Das Baby hatte sich wohl im Ausland angesteckt. Indes treffen sich in Deutschland hunderte Muslime wegen der Corona-Auflagen zum Gebet auf einem IKEA-Parkplatz . Und: Namhafte Virologen sowie Ministerpräsident Markus Söder sind bedroht worden. Alle News zum Coronavirus vom 29. Mai zum Nachlesen.

  • 17:35 Uhr: Säugling stirbt in der Schweiz an COVID-19
  • 16:13 Uhr: Hunderte Muslime treffen sich wegen Corona zum Gebet auf IKEA-Parkplatz
  • 14:37 Uhr: Söder wird wegen Corona-Politik bedroht
  • 13:39 Uhr: Mehrheit der Deutschen sieht Corona-Lockerungen in Thüringen kritisch
  • 12:05 Uhr: Virologe Streeck spricht sich für Großevent-Verbot aus
  • 10:07 Uhr: China schließt Markt in Wuhan als Corona-Ursprung aus
  • 07:53 Uhr: Kontaktverfolgung: Zweite Corona-Welle könnten Gesundheitsämter personell nicht bewältigen
  • 06:35 Uhr: Bundesweit normaler Schulbetrieb nach den Sommerferien? Elternbeirat ist skeptisch

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Top-News: Säugling stirbt in der Schweiz an COVID-19

17:35 Uhr: In der Schweiz ist erstmals ein Säugling an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit COVID-19 gestorben. Es sei zwar richtig, dass Kinder seltener erkrankten, sagte am Freitag Stefan Kuster vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Aber es gebe leider auch Fälle wie den des gestorbenen Säuglings.

Das Baby aus dem Kanton Aargau hatte sich den Angaben zufolge im Ausland angesteckt. Es werde nun weitere Untersuchungen geben. Kuster machte keine Angaben, ob der Säugling andere Vorerkrankungen hatte.

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Auch Virologe Streeck wurde bedroht

18:09 Uhr: Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat offenbar das gleiche Drohschreiben erhalten wie bereits sein Kollege Christian Drosten, SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Ich habe auch Flüssigkeiten geschickt bekommen, auf denen stand, dass ich sie doch trinken solle, damit ich immun werde", sagte Streeck der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

"Ich habe das jetzt nicht als Morddrohung verstanden. Ich habe das einem Kollegen gegeben und ihn gebeten, das Päckchen unter Überdruck zu zerstören. Dann war die Sache für mich auch erledigt." Bei dem Hass gegen ihn und andere Experten gehe es letzten Endes um Angst, sagte Streeck. "Die einen haben Angst vor dem Virus, die anderen vor dem Verlust der Existenz. Das kann noch sehr viel emotionaler werden. Da müssen wir wirklich aufpassen."

Louvre in Paris soll ab 6. Juli wieder öffnen

17:28 Uhr: Der Pariser Louvre soll nach der Corona-Zwangspause ab 6. Juli, einem Montag, wieder zu besichtigen sein. Man arbeite an der Wiedereröffnung des Museums, verkündete die Einrichtung am Freitag.

Man hoffe, dass die Franzosen, bald auch die Europäer und alle Besucher den Weg zurück ins Museum finden, erklärte der Louvre-Direktor Jean-Luc Martinez. Ästhetische Erfahrungen und Begegnungen seien wichtig, so der Kunsthistoriker.

Der Louvre in Paris gehört zu den meistbesuchten Museen der Welt. Die Wiedereröffnung unterliegt strengen Sicherheitsvorkehrungen, zu denen auch das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes gehört. Sie erfolgt im Zuge der von Frankreichs Premierminister Édouard Philippe am Donnerstag verkündeten Corona-Lockerungen.

Regierung baut Förderung für Herstellung von Schutzmasken aus

17:05 Uhr: Das Bundeswirtschaftsministerium will die Produktion von Schutzmasken in Deutschland ankurbeln. Mit einer neuen Förderung sollen Investitionen in Anlagen zur Herstellung von Spezialmasken gefördert werden, wie das Ministerium am Freitag mitteilte.

"So stärken wir die europäische Unabhängigkeit von Lieferengpässen, tragen zur erfolgreichen Bekämpfung von Pandemien bei und sichern gleichzeitig Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland", sagte Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier (CDU) laut Mitteilung vom Freitag.

Ziel sei es, besonders innovative Anlagen und Produkte zu fördern. Unternehmen können die Hilfe ab dem 1. Juni beantragen und bis zu 50 Prozent Förderung für die Anschaffung von Anlagen und Komponenten sowie eigene Entwicklungsarbeiten bekommen.

Hunderte Muslime beten auf Ikea-Parkplatz

16:15 Uhr: Mehrere hundert Muslime in Wetzlar haben zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan einen ungewöhnlichen Ort zum gemeinsamen Festtagsgebet aufgesucht.

Coronabedingt kamen sie bereits am vergangenen Sonntag statt in einer Moschee auf dem großen Parkplatz des Ikea-Möbelhauses in der mittelhessischen Stadt zusammen. Ein Foto von den Gläubigen, die mit Corona-Sicherheitsabstand auf Gebetsteppichen sitzen oder knien, machte auch im Internet die Runde.

Man sei von der Aufmerksamkeit überrascht, sagte Kadir Terzi, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) in Wetzlar am Mittwoch. Man freue sich über die größtenteils positiven Rückmeldungen.

Wegen der Corona-Beschränkungen war das gemeinsame Beten mit so vielen Menschen nicht in einer Moschee möglich. Die IGMG sowie der türkische Moscheeverband Ditib Wetzlar suchten Terzi zufolge nach einer Lösung - die auf dem benachbarten Ikea-Parkplatz gefunden wurde.

Seinen Schätzungen zufolge kamen schließlich etwa 700 Menschen im Freien zusammen. Zu den Auflagen habe unter anderem ein Abstand von zwei Metern zueinander gehört.

Man verstehe sich als "guter Nachbar", sagte eine Ikea-Sprecherin. Und da ein Hygienekonzept vorgelegen habe, habe der Möbelhausleiter grünes Licht für die Anfrage der Moscheevereine gegeben. Die Auflagen seien nach Einschätzung des Ordnungsamtes eingehalten worden.

Österreich gibt Maskenpflicht Mitte Juni weitgehend auf

16:36 Uhr: Österreich gibt angesichts niedriger Corona- Infektionszahlen Mitte Juni die Maskenpflicht weitgehend auf. Wenn die Grenzen zu Deutschland und anderen Nachbarländern am 15. Juni wieder geöffnet werden, muss in der Öffentlichkeit bis auf wenige Ausnahmen auch kein Mund-Nasen-Schutz mehr getragen werden.

Dies gab Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag in Wien bekannt. Innerhalb von 24 Stunden gab es nach Regierungsangaben lediglich 27 Neuinfektionen in Österreich.

Masken müssen ab 15. Juni nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Apotheken, Praxen und Kliniken aufgesetzt werden. Ebenso sei dies bei Mitarbeitern im Dienstleistungsgewerbe nötig, wo der Mindestabstand von einem Meter nicht immer eingehalten werden könne, sagte Kurz.

Als Beispiele nannte er Friseure und die Gastronomie. Österreich hatte als eines der ersten Länder in Europa Anfang April die Maskenpflicht eingeführt. Die Sperrstunde in der Gastronomie wird zum 15. Juni zudem um zwei Stunden bis 1.00 Uhr ausgeweitet.

Auch die Regel, dass höchstens vier erwachsene Personen an einem Tisch im Restaurant sitzen dürfen, fällt dann. Wenn nötig, könnten regional aber auch wieder strengere Maßnahmen verhängt werden, sagte Kurz.

Große Unterstützung für europäisches Kurzarbeitergeld

15:51 Uhr: Die geplanten EU-Kredite für Kurzarbeitergeld in Europa stoßen im Bundestag auf breite Unterstützung. Neben der großen Koalition signalisierten am Freitag bei der ersten Lesung auch FDP, Linke und Grüne ihre Unterstützung für das Vorhaben.

"Das Kurzarbeitergeld ist ein Beispiel für europäische Sozialpolitik wie sie sein sollte", erklärte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel. Nur die AfD warnte vor einem "Weg in die Schuldenunion" zulasten der deutschen Steuerzahler.

Zur Bewältigung der Coronakrise soll das Kreditprogramm "Sure" die Zahlung von Kurzarbeitergeld in den EU-Staaten fördern. Damit die EU-Kommission dafür bis zu 100 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen kann, sollen die EU-Staaten insgesamt 25 Milliarden Euro als Garantien hinterlegen.

Davon würden rund 6,4 Milliarden Euro auf Deutschland entfallen, wenn der Bundestag in voraussichtlich drei Wochen zustimmt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) betonte in der Debatte, die Herausforderungen der Corona-Pandemie seien nicht allein national zu lösen. Solidarität und gemeinsames europäisches Handeln seien deshalb "das Gebot der Stunde".

Zulassung von Remdesivir als Mittel gegen COVID-19 verzögert sich

15:30 Uhr: Die Zulassung des Mittels Remdesivir gegen COVID-19 auf dem europäischen Markt verzögert sich. Das Pharmaunternehmen Gilead habe bisher noch keinen Zulassungsantrag gestellt, teilte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am Freitag in Amsterdam mit.

Damit werde aber in Kürze gerechnet. Je nach Qualität der vorliegenden Daten sollte dann schnell eine Entscheidung fallen. Die EMA hatte zunächst mit einer Entscheidung bis Ende Mai gerechnet. Am 30. April hatte die EMA ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für Remdesivir gestartet.

Die USA hatten bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelten Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in Deutschland ist das Mittel innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wird in klinischen Studien getestet.

Eine internationale Studie mit über 1.000 Teilnehmern hatte gezeigt, dass Remdesivir bei COVID-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann. Die Sterblichkeit ging in der Untersuchung geringfügig zurück, was statistisch jedoch nicht signifikant war.

Remdesivir ist bislang in keinem Land der Welt uneingeschränkt als Medikament zugelassen. Bislang gibt es keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus und auch keine zuverlässige zugelassene medikamentöse Therapie.

RKI meldet rund 560 Neuinfektionen in Deutschland

15:11 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) rund 560 Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. Zwar hatte das RKI am frühen Freitagmorgen die Zahl zunächst mit 741 angegeben, allerdings seien darin wegen technischer Probleme auch ältere Fälle enthalten, wie eine RKI-Datenexpertin auf Nachfrage erläuterte.

Damit haben sich seit Beginn der Coronakrise 180.458 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt (Datenstand 29.05. 0 Uhr).

Bislang starben nach RKI-Angaben 8.450 nachweislich mit dem Virus Infizierte, damit stieg die Zahl der gemeldeten Toten innerhalb von 24 Stunden um 39. 164.100 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden, das sind 900 mehr als noch einen Tag zuvor.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach aktuellsten Angaben des Robert Koch-Instituts vom Donnerstag bei 0,61 (Datenstand 28.5. 0 Uhr; Dienstag 0,68). Das bedeutet, dass zehn Infizierte im Mittel etwa sechs weitere Personen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Söder wird für Kampf gegen Corona bedroht - Umschlag mit Reagenzglas

14:37: Für seinen politischen Kurs im Kampf gegen das Corona-Virus wurde CSU-Chef Markus Söder bereits persönlich bedroht und angefeindet. "Hass und Hetze nehmen zu", schrieb der bayerische Ministerpräsident am Freitag beim Kurznachrichtendienst Twitter und postete dazu das Foto eines an ihn andressierten Briefumschlags samt Inhalt.

Vorsichtiger Optimismus: Drosten hofft auf Ausbleiben zweiter Corona-Welle

Eine zweite Corona-Welle könnte nach Einschätzung des Virologen Christian Drosten abgewendet werden - allerdings nur, wenn die aktuellen Maßnahmen nochmals angepasst werden.

Neben einem kleinen Reagenzglas liegt ein Zettel auf dem "2019-nCoV" "positiv" steht und auf einem zweiten Zettel der Satz "trink das - dann wirst du immun".

Söder verwies in seiner Mitteilung auf ähnliche Drohungen gegen den Virologen Christian Drosten und den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach: "Auch ich erhielt am 25.5. so einen Umschlag. Verschwörungstheoretiker schüren ein gefährliches Klima. Das dürfen wir nicht zulassen. Die Politik muss Haltung zeigen und die Stimme der Vernunft sein."

Dänemark öffnet Grenzen für deutsche Touristen

14:27 Uhr: Dänemark öffnet seine in der Coronakrise geschlossenen Grenzen ab dem 15. Juni wieder für Touristen aus Deutschland, Norwegen, Island und Skandinavien. Das gab Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Freitag in Kopenhagen bekannt.

Dänemark hatte als eines der ersten Länder Europas im Kampf gegen Corona am 14. März seine Grenzen dicht gemacht. Touristen und andere Ausländer ohne konkreten Einreisegrund kommen seitdem nicht mehr ins Land.

Frederiksen hatte bereits angekündigt, dass die Regierung spätestens am 29. Mai einen Plan "für eine kontrollierte und schrittweise Wiedereröffnung des Sommertourismus" präsentieren wolle. Wer als Deutscher ein Sommerhaus in Dänemark besitzt oder seinen Partner in dem Land besuchen will, darf bereits wieder einreisen.

Keine Corona-Furcht - ältere Deutsche kennen größere Ängste

14:12 Uhr: Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck (80) hat nach eigenen Worten keine Angst vor COVID-19. Im Gespräch mit "Zeit-Magazin"-Chefredakteur Christoph Amend zu Corona und der Angst vieler Menschen vor der Krankheit sagte der Ex-Präsident: "Bei uns älteren Deutschen, die wir andere Krisen mit größerem Bedrohungspotenzial erlebt haben, geht es vielfach nicht so tief."

Das von 2012 bis 2017 amtierende Staatsoberhaupt sagte: "Diese Urangst, die bei vielen da anscheinend existiert, ist mir fremd." Er sehe aber die Gefahren und auch, "dass viele Menschen damit Probleme haben, mit sich alleine zu sein".

Polnische Fußball-Fans ab 19. Juni zurück in den Stadien

13:26 Uhr: Ein Teil der polnischen Fußball-Fans kann bald in die Stadien zurückkehren. Dies werde ab dem 19. Juni ermöglicht, teilte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki von der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) am Freitag mit. Die Zuschauerkapazität der Stadien darf aber nur zu einem Viertel ausgenutzt werden, um ausreichende Abstände zu gewährleisten. Manche der für die EM 2012 gebauten Spielstätten dürften dennoch allen Interessenten genug Plätze bieten. Ticketverkauf und Eingangskontrolle sollen so organisiert werden, dass Menschenansammlungen nach Möglichkeit vermieden werden.

Die Ankündigung des Regierungschefs erfolgte wenige Stunden vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Ekstraklasa, der höchsten Fußball-Liga Polens. Die Begegnungen finden vorerst noch als Geisterspiele statt. Die ersten Spiele sollten am Freitagabend nach mehr als 80-tägiger Corona-Pause Slask Wroclaw (Breslau) gegen Rakow Czestochowa und Pogon Szczecin (Stettin) gegen Zaglebie Lubin bestreiten.

Bis Freitag gab es in Polen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 22.964 bestätigte Coronavirus-Infektionen. Es wurden 1043 Todesfälle mit der Erkrankung in Verbindung gebracht.

Corona-Sterberisiko bei Krebs- und Diabetes-Patienten Studien zufolge höher

13:05 Uhr: Krebs- und Diabetes-Patienten haben zwei Studien zufolge ein deutlich höheres Risiko, bei einer Corona-Erkrankung zu sterben, als andere COVID-19-Patienten. Einer in der Fachzeitschrift "Diabetologia" veröffentlichten französischen Studie zufolge starb jeder zehnte COVID-Patient mit Diabetes innerhalb der ersten sieben Tage nach seiner Verlegung in ein Krankenhaus.

Bei Krebspatienten ist die Sterberate doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt, wie eine weitere, in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie ergab.

Die französischen Forscher untersuchten über 1300 an COVID-19 erkrankte Patienten in 53 Krankenhäusern. Für die Krebs-Studie wurden mehr als 900 krebskranke COVID-Patienten aus den USA, Kanada und Spanien untersucht.

Drosten: Keine "gleichförmige Ausbreitung" des Coronavirus

12:44 Uhr: Der Virologe Christian Drosten hat die Bedeutung von sogenannten Superspreadern für die Verbreitung des Coronavirus betont. "Wir haben wenige Leute, die viele andere Menschen infizieren", sagte er in einem Interview mit dem "Spiegel". "Ein solches Infektionsgeschehen kann man besser kontrollieren als eine gleichförmige Ausbreitung unterm Radar, wie wir das am Anfang angenommen haben."

Es sei relativ klar, dass es einen gewissen Temperatureffekt gebe, sagte Drosten zudem. "Wahrscheinlich entsteht er durch das Zusammensein in geschlossenen Räumen im Winter." Im Sommer könnte es die Chance geben, die Testlogik neu zu planen und Richtlinien darauf abzustimmen, sagte der Chef-Virologe der Berliner Charité weiter.

Drosten plädierte dafür, dass bei einem Ausbruch sämtliche Kontaktpersonen auch ohne Test in Quarantäne kommen. Statt 14 Tage sei bereits eine Woche ausreichend. "Die Inkubationszeit und die Zeit, in der man ansteckend ist, das alles ist nämlich deutlich kürzer als anfangs gedacht."

Er verlasse sich darauf, dass es bis nächstes Frühjahr einen Impfstoff gebe. "Das läuft in Deutschland ein bisschen im Hintergrund, aber wir sind auf einem extrem guten Weg bei der Impfung."

Finanzminister Scholz nennt Ziele für Corona-Konjunkturprogramm

12:32 Uhr: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will mit dem geplanten Konjunkturprogramm in der Coronakrise vor allem Wirtschaft, Familien und Kommunen helfen. "Es muss weiterhin Einkommen stabilisieren, wie das mit der Kurzarbeit zum Beispiel der Fall ist", sagte Scholz am Freitag in Potsdam. "Es geht aus meiner Sicht auch darum, dass wir etwas für Familien tun, die ja nun in einer ganz besonders schwierigen Situation sind." Er verwies auf die Idee eines Kinderbonus.

Die Bundesregierung habe vor, das Programm kommenden Mittwoch zu beschließen, sagte Scholz. Es solle für 2020 und 2021 gelten und komme zur richtigen Zeit, weil der größte Teil an Beschränkungen dann beendet sei.

Mit dem Konjunkturprogramm müsse auch die Wirtschaft stabilisiert werden, sagte der Minister. Bestimmte Branchen sollten gezielt Hilfe erhalten: Scholz nannte Gaststätten, Hotels, Reisebüros, Schausteller, Kunst und Kultur als Beispiele. Das Programm sollte nach seiner Ansicht auch für mehr Klimaschutz und Digitalisierung sorgen.

Der Minister warb für seinen Vorschlag eines Schutzschirms für Kommunen, indem Bund und Länder Ausfälle der Gewerbesteuer ausgleichen und alte Schulden abtragen. Den ostdeutschen Ländern solle speziell geholfen werden. Obwohl eine Entlastung kommunaler Altschulden bei der Union umstritten ist, zeigte sich Scholz zuversichtlich: "Es muss klappen", sagte er. "Es ist dringend notwendig."

Infolge der Krise wird eine schwere Rezession erwartet. Es geht bei dem Konjunkturpaket um Milliardenausgaben. Der Umfang der Hilfen ist aber bisher noch unklar.

An deutschen Schulen läuft in der Corona-Pandemie der normale, der "Präsenzunterricht", nur schleppend an. Das soll sich nach den Sommerferien 2020 ändern.

Virologe Streeck: "Sehr viel mehr auf Großevents fokussieren"

12:05 Uhr: Großveranstaltungen wie die Karnevalssitzung in Gangelt spielen nach Einschätzung des Bonner Virologen Hendrik Streeck eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus.

Er gehe davon aus, "dass wir uns sehr viel mehr auf diese Großevents fokussieren müssen", sagte der Autor der sogenannten "Heinsberg-Studie" dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Die zu unterbinden scheint am ehesten was gebracht zu haben." Bei der Untersuchung habe man herausgefunden, dass "schlimme Infektionsverläufe durch den Cluster-Effekt immer von Superspread-Momenten ausgehen", sagte Streeck in der Talkshow von Markus Lanz am Donnerstagabend.

Er vermute, dass es auch in Zukunft immer wieder zu lokalen Ausbrüchen wie zuletzt in Leer oder Frankfurt kommen werde. "Das wird vielleicht im Herbst auch vermehrt und überraschend geschehen - aber ich glaube nicht, dass wir eine zweite Welle sehen werden, die uns regelrecht überschwemmt und überfordert."

Auf die Frage, wie zuversichtlich er sei, dass es je einen Impfstoff geben werde, antwortete Streeck: "Jede Vorhersage für einen Impfstoff ist nicht seriös. Es gibt bislang gegen kein Coronavirus einen Impfstoff. Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, wenige auf Effektivität getestet, aber keiner hat funktioniert."

Es sei deshalb ratsam, sich darauf einzustellen, dass das Virus bleiben werde.

Große Mehrheit gegen Ramelows Lockerungspläne

11:26 Uhr: Die große Mehrheit der Bundesbürger lehnt einer Umfrage zufolge die Corona-Lockerungspläne des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) ab. Im ZDF-Politbarometer vom Freitag sprachen sich 72 Prozent dagegen aus.

Ein Viertel der Befragten unterstützt den Vorstoß. Ramelow hatte sich in den vergangenen Tagen für eine neue Strategie ausgesprochen, wonach es keine vom Land einheitlich verordneten Corona-Beschränkungen mehr geben sollte.

Vielmehr beurteilen die meisten Befragten (56 Prozent) die jetzt geltenden Lockerungen bei den Einschränkungen in der Corona-Pandemie als gerade richtig. Knapp einem Drittel (32 Prozent) gehen die Lockerungen zu weit, für 11 Prozent der Bundesbürger gehen sie nicht weit genug.

44 Prozent der Befragten sehen ihre eigene Gesundheit durch das Coronavirus gefährdet, für 54 Prozent ist das nicht der Fall. Hinsichtlich der Ausbreitung von SARS-CoV-2 glauben 42 Prozent, das Schlimmste sei in Deutschland schon überstanden. Rund die Hälfte der Befragten (51 Prozent) bezweifelt dies.

20 Corona-Fälle in Zusammenhang mit Pfingstgemeinde in Bremerhaven

11:02 Uhr: Im Zusammenhang mit einer Pfingstgemeinde in Bremerhaven haben sich mindestens 20 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. "Das Ausbruchsgeschehen wird weiter ermittelt", sagte ein Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin am Freitagmorgen.

Zuvor hatte die "Nordsee-Zeitung" darüber berichtet. Dem Sprecher zufolge ist eine Glaubensgemeinschaft in einem Grenzgebiet von Bremerhaven und dem Landkreis Cuxhaven betroffen, sodass ein Teil der Fälle statistisch zu Niedersachsen gerechnet werde. Wie viele Menschen in Quarantäne sind, sagte er nicht.

Bereits am Dienstag hatte der Magistrat der Stadt Bremerhaven auf den Ausbruch mit damals mindestens fünf neuen Fällen hingewiesen. Es sei von einem begrenzten Geschehen "im sozialen und familiären Kontext" auszugehen, hieß es in einer Mitteilung. Am Freitag kündigte ein Sprecher des Magistrats weitere Informationen im Laufe des Tages an.

Mund-Nase-Bedeckung richtig reinigen: Masken waschen, bügeln oder „backen“?

Aufgrund der Corona-Pandemie tragen Menschen auf der ganzen Welt Mund-Nase-Bedeckungen. Selbst hergestellte Stoffmasken können laut dem Regensburger Infektiologen Bernd Salzberger problemlos öfter getragen werden. Die Bedeckung muss allerdings regelmäßig gereinigt werden. Im Video zeigen wir, wie man Masken richtig reinigt.

Japanische Kunstflugstaffel bedankt sich bei Ärzten für Corona-Kampf

10:35 Uhr: Mit einer kleinen Showeinlage über Tokio hat sich die Kunstflugstaffel der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte beim medizinischen Personal für seinen Einsatz gegen die Corona-Pandemie bedankt.

Bei wolkenlosem Himmel und strahlender Sonne donnerte die "Blue Impulse" genannte Staffel am Freitag hoch über den Dächern der Hauptstadt und hinterließ lange weiße Kondensstreifen, wie von begeisterten Schaulustigen auf Twitter hochgeladene Fotos und Videos zeigen.

Zwei Runden wollten die Maschinen auf einer festgelegten Route über der Stadt kreisen, teilte das Verteidigungsministerium in Tokio auf seiner Webseite mit. Man wolle auf diese Weise "Hochachtung und Dank" für das medizinische Personal zum Ausdruck bringen.

Italiens Wirtschaft bricht massiv ein

10:27 Uhr: Die Wirtschaft Italiens ist im ersten Quartal noch stärker eingebrochen als bisher bekannt. Wie das Statistikamt Istat am Freitag in Rom mitteilte, lag die Wirtschaftsleistung (BIP) in den ersten drei Monaten des Jahres 5,3 Prozent niedriger als im vierten Quartal 2019. In einer ersten Schätzung war ein etwas geringerer Rückgang um 4,7 Prozent ermittelt worden.

Die italienische Wirtschaft wurde durch die Coronakrise besonders hart getroffen. Fachleute befürchten, dass der Wachstumseinbruch im zweiten Quartal noch wesentlich heftiger ausfällt, weil die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor allem in diesem Abschnitt ergriffen wurden.

China sieht Markt in Wuhan nicht als Ursprung des Coronavirus

10:07 Uhr: Der Direktor der chinesischen Seuchenschutzbehörde Gao Fu hat der Einschätzung widersprochen, dass das Coronavirus seinen Ursprung auf einem Markt in Wuhan hat. "Es stellte sich heraus, dass der Markt eines der Opfer ist", erklärte Fu gegenüber dem "Wall Street Journal".

Obwohl der Ursprung des Virus bislang nicht abschließend geklärt ist, gehen Experten davon aus, dass sich das Virus auf besagtem Markt von den dort angebotenen Tieren auf den Menschen übertragen hat.

Nun von der chinesischen Seuchenschutzbehörde durchgeführten Tests an den Tieren fielen allerdings negativ aus. Das könnte darauf hindeuten, dass der Markt nicht als Geburtsort der Pandemie, sondern als eine Art Superspread-Ereignis fungiert haben könnte.

Brasilien meldet erneut starken Anstieg der Corona-Fälle

09:15 Uhr: Brasilien hat innerhalb von nur einem Tag 26.417 neue Infizierungen mit dem Coronavirus registriert. Das sei der höchste Anstieg innerhalb von 24 Stunden seit Beginn der COVID-19-Pandemie, teilte das Gesundheitsministerium in Brasília am Donnerstag mit.

Damit stieg die Gesamtzahl der Infizierten in dem mit 210 Millionen Einwohnern größten Land Lateinamerikas auf 438.238. Mindestens 26.754 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus bislang gestorben.
Brasilien liegt nach den Daten der US-Universität Johns Hopkins bei der Zahl der Todesopfer damit weiter auf Platz sechs, bei der Zahl der Infizierten auf Platz zwei der am schwersten betroffenen Länder - hinter den Vereinigten Staaten.
São Paulo, der mit mehr als 40 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Bundesstaat Brasiliens, allein registrierte am Donnerstag 6.382 neue Corona-Fälle, was ebenfalls einen Negativ-Rekord für den Zeitraum von 24 Stunden darstellte.

Gouverneur João Doria hatte zuvor zwar die Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens verlängert, aber auch eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft angekündigt.

Kontaktverfolgung bei zweiter Welle würde Gesundheitsämter personell überfordern

07:53 Uhr: Die Nachverfolgung der Corona-Infektionen ist für die Gesundheitsämter nach eigenen Angaben derzeit beherrschbar. "Im Moment ist die Lage vergleichsweise entspannt", sagte Markus Mempel vom Deutschen Landkreistag der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) bescheinigt den Behörden aktuell ein gutes Management bei der Verfolgung von Kontaktpersonen. "Die Gesundheitsämter ermitteln zuverlässig und zeitnah", sagte die Verbandsvorsitzende Ute Teichert der dpa.

Sie warnte aber auch: "Wenn die Infektionszahlen flächendeckend wieder ansteigen, sind die Gesundheitsämter mit der aktuellen Personalausstattung nicht in der Lage die Kontaktpersonennachverfolgung konsequent durchzuführen." Sie forderte ein Konjunkturprogramm für den öffentlichen Gesundheitsdienst.

Normaler Schulbetrieb soll nach den Sommerferien bundesweit möglich sein

06:32 Uhr: Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig von der SPD, hält eine Rückkehr zum normalen Schulbetrieb in allen Bundesländern nach den Sommerferien für möglich.

Die Länderminister würden sich über eine entsprechende Aufhebung von Corona-Restriktionen im Schulbereich zu Beginn der kommenden Woche austauschen, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin der Berliner "tageszeitung" (Freitagsausgabe).

In allen Bundesländern bestehe "der dringende Wunsch, zu stärkerer Normalität zurückzukehren", betonte Hubig. Die Länder verfolgten alle grundsätzlich das gleiche Ziel, "wenn möglich" nach den Ferien wieder Normalbetrieb in den Schulen stattfinden zu lassen.

Der Bundeselternrat rechnet hingegen damit, dass es aus Gründen des Infektionsschutzes auch nach den Ferien an den meisten Schulen eine Mischung aus Präsenz- und digitalem Fernunterricht geben wird.

Auch sei zu erwarten, das nach den Ferien die Abstandsregeln weiter gelten, sagte der Vorsitzende Stephan Wassmuth den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Zahl der Neuinfektionen in Deutschland steigt um 741 an

04:19 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) 741 Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Coronakrise 180.458 Menschen in Deutschland nachweislich mit SARS-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am frühen Donnerstagmorgen meldete.

Bislang starben nach RKI-Angaben 8.450 nachweislich mit dem Virus Infizierte, damit stieg die Zahl der gemeldeten Toten innerhalb von 24 Stunden um 39.

164.100 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Das sind 900 mehr als noch einen Tag zuvor.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach aktuellsten Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstag bei 0,61 (Dienstag 0,68).

Die SPD dringt auf längeren Kündigungsschutz für Mieter

02:54 Uhr: Die SPD will den in der Coronakrise geltenden Schutz von Mietern vor Kündigungen bei Zahlungsverzug um drei Monate verlängern. Eine Verlängerung dieser bislang Ende Juni auslaufenden Sonderregelung bis Ende September sei sinnvoll, da sich die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise "erst mit Zeitverzug voll zeigen", sagte der SPD-Wohnungsbauexperte Bernhard Daldrup dem Magazin "Focus" in einem am Freitag veröffentlichten Interview.

Auch der Präsident des Deutschen Mieterbunds, Lukas Siebenkotten, bezeichnete eine Verlängerung des Kündigungsschutzes als "dringend erforderlich". Die Lage werde "schleichend problematischer" für die Mieter, sagte Siebenkotten dem "Focus".

Der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jan-Marco Luczak, warnte hingegen vor einer Verlängerung der Sonderregelung. Dies wäre nach seiner Ansicht das "komplett falsche Signal".

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise müssten so gering wie möglich gehalten werden. Dazu gehöre, dass Vermieter wieder mit ihren Mieteinnahmen rechnen könnten, sagte der CDU-Politiker dem Magazin.

Gerd Landsberg: "Ein Lockerungswettbewerb ist gefährlich"

01:00 Uhr: Der Städte- und Gemeindebund hat bundesweit einheitliche Mindestvorschriften zur Bewältigung der Corona-Pandemie gefordert.

Dazu gehörten eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen, Abstandsgebote, ein Verbot von Großveranstaltungen und "gewisse Kontakteinschränkungen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitag).

Allein auf Gebote zu setzen, sei der falsche Ansatz. Ein "Lockerungswettbewerb" unter den Ländern sei gefährlich, weil bei den Menschen der "völlig falsche Eindruck entstehen" könne, die Pandemie sei vorbei, sagte Landsberg. "Wenn wir weiterhin gut durch die Krise kommen wollen, muss es wenige verbindliche Mindestvorschriften in ganz Deutschland geben."

Bund und Länder hatten sich am Dienstag darauf verständigt, die Kontaktbeschränkungen bis 29. Juni zu verlängern.

Allerdings können die Länder ab dem 6. Juni weitere Lockerungen gestatten - etwa, dass sich maximal zehn Menschen oder Angehörige zweier Haushalte unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen treffen dürfen. Thüringen hat sich indes einen Sonderweg für weitere Lockerungen offen gehalten.

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Mit Material von dpa, afp, sid und apa.