Der Kader des FC Bayern ist seit mehreren Jahren mit Weltklassespielern gespickt - mit Mats Hummels und Renato Sanches kamen zwei weitere Hochkaräter im Sommer hinzu. Der noch größere Konkurrenzkampf könnte manchem Spieler zum Verhängnis werden. Besonders Mittelfeldspieler müssen zittern.

Nach der Länderspielpause steht der zweite Spieltag vor der Tür. Den Anfang macht am Freitagabend der FC Bayern beim FC Schalke 04 (20:30 Uhr LIVE bei Sky und bei uns im Ticker). Der Rekordmeister geht als klarer Favorit ins Spiel – bereits beim 6:0 gegen Bremen zeigten sich die Münchner der Konkurrenz haushoch überlegen.

Bei der seit Jahren vorherrschenden Qualität des Kaders verwundert solch ein Ergebnis längst nicht mehr. Doch eben diese Qualität könnte dazu führen, dass sich vermeintliche Stammkräfte plötzlich auf der Bank wiederfinden werden.

Wackelkandidat Nummer eins: Joshua Kimmich

Unter Pep Guardiola hatte Joshua Kimmich gegen Ende der Vorsaison einen Stammplatz sicher. Das hatte vor allem mit Kimmichs enormer Flexibilität zu tun, so dass Guardiola den Youngster dort aufstellen konnte, wo Guardiola Bedarf sah. Das war nach gravierenden Ausfällen besonders in der Verteidigung der Fall.

Doch wie plant Carlo Ancelotti mit Kimmich? Setzt der "Maestro" ähnlich auf den 21-Jährigen, wie es Guardiola tat? "Kimmich ist unser Spieler, er ist sehr wichtig", sagte der Italiener im Juli.

Doch Ancelottis vermeintliche Wertschätzung für Kimmich sollte mit Vorsicht genossen werden – allzu wichtig scheint der junge Bayernspieler im System der Münchner diese Saison nicht zu sein. Zumindest solange der FCB keine gravierenden Spielerausfälle verkraften muss.

In der Nationalmannschaft hat sich Kimmich auf der rechten Abwehrseite festgebissen. Das rührt in erster Linie daher, dass Löw dort keine echte Alternative parat hat. Beim FCB sieht dies anders aus: Auf der Rechtsverteidigerposition hat der Nationalspieler Philipp Lahm vor der Nase, den Ancelotti vom Mittelfeld zurück in die Defensive beorderte.

Auf der Innenverteidigerposition haben die Münchner nachgebessert und mit Mats Hummels einen Weltklassemann eingekauft. Wenn Jerôme Boateng und Holger Badstuber wieder fit sind, stehen gemeinsam mit dem Spanier Javi Martinez vier gelernte Zentral-Defensive zur Verfügung – auch hier wird es Kimmich schwer haben.

Bleibt noch seine eigentliche Heimat auf dem Platz: das zentrale Mittelfeld. Doch gegen Werder Bremen setzte Ancelotti auf das Dreieck Arturo Vidal, Xabi Alonso und Thiago. Zudem steht mit Neuzugang Renato Sanches ein weiterer Hochkaräter bereit.

Letztes Jahr noch Shootingstar - und dieses Jahr hauptsächlich auf der Bank? Rotiert Ancelotti weniger als Guardiola, ist dieses Szenario für Kimmich durchaus realistisch.

Wackelkandidat Nummer zwei: Javi Martinez

Auch Javi Martinez wird um seine Einsatzminuten kämpfen müssen. In der vergangenen Saison hatte der Spanier einen Großteil der Spielzeit wegen Knie- und Knöchelproblemen verpasst.

Mit Hummels und dem derzeit noch verletzten Boateng ist die zentrale Defensive mit zwei starken Spielern besetzt. Der Vorteil der beiden: Sie kennen sich von der Nationalmannschaft und sind bestens eingespielt.

Gut für Martinez: Ancelotti scheint mit dem Spanier flexibel zu planen. "Carlo hat mich gefragt, was ich über meine Position denke. Ich habe ihm gesagt, dass ich einfach spielen und dem Team helfen will", sagte der 28-Jährige Ende Juli dem Sportportal "Goal.com".

Gegen Bremen durfte Martinez von Beginn an ran, auch in den kommenden Spielen könnte er viel Spielzeit einheimsen. Durch seine Verletzungsanfälligkeit wird es dennoch vermutlich schwer für ihn, sich dauerhaft in der ersten Elf festzubeißen. Erst recht, wenn Boateng wieder fit ist.

Wackelkandidat Nummer drei: Xabi Alonso

Xabi Alonso und Ancelotti kennen sich noch aus gemeinsamen Tagen bei Real Madrid. Ganz so erfolgreich lief es damals für den Spanier allerdings nicht unter dem Altmeister - schließlich flüchtete er vor Ancelotti-Wunschtransfer Toni Kroos zu den Bayern.

Das soll aber nicht bedeuten, dass die beiden nicht miteinander können. "Ich war nicht glücklich, als er Real 2014 verließ und zu Bayern wechselte", sagte der 57-Jährige im Juli der "Bild"-Zeitung, "Alonso ist der Spielertyp, den ich mag. Vielleicht, weil ich als Spieler selbst auf seiner Position gespielt habe".

Einen unangefochtenen Stammplatz wird es für Alonso trotzdem nicht geben. Der Routinier ist mittlerweile 34 Jahre alt, Jungspunde wie Sanches und Kimmich sitzen ihm im Nacken und pochen auf ihre Einsätze.

Sollten Martinez, Thiago und Vidal fit bleiben, bieten sich zudem die jüngeren Spieler besser für den temporeichen Powerfußball à la Ancelotti an. "Ich will Angriffsfußball spielen, mit Intensität und hohem Tempo. Ich will angreifen", stellte "Carletto" vor einigen Wochen im "kicker" klar.

Besonders Thiago mit seiner Fähigkeit, den vertikalen Pass zu spielen, könnte somit die Option Nummer eins darstellen.