Der SV Darmstadt 98 und FC Ingolstadt scheinen in der Bundesliga abgeschlagen, um Platz 16 ist aber ein heftiger Siebenkampf entbrannt. Darunter sind die üblichen Verdächtigen - aber auch ein Team, das den Abstiegskampf momentan noch gar nicht auf dem Schirm hat.

Jetzt ist es also so weit: Die Mittelschicht der Bundesliga ist zurück. Von Platz sechs, den derzeit Eintracht Frankfurt belegt, bis runter zum Relegationsplatz 16 mit dem Hamburger SV liegen neun Punkte.

Elf Teams tummeln sich im tabellarischen Bauch der Liga, was einerseits einen harten Kampf um die internationalen Plätze garantiert - und andererseits einen Abstiegskampf, wie man ihn schon lange nicht mehr gesehen hat.

Vor ein paar Jahren reichten dem HSV 27 Punkte für Platz 16 und die Relegation. Momentan haben die Hamburger bereits 26 Zähler gesammelt - und noch sind zehn Spiele zu absolvieren. Bis hoch auf Rang zehn reicht die Liste der Kandidaten, die sich noch Gedanken machen müssen.

Abgeschlagen scheinen Darmstadt und Ingolstadt. Darmstadt fehlen elf, Ingolstadt immerhin auch schon sieben Punkte zum rettenden Relegationsufer. Platz 16 aber zu vermeiden, um nicht noch in die ungewünschte Verlängerung der Saison zu müssen, wird so spannend wie lange nicht mehr.

Für Werder und den HSV spricht der Trend

Hamburg, Werder Bremen und der VfL Wolfsburg stehen allesamt bei 26 Punkten. Das sieht auf den ersten Blick nicht besonders gut aus. Aber: Der HSV hat in der Rückrunde nur zwei von sieben Spielen verloren und sich unter Trainer Markus Gisdol ungeheuer stabilisiert.

Selbst die sportliche Hinrichtung beim 0:8 gegen die Bayern konnte dem "neuen" HSV nichts anhaben. Die Heimstärke wird immer mehr zu einem immensen Vorteil, der die immer noch unübersehbaren spielerischen Schwächen kompensiert.

Ähnlich sieht es bei Werder aus. Nach vier Niederlagen zum Jahresstart in Folge hat sich die Mannschaft in den letzten vier Spielen zehn Punkte erspielt. Zwar auch mit einer Portion Glück, aber das gehört dazu.

Werder kann, wie zuletzt in Leverkusen, eine Partie auch dominieren, ist nicht mehr nur reaktiv und hat mit Serge Gnabry, Max Kruse, Finn Bartels und Claudio Pizarro Offensivspieler in seinen Reihen, die in jedem Spiel den Unterschied machen können.

Dazu hat die Mannschaft in den letzten zwölf Spielen "nur" noch 13 Gegentore kassiert. Im selben Zeitraum davor, zum Teil unter Viktor Skripnik als Trainer, waren es deren 31. Die Balance stimmt, wenngleich die nötige Konstanz noch fehlt.

Wolfsburg und Schalke zeigen Reaktion

Davon ist auch Wolfsburg noch ein ganzes Stück entfernt. Was aber ein Trainerwechsel bewirken kann, zeigt nicht nur die eigenartige Verbindung zwischen Andries Jonker und Mario Gomez. In jedem Bundesligaspiel, in dem Jonker als Cheftrainer von Gomez an der Seitenlinie stand, traf der Angreifer mindestens ein Mal. Insgesamt macht das elf Tore in sieben Spielen für die Bayern und nun Wolfsburg unter Jonker.

Die "Wölfe" sind immer noch stark gefährdet, der neue Trainer scheint aber nicht nur bei Gomez die richtigen Knöpfe gedrückt zu haben. Wolfsburg überraschte am Wochenende mit einem verdienten 1:0-Sieg in Leipzig und spielte den so forschen Aufsteiger nach allen Regeln der Kunst aus. Die Tendenz seit dem Wechsel von Valerien Ismael zu Jonker zeigt eindeutig nach oben.

Auch Schalke hat sich durch das souveräne 3:0 gegen Augsburg gut erholt gezeigt von den jüngsten Rückschlägen in der Liga. Die Rückkehr zur Viererkette scheint der Mannschaft gut zu tun und dem verunsicherten Team wieder mehr Zutrauen in die eigenen Stärken zu geben - weil die defensive Basis wieder eine andere ist.

Schalke hat jetzt 30 Punkte auf dem Konto; ebenso viele, wie noch zu vergeben sind. Der zarte Aufschwung gepaart mit der Mentalität und Qualität der Mannschaft und der Erfahrung von Trainer Markus Weinzierl im Abstiegskampf sollten reichen, um die ominösen 40 Punkte zusammenzukratzen.

Augsburg fehlt der Punch

Längst nicht mehr so optimistisch ist die Lage in Mainz und vor allen Dingen Augsburg. Mainz hat nicht erst durch die Niederlage beim abgeschlagenen Schlusslicht Darmstadt seine Wankelmütigkeit mal wieder unter Beweis gestellt, sondern auch die strukturellen Probleme der Mannschaft.

Es ist kaum eine Weiterentwicklung zu erkennen, das Team stagniert in seinen Leistungen und rutscht damit immer tiefer in den Abstiegsstrudel. Der Abgang von Regisseur Yunus Malli ist noch lange nicht kompensiert, Winter-Zukauf Bojan noch nicht die erhoffte Verstärkung. Die Mainzer müssen aufpassen, zumal in den letzten Spielen nur noch drei direkte Vergleiche mit Kellerkindern auf dem Programm stehen - und in den restlichen sieben Spielen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte.

Noch gefährlicher ist die Lage in Augsburg. Manuel Baums Mannschaft hat sich durch einen erstaunlich fahrigen Auftritt auf Schalke als einer der "Topkandidaten" auf Rang 16 unfreiwillig wieder ins Rennen gebracht.

Die Verletztenmisere hält weiter an, fast die komplette Innenverteidigung fällt seit Wochen aus, dazu mit Daniel Baier das Herz im Mittelfeld und mit Alfred Finnbogason der gefährlichste Angreifer. Augsburg ist offensiv fast komplett von Raul Bobadilla abhängig und damit ausrechenbar. Nur zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf Rang 16. Der FCA wird wohl bis zum letzten Spieltag zittern müssen.

"Geheimtipp" Leverkusen?

Und was ist eigentlich mit Bayer Leverkusen los? Auf dem Papier dürfte da nichts mehr passieren. Bayer hat schon 31 Punkte und einen Kader, der es immerhin bis in die K.o.-Runde der Champions League geschafft hat.

Aber: Der Effekt des Trainerwechsels könnte schnell verpufft sein. Dem enttäuschenden Remis gegen Bremen folgt der Auftritt in der Königsklasse bei Atlético und in der Liga dann in Hoffenheim. Dass der Umbruch weg vom aggressiven, aufgeregten Roger-Schmidt-Fußball nicht so leicht werden dürfte, hat das Bremen-Spiel schon gezeigt.

Tayfun Korkut muss zudem eine in sich zerrissene Mannschaft wieder auf Kurs bringen, in der vermeintliche Leistungsträger weit unter ihrem eigentlichen Niveau spielen und es auch zwischenmenschlich nicht besonders passt. Dass zeitgleich auch das Publikum lethargisch wie kaum gesehen die Spiele über sich ergehen lässt, die Ultras aus der Kurve verschwunden sind und die Bosse Michael Schade und Rudi Völler in der Kritik stehen, verschärft die Lage.

Bayer Leverkusen scheint zu weit weg, um am Ende tatsächlich noch auf Rang 16 zu landen. Aber mit den viel zitierten Komfortzonen ist die Werkself in den letzten Jahren nicht immer gut gefahren.