• Die zehnte Meisterschaft des FC Bayern München beweist die Langeweile in der deutschen Meisterschaft.
  • Der ehemalige Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge und Ex-Kapitän Philipp Lahm sorgen sich um die Attraktivität der Bundesliga.
  • Bayern-Trainer Julian Nagelsmann hingegen spricht bereits von der elften Meisterschaft.

Mehr aktuelle News zum FC Bayern finden Sie hier

Die Dominanz des FC Bayern München ist historisch. Die zehnte Meisterschaft in Folge ist die längste Serie, die in einer europäischen Top-Liga jemals aufgestellt wurde. Doch selbst die Personen, die an einigen dieser Titel großen Anteil hatten, sorgen sich mittlerweile um die Attraktivität der Bundesliga.

"Das ist natürlich nicht gut", sagt der achtmalige deutsche Meister Philipp Lahm gegenüber dem "aktuellen Sportstudio" im ZDF. "Ich glaube, dass es auch für die Bayern nicht so gut ist, dass sie schon so früh Meister sind. Es kann passieren, dass sie nacheinander Meister werden. Aber es muss enger sein, dass die Bundesliga bis zum Schluss auch spannend ist und nicht immer vier Spieltage vor Schluss entschieden ist."

Karl-Heinz Rummenigge, der bis zum vergangenen Jahr noch der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern gewesen ist, sieht das offenbar genauso: "Was ist Fußball? Fußball ist in erster Linie Emotion. Wenn du wieder drei Spieltage vor Saisonschluss mit zwölf Punkten vorne stehst, fehlt die", sagte er bei "BILD TV". "Es fehlt ein bisschen in der Spitze an Spannung. Die Spitze braucht wieder ein Stück weit mehr Emotion nach dem Vorbild England und Italien in dieser Saison."

Lesen Sie auch: Scharfe Kritik am DFB nach groben Schiedsrichter-Fehlern

Nur eine der zehn Meisterschaften war am letzten Spieltag offen

Von Spannung konnte bei den jüngsten zehn Meisterschaften des FC Bayern kaum die Rede sein. Lediglich in der Saison 2018/19 war das Titelrennen am letzten Spieltag noch nicht entschieden. Die Bayern hatten schlussendlich zwei Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund. Ansonsten stellte sich nie die Frage, ob der FC Bayern Meister wird – sondern nur wann.

Dortmund mag der "engste" Verfolger des Rekordmeisters sein, war aber nur selten ein ernsthafter Konkurrent. Seit dem Meistertitel von 2012 hat Dortmund in 20 Spielen gegen Bayern nur dreimal gewonnen – zuletzt am 10. November 2018.

Alleine seit Sommer 2018 hat der FC Bayern in der Bundesliga 41 Punkte mehr eingesammelt als Dortmund. Zum Vergleich: In England liegt zwischen Manchester City und dem FC Liverpool im gleichen Zeitraum nur ein Punkt, in Spanien zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona sind es sechs Punkte.

285 Millionen Euro Unterschied

In Dortmund gibt man sich realistisch. BVB-Sportdirektor Michael Zorc sagte gegenüber der Funke Mediengruppe: "Wir haben im letzten Geschäftsjahr 285 Millionen Euro weniger Umsatz gemacht als der FC Bayern. Dieser Unterschied führt dazu, dass sich die Bayern, was die Gehälter angeht, circa zehn Gnabrys mehr leisten können als wir."
FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer versucht, die Dominanz des FC Bayern zu verteidigen: "Wir können ja nicht schlechter spielen, nur damit die Liga interessanter wird."

Doch auch der FC Bayern leidet an der mangelnden Spannung. In Deutschland mag die Bundesliga noch viele Menschen begeistern, weil auch der Kampf um Europa oder gegen den Abstieg die Menschen elektrisiert. Die Fans im Ausland hingegen schauen vor allem auf die Meisterschaft – und daher nur selten nach Deutschland.

Das zeigt sich an den Einnahmen: Während die englische Premier League 1,6 Milliarden Euro pro Saison durch die Auslandsvermarktung kassiert, kommt die Bundesliga lediglich auf 200 Millionen Euro. Dies wirkt sich negativ auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Vereine aus – und somit auch vom FC Bayern München.

Lesen Sie auch: FC Bayern München: So gut verdienen die Bayern im internationalen Vergleich

Nagelsmann peilt bereits die nächste Meisterschaft an

Doch gibt es Hoffnung auf Besserung? Bayern-Trainer Julian Nagelsmann war vergangene Saison als Trainer von RB Leipzig der engste Verfolger von München. "Es gibt immer ein, zwei Momente in einer Saison, wo der FC Bayern offenbar die Erfahrung hat und die besseren Spieler", lautet seine Erkenntnis.

"Aber das ist nichts, worauf man sich ausruht. Wir sehen ja, dass andere Klubs investieren. Dortmund hat bereits den einen oder anderen Spieler an der Angel, Leipzig wird wieder, positiv gemeint, sehr aggressiv zu Werk gehen und ihre Mannschaft weiter verstärken."

Nagelsmann will daher nichts dem Zufall überlassen und kündigt bereits an: "Es beginnt die Vorbereitung auf die elfte Meisterschaft."

Verwendete Quellen:

  • zdf.de: das aktuelle sportstudio vom 23. April 2022
  • br.de: Deutsche Meisterschaft: Lahm und Rummenigge vermissen Spannung
  • sportbild.bild.de: Europas neue TV-Geldrangliste
  • Pressekonferenz des FC Bayern München mit Julian Nagelsmann, 21.04.2022
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "So arbeitet die Redaktion" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen. Unsere Berichterstattung findet in Übereinstimmung mit den JTI-Standards der Journalism Trust Initiative statt.

Meisterschaft - und zurück zum Geschäft: Nagelsmann fordert "Topkader" von Kahn

Viel Zeit zum Feiern bleibt Bayern-Trainer Julian Nagelsmann nicht: Bereits am 25. April hat er die nächsten Termine an der Säbener Straße. In Richtung Vereinsspitze äußert Nagelsmann klare Vorstellungen.