Über Bremens Defensive kann nur der Gegner lachen, der FC Bayern hat das kongenialste Duo seit Christian Lell und Andreas Ottl und ein Schweizer löst Deutschlands Demografie-Problem. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Eine Glosse
von Tim Frische, Redakteur Sport

1. Lehre: Bremen verteidigt im halben Dutzend noch schlechter

Es ist derzeit bestimmt nicht allzu schön, im Norden Deutschlands zu wohnen. Jetzt kommt das Herbst-Wetter, es wird kalt, regnerisch, einfach ungemütlich. Und als Fußballfan kann man sich nicht einmal am schönen Fußball seiner Teams erwärmen. In Wolfsburg herrscht - trotz Valérien Ismael (*räusper*) - die größte Krise, seit irgendwelche Spürnasen zu nah an Diesel-Abgasen schnüffelten. Der HSV schlägt zwar seine Gegner, bekommt dafür allerdings statt Punkten Rote Karten. Und in Bremen verfliegt allmählich der Alexander-Nouri-Zauber. Denn auch der Nachfolger von Viktor Skripnik schafft es nicht, den Hühnerhaufen – besser bekannt als Bremer Defensive – in den Griff zu bekommen.

Gegen den SC Freiburg verlor Werder sein Heimspiel mit 1:3. Es waren die Gegentreffer 22, 23 und 24 in dieser Saison. Und insbesondere das 0:1 zeigte auf, dass die Bremer Defensive nur bedingt bundesligareif zu sein scheint. Freiburgs Maximilian Philipp tankte sich nach einem Einwurf durch ein halbes Dutzend Werder-Spieler und schloss zur Führung ab. Dilettantisch.

Manch einer mag sagen, so etwas kann mal passieren. Richtig. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Bremen in der Vorwoche beinahe exakt das gleiche Gegentor beim 1:3 in Leipzig kassierte.

Und wenn das Defensiv-Verhalten der eigenen Mannschaft die Werder-Fans nicht beängstigen sollte, dann vielleicht die Aussagen von Clemens Fritz nach der Partie. Der Bremer Kapitän deutete an, dass er und seine Teamkollegen den bis dato Auswärts-Punktelieferanten Freiburg möglicherweise nicht ganz ernst genommen hätten und daher ein paar Schritte weniger gelaufen wären.

Interessante Selbstwahrnehmung. Wohlgemerkt von der Schießbude der Liga, die vor gut einem halben Jahr nur knapp der 2. Liga entkam …

2. Lehre: Mehr Kolasinacs braucht das Derby!

Das Highlight dieses Spieltags war natürlich das Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. Obwohl die Partie 0:0 endete, wurde den Fans einiges geboten. Hier 'ne Grätsche, da ein beherzter Tritt, und dort ein Ellenbogen im Gesicht. Mit anderen Worten: Revier-Derby!

Schalkes Sead Kolasinac tat sich bei diesen Tête-à-Têtes mit seinen Gegenspielern besonders hervor und grätschte gleich mal in der Anfangsphase Dortmunds Christians Pulisic den Schmutz von den Fußballschuhen. Dass diese Aktion nicht foulwürdig war, war die exklusive Meinung des Schiedsrichter-Gespanns um Dr. Felix Brych.

Umso spektakulärer (und fairer) dann Kolasinacs heldenhafte Rettungstat in der 74. Minute, als er wieder gegen Pulisic zu Werke ging und mit einer herzhaften Grätsche den Ball vom einschussbereiten BVB-Profi wegspitzelte, zur Ecke klärte und sich selbst – komplett voll mit Adrenalin – dafür abfeierte. So werden Derby-Helden geboren.

3. Lehre: Ein Schweizer löst Deutschlands Demografie-Problem

Deutschland hat ein Demografie-Problem. Die Frauen hierzulande bekommen zu wenige Kinder und die Gesellschaft wird immer älter.

Tja, vielleicht hätten wir dieses Problem nicht, wenn wir alle wie Martin Schmidt denken würden. Der Schweizer, seines Zeichens Trainer des FSV Mainz 05, gab seinem Offensivspieler Karim Onisiwo wenige Minuten vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt (2:0) frei. Den Grund lieferte er nach der Partie: "Er war in der Startelf und plötzlich wurde er aus dem Kreißsaal angerufen. Er hat mich gefragt, 'Hey Coach, was kann ich machen? Die Fruchtblase ist geplatzt und das Kind kommt demnächst.' Ich habe dann gesagt: 'Komm, hau ab. Das erlebst du nur einmal im Jahr'."

Nur einmal im Jahr also. Wenn hierzulande doch nur mehr Menschen so denken würden wie Schmidt – das Demografie-Problem wäre ratzfatz gelöst.

4. Lehre: Lewandowski und Robben sind noch besser als einst Lell und Ottl

Es ist schon verrückt: Die zu Saisonbeginn als Mittelklasse eingestuften Teams wie RB Leipzig, 1. FC Köln und 1899 Hoffenheim haben auch an diesem Spieltag ihre Partien gewonnen und dürfen sich weiterhin durchaus als Bayern-Jäger bezeichnen.

Zu blöd nur aus Sicht dieses Trios, dass auch die Münchner wieder in die Spur gefunden haben und den FC Augsburg dermaßen mühelos mit 3:1 aus dem eigenen Stadion wirbelten, dass die vor wenigen Wochen viel diskutierte Mini-Krise längst nur noch eine verblasste Erinnerung ist.

Hauptverantwortliche für den klaren Erfolg in Augsburg: Robert Tormaschine Lewandowski und Arjen Ich-mache-seit-sieben-Jahren-denselben-Trick-aber-dennoch-kann-mich-niemand-stoppen Robben.

Das kongenialste Bayern-Duo seit Christian Lell und Andreas Ottl spielte dermaßen stark auf, dass sie die Augsburger im Alleingang abschossen. Diese Leistung war auch eine Ansage an die Liga: Diese Bayern lassen sich von niemandem aufhalten. Nicht von Bullen. Nicht von Geißböcken. Und erst recht nicht von Puppenspielern.