basilikata 24 und im Aostatal 13 Fälle.

Italien ist von der Corona-Pandemie in Europa früh und mit voller Wucht getroffen worden. Bisher starben dort seit Februar rund 33.530 Menschen an oder mit der COVID-19-Krankheit. Am 10. März hatte die Regierung in Rom strenge Ausgangs- und Reisebeschränkungen verhängt.

RKI meldet 342 Neuinfektionen in Deutschland

04:33 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 342 Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Coronakrise 182.370 Menschen in Deutschland nachweislich mit SARS-CoV-2 angesteckt (Datenstand 03.06. 0 Uhr).

Bislang starben nach RKI-Angaben in Deutschland 8.551 nachweislich mit dem Virus Infizierte, damit stieg die Zahl der gemeldeten Toten innerhalb von 24 Stunden um 12. Etwa 167.300 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden, das sind 800 mehr als noch einen Tag zuvor.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, ist nach aktuellsten RKI-Angaben wieder unter die kritische Marke von 1,0 gerutscht, nämlich auf 0,89 (Datenstand 2.6. 0 Uhr). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als eine weitere Person ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Am Vortag hatte er bei 1,20 (Datenstand 1.6. 0 Uhr) gelegen.

Das RKI hatte bereits am Wochenende erklärt, dass der R-Wert empfindlich auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen reagiere, wie sie etwa durch einzelne Ausbruchsgeschehen verursacht werden können. Insbesondere bei einer insgesamt kleineren Anzahl von Neuerkrankungen könne dies zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen.

Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes 7-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert (Datenstand 2.6. 0 Uhr) bei 0,87 (Vortag: 0,95). Er zeigt das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen.

Göttingen bereitet Hunderte Corona-Tests in Wohnanlage vor

04:00 Uhr: Wegen eines Corona-Ausbruchs nach dem Zuckerfest will die Stadt Göttingen alle Bewohner einer Wohnanlage auf COVID-19 testen lassen. Das seien bis zu 700 Personen, hatte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Dienstag erklärt.

"Die Testung wird zur Zeit vorbereitet in einer Arbeitsgruppe." Der Wohnkomplex am nördlichen Rand der Innenstadt ist laut Köhler der Schwerpunkt der COVID-19-Infektionen.

Nach privaten Feiern zum muslimischen Zuckerfest sind mehrere Hundert Menschen in Quarantäne. Es handele sich um 230 Personen in Stadt und Landkreis Göttingen sowie 140 im restlichen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, sagte die Leiterin des Krisenstabs in Göttingen, Petra Broistedt (SPD).

Mit dem Zuckerfest begehen Muslime das Ende des Fastenmonats Ramadan. Laut dem Oberbürgermeister war es dabei am 23. Mai zu Verstößen gegen Hygiene- und Abstandsregeln gekommen - allerdings nicht in den Moscheen. Es habe "private Begrüßungen und Feierlichkeiten" gegeben. Dazu reisten auch auswärtige Gäste an.

Im Kontext der Infektionen habe eine Shisha-Bar in Göttingen "eine nicht unwesentliche Rolle" gespielt. Dort sollen verschiedene Personen mit demselben Mundstück geraucht haben. Warum in der Bar gefeiert wurde, wird ebenfalls weiter untersucht..

Forscher: Coronakrise könnte gesellschaftlichen Aufbruch bringen

02:37 Uhr: Der Hirn- und Entwicklungsforscher Gerald Hüther rechnet zumindest bei einem Teil der Bevölkerung nach der Coronakrise mit positiven Veränderungen. "Nach der Corona-Pandemie könnte sogar ein gesellschaftlicher Aufbruch stattfinden", sagte Hüther den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch).

Sicher werde ein Großteil der Gesellschaft zu seinem Leben zurückkehren - "aber die Anzahl der Menschen, die ihr Leben künftig nicht mehr so weiterführen wollen, ist gewachsen".

Während der Krise würden Menschen aus ihren üblichen Mustern und Abläufen herausgeworfen. "Die meisten haben bestimmte Pflichten, Regeln und Denkmuster, der ganze Tag ist durchfunktionalisiert."

Doch in der Krise veränderte sich der Blick auf manche Dinge und Werte. Etwa Reichtum, Ansehen und Macht seien im Lichte der Corona-Pandemie nutzlos, sagte der frühere Professor für Neurobiologie der Universität Göttingen.

Hüther schätzt, dass zwei Drittel der Bevölkerung einfach in ihren Alltag zurückkehren und etwa ein Drittel etwas ändern wollten - und dieses Drittel werde sich bemerkbar machen.

Alle Schulen in Göttingen wegen Coronavirus-Ausbruchs geschlossen

00:46 Uhr: Nach einem Coronavirus-Ausbruch in Göttingen im Zusammenhang mit privaten Familienfeiern werden alle Schulen in der niedersächsischen Stadt geschlossen.

Die präventiven Schulschließungen gelten bis zum Wochenende, wie die Stadtverwaltung am Dienstagabend mitteilte. Auch werden fünf Kitas in der Stadt sowie eine Reihe von Schulen im Umfeld von Göttingen bis zum Wochenende geschlossen.

Inzwischen wurden den Angaben zufolge 80 Menschen, die an den Feiern teilgenommen hatten, positiv auf das Coronavirus getestet. Die Schließungen von Schulen und Kitas verschafften die Zeit, um Tests auszuwerten, mögliche Infektionsketten nachzuverfolgen, Quarantäne-Anordnungen auszusprechen "und ein weiteres Infektionsgeschehen möglichst frühzeitig einzudämmen", erklärte die Stadtverwaltung.

Nach Wiederöffnung der Schulen werde dort für 14 Tage die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bestehen.

Zuvor hatte die Stadt bereits mitgeteilt, dass es sich bei den von dem Virus-Ausbruch betroffenen Menschen zum größten Teil um Mitglieder verschiedener Großfamilien handele.

Sie hätten sich wahrscheinlich am vergangenen Wochenende bei mehreren größeren privaten Feiern angesteckt. Nach Hinweisen, dass die Ausbreitung des Virus unter anderem in einer Shisha-Bar erfolgt sein könnte, waren am Pfingstsonntag alle Shisha-Bars in Göttingen kontrolliert worden. Eine der Bars wurde geschlossen.

Die Coronavirus-Meldungen vom Vortag finden Sie hier

Der Weg des Virus: Wie ein Stammbaum die Evolution des Virus sichtbar macht

Wissenschaftler verwenden die genetischen Sequenzen des Virus, um den Stammbaum des Virus zu erstellen. Aus den gesammelten Informationen konnte so ein globaler Stammbaum des Virus konstruiert werden.

Mehr zum Coronavirus-Thema:

Mit Material von dpa, afp, sid und apa.