Sportlich könnte es für Borussia Dortmund kaum besser laufen - die Champions-League-Teilnahme hat der BVB bereits sicher. Die Kaderplanung hingegen gestaltet sich schwierig. Im Sommer droht ein Ausverkauf der Stars.

Die Vize-Meisterschaft und die Teilnahme an der Champions League ist Borussia Dortmund sicher. Selbst die Meisterschaft ist noch nicht ganz abgeschrieben. Zudem steht die Mannschaft von Thomas Tuchel im DFB-Pokal-Halbfinale und Europa-League-Viertelfinale.

Nach der misslungenen Spielzeit 2014/2015, in der die Dortmunder unter Jürgen Klopp zeitweise auf dem letzten Tabellenplatz standen, herrscht wieder heile Welt. Doch der Blick in die Zukunft lässt Sorgenfalten in der Führungsetage aufkommen. Viele Leistungsträger drohen Borussia Dortmund zu verlassen.

Die Verträge von Kapitän Mats Hummels, Rechtsaußen Henrikh Mkhitaryan und Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan laufen im Sommer 2017 aus. Alle drei wollen sich nicht öffentlich zum BVB bekennen. Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang ist zwar noch bis 2020 an Dortmund gebunden. Doch die europäischen Top-Vereine haben längst ihre Fühler nach dem pfeilschnellen und treffsicheren Gabuner ausgestreckt.

Kaum ein Tag ohne Transfergerüchte

Es vergeht kaum eine Woche, in der die vier Leistungsträger nicht mit einem europäischen Top-Verein in Verbindung gebracht werden. Real Madrid soll Aubameyang auf dem Einkaufszettel stehen haben, der FC Chelsea an Hummels interessiert sein. Mkhitaryan hat angeblich das Interesse von Juventus Turin und Arsenal London geweckt.

Sportdirektor Michael Zorc lassen diese Schlagzeilen kalt - zumindest tut er so. "Mich interessiert das schon lange nicht mehr. Der Wahrheitsgehalt vieler vermeintlich journalistischer Meldungen ist in Zeiten von Internetforen und sozialen Netzwerken dramatisch gesunken", sagt er im Interview mit dem "Kicker".

Allerdings sind nicht alle Gerüchte aus der Luft gegriffen. Fotos haben Anfang März belegt, dass sich der zukünftige Manchester-City-Trainer Pep Guardiola, Sportdirektor Txiki Begiristain und Gündogan-Berater Ilhan Gündogan in Amsterdam trafen.

Hummels hält sich Optionen offen

Auch Hummels, der bereits seit 2008 für Dortmund spielt, hält sich alle Optionen offen. "Ich bin derzeit in einer Phase der Entscheidungsfindung und denke viel nach", sagte er in der Länderspielpause der "Welt". "Ich muss für mich herausfinden, was ich machen möchte. Will ich bei einem anderen Verein spielen? Oder will ich bleiben? Ich warte auf den Tag, an dem ich aufwache und weiß, was ich machen möchte."

Die Zukunft von Mkhitaryan wiederum dürfte nicht zuletzt eine Frage des Geldes sein. Dessen Berater Mino Raiola gilt als einer der härtesten Verhandlungspartner. Aus Dortmunder Sicht dürfte die Devise lauten: Unterzeichnen Mkhitaryan, Hummels und Gündogan keinen neuen Vertrag, werden die Spieler im Sommer gewinnbringend verkauft. Zorc möchte laut "Kicker"-Interview schnellstmöglich für Planungssicherheit sorgen: "Wir werden die Dinge im Frühjahr klären."

Es wird nicht einfach, die umworbenen Stars von einem längeren Verbleib zu überzeugen. Speziell die schwerreiche Premier League aus England lockt mit schwindelerregenden Ablösesummen und Gehältern. Andererseits haben die Dortmunder im Fall Marco Reus bewiesen, einen höchstbegehrten Spieler durchaus halten zu können.

Das Geld dürfte dabei nicht den Ausschlag gegeben haben. In England hätte der 26-Jährige vermutlich mehr verdienen können. "Ich habe mich für den BVB entschieden, weil ich mein gewohntes Umfeld brauche, in dem ich mich wohlfühle", verriet er in der "Sport Bild".

Der Offensivspieler ist zuversichtlich, dass seine Mannschaftskameraden ähnlich entscheiden: "Bei Micky sieht man es vielleicht am besten, wie wohl er sich fühlt und wie sich das auf seine Leistung auswirkt. Das ist bei Mats und Ilkay nicht anders."

BVB muss sich aber keine Sorgen machen

Allzu große Sorgen muss sich der BVB ohnehin nicht machen. Ein Verkauf der genannten Spieler würde die Kassen klingeln lassen. Hinzu kommen nächste Saison die sicheren Einnahmen aus der Champions League. Laut "Kicker" kalkuliert BVB-Boss Hans-Joachim Watzke mit einer Gesamteinnahme von 45 bis 50 Millionen Euro.

Genügend Geld, um die entstehenden Lücken mit neuen Top-Spielern zu schließen, wäre also vorhanden. Die aufkommenden Gerüchte, Mario Götze stehe vor einer Rückkehr nach Dortmund, werden weder bestätigt noch dementiert. Watzke gab im ZDF-Sportstudio immerhin zu, man würde über eine Verpflichtung nachdenken, wenn Götze irgendwann auf dem Markt sei.

Die Fans hingegen sprachen sich mit einem Banner gegen eine Rückholaktion aus. "Mailand oder Madrid, Hauptsache nicht Dortmund, verpiss dich Götze", lautete die Botschaft. Die Anhänger sind noch immer erbost darüber, dass das Eigengewächs im Sommer 2013 ausgerechnet zum größten Rivalen ging.

Unabhängig von Götze werden die Dortmunder die kommende Transferperiode nutzen, um ordentlich einzukaufen. Sicher ist bereits, dass der zentrale Mittelfeldspieler Mikel Merino vom spanischen Zweitligisten CA Osasuna kommt. Namhaftere Verpflichtungen dürften folgen. Als mögliche Kandidaten gelten unter anderem die Mittelstürmer Michy Batshuayi (Olympique Marseille) und Alvaro Morata (Juventus Turin), Linksaußen Ousmane Dembélé (Stade Rennes) und Innenverteidiger Niklas Süle (TSG 1899 Hoffenheim).

Tuchel weiß sich zu beweisen

Trainer Thomas Tuchel hat in Mainz und jetzt auch in Dortmund bewiesen, dass er neue Spieler schnell in einer Mannschaft integrieren kann. Bestes Beispiel ist Julian Weigl: Der 20-Jährige entwickelte sich unter Tuchel innerhalb weniger Monate von einem talentierten Zweitligaspieler zu einem internationalen Top-Spieler.

Allerdings ist die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit wegen der Europameisterschaft kurz. Gerade Nationalspieler tun sich oft schwer, nach einem Großturnier und einem verkürzten Urlaub gleich wieder in den Tritt zu kommen - gerade bei einem neuen Verein. Genau hier könnte für Dortmund die Gefahr eines baldigen Umbruches liegen.