Pierre-Emerick Aubameyang hat etwas am Kopf, BVB-Trainer Thomas Tuchel versteht nur Bahnhof und bei Sky kennen sie keine Gnade: Die (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren des Bundesliga-Spieltags.

Eine Glosse
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)

1. Lehre: Pierre-Emerick Aubameyang hat ein Kopfproblem

Es kommt immer mal wieder vor, dass man sich fragt, was in den Köpfen mancher Fußballer vorgeht. Kevin Großkreutz ist da ein aktuelles Beispiel.

Nicht seltener fragt man sich, was auf den Köpfen von Fußballern los ist. Die Liste seltsamer Frisuren ist schließlich lang.

Pierre-Emerick Aubameyang hat das Rätselraten am Wochenende auf ein ganz neues Niveau gehoben. Beim BVB-Stürmer drängt sich nämlich die Frage auf, was AUF und was IN seinem Kopf los ist.

Aubameyang, der am Samstag Robert Lewandowski in der ewigen BVB-Torjägerliste überholte, sorgte trotz seiner Treffer gegen Leverkusen mit Schlagzeilen für Aufsehen, die so gar nichts mit Fußball zu tun haben.

Der Grund: Er ließ sich das Logo seines Privatsponsores Nike in die Haare färben:

Da sein Klub jedoch in Puma-Trikots aufläuft, droht ihm nun interner Ärger, wobei Manager Michael Zorc wohl einigermaßen gnädig sein dürfte. In Dortmund versuchen sie ohnehin alles, um den vermutlich wechselwilligen Torjäger bei Laune zu halten.

So richtig ungemütlich könnte es für Aubameyang werden, wenn die Deutsche Fußballliga zu ermitteln beginnt, denn der Verband reglementiert ziemlich eindeutig, wann wo welche Werbung erlaubt ist. Und wo nicht.

Man kann das spießig finden oder über die Kontrollfreaks von DFL und DFB den Kopf schütteln. Doch im Sinne des Fußballs ist zu hoffen, dass irgendjemand Aubameyang ordentlich den Kopf wäscht. Denn wenn Werbung in Frisuren zur Regel wird, laufen bald elf Leipziger mit einem Red-Bull-Logo auf dem Hinterkopf ins Stadion. Und das will nun wirklich niemand sehen.

2. Roger Schmidt hatte einfach keinen Bock mehr

Was Bayer Leverkusen in dieser Saison abliefert, ist unterm Strich ziemlich peinlich. Der Verein hechelt den eigenen Ansprüchen hinterher, auch wenn das in Fußballdeutschland kaum ein Thema ist. Das dürfte vor allem daran liegen, dass Vereine wie Wolfsburg, der HSV oder der FC Schalke 04 noch viel schlechteren Fußball spielen als die "Werkself".

Nach vier Gegentoren in der Champions League gegen Atlético Madrid und einem halben Dutzend in Dortmund war das Fass voll - Trainer Roger Schmidt wurde am Sonntag von seinen Aufgaben entbunden.

Überraschend war das nicht, zumal sich der Coach in Dortmund auch noch mit seiner verkorksten Aufstellung ziemlich verzockte.

Für den unrühmlichen Höhepunkt der Katastrophenwoche sorgte Schmidt vor seiner Entlassung noch selbst, indem er nach der Klatsche beim BVB zu Protokoll gab, dass die Partie "ein Schritt in die richtige Richtung" gewesen sei.

Das war derart aberwitzig, dass es nur zwei Optionen gab: Entweder leidet Schmidt unter Realitätsverlust, was wir natürlich nie annehmen würden, oder aber er hatte einfach keinen Bock mehr auf Bayer Leverkusen und wollte seinen Rauswurf provozieren.

Schmidts Ex-Chef Rudi Völler sagte zur Entlassung übrigens einen Satz, der ähnlich witzig war wie der von Schmidt tags zuvor: "Ich halte Roger Schmidt für einen absoluten Top-Trainer."

3. Lehre: Kai Dittmann ist der Mitarbeiter des Monats

Der Job des Fußballkommentators gilt als Traumberuf. Das liegt nicht nur daran, dass jeder Durchschnittsdeutsche grundsätzlich immer glaubt, mehr Ahnung von Fußball zu haben als der Mann am Mikrofon. Die Jobbeschreibung selbst klingt einfach reizvoll:

Geld zu verdienen, indem man um die Welt fliegt, um von Fußballspielen zu berichten - bei dem Gedanken schlägt das Fan-Herz automatisch höher.

Kai Dittmann bewies jedoch am Samstag unfreiwillig, dass sein Beruf auch ganz schön ätzend sein kann. Dem Sky-Kommentator versagte vor laufenden Mikrofonen während des Erfolgs von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Schalke 04 die Stimme. Ein Albtraum.

Schuld an der Malaise waren wahlweise der Wettergott oder die unbarmherzigen Chefs Dittmanns. Das Sky-Urgestein wurde unter der Woche ins Schneematsch-Chaos nach Lotte beordert, um vier Tage später in die Regenschlacht von Gladbach geschickt zu werden. Mehr schlechtes Wetter in einer Woche geht nicht.

Bei Sky kannten sie dennoch keine Gnade. Der tapfere Kommentator musste die Partie zu Ende bringen, obwohl ja ein Reporter vom Spielfeldrand als Ersatz zur Hilfe hätte eilen können. Und damit sich Dittmanns Stimme auch ja nicht erholen kann, trat er am Sonntag auch noch bei "Sky90" auf.

Am Mittwoch darf Dittmann übrigens nach Dortmund zum CL-Achtelfinal-Rückspiel gegen Lissabon. Wir wünschen dem Mitarbeiter des Monats, dass ihm der nächste Wintereinbruch erspart bleibt.

4. Lehre: Thomas Tuchel versteht nur Bahnhof

Der angekündigte Trainerrücktritt Luis Enriques beim FC Barcelona bringt die Gerüchteküche momentan ordentlich in Schwung. Schließlich braucht einer der größten Vereine der Welt ab Sommer einen neuen Coach.

Auch zwei deutsche Übungsleiter scheinen in der Verlosung zu sein, wenn man der spanischen Sportklatschpresse Glauben schenken mag: Jürgen Klopp und Thomas Tuchel.

In der Theorie scheinen beide Trainer durchaus Kandidaten sein zu können. Klopp und Tuchel haben ihr Können längst bewiesen, stehen gleichzeitig aber immer wieder bei ihren Klubs in der Kritik. Da würde sich ein Vereinswechsel vielleicht anbieten ...

In der Praxis ist die Situation hingegen ein wenig schwieriger. Zumindest bei Tuchel. Der wurde am Wochenende nämlich gefragt, wie es um seine Fremdsprachenkenntnisse bestellt sei. Und die Antwort klingt irgendwie ein wenig ernüchternd:

Optimale Bedingungen sind das definitiv nicht, um den spanischen Vorzeigeverein zu trainieren. Aber vielleicht hat sich das Thema ohnehin schon bald erledigt. Denn Borussia Dortmund trennen "nur" noch sechs Punkte von Platz zwei. Und falls der BVB tatsächlich noch RB Leipzig abfangen sollte, dürfte in Dortmund niemand ein Interesse daran haben, Tuchel vorzeitig aus dem noch laufenden Vertrag zu entlassen.

Ganz unabhängig davon, dass er in Spanien sowieso nur Bahnhof verstehen würde.