Eintracht Frankfurt hadert mit dem Unparteiischen – und das nicht ohne Grund. Denn Günter Perl traf in der Tat einige unglückliche Entscheidungen. Vor allem ein zu Unrecht annulliertes Tor für die Eintracht und ein Abseitstreffer für Freiburg, der gegeben wurde, erzürnten die Hessen.

Alex Feuerherdt, Schiedsrichter
Meine Meinung

Wer weiß, wie das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem SC Freiburg (1:2) am Sonntagnachmittag ausgegangen wäre, wenn Günter Perl nach etwas mehr als einer halben Stunde nicht so streng gegenüber den Hessen gewesen wäre.

Da nämlich entschied der Schiedsrichter aus Pullach bei München beim Stand von 1:1, den vermeintlichen Führungstreffer der Gastgeber durch Ante Rebic im Anschluss an einen Eckstoß nicht anzuerkennen. Denn er war der Ansicht, dass der Frankfurter Mijat Gacinovic zuvor den Freiburger Torwart Alexander Schwolow kurz gehalten und so daran gehindert hatte, zum Ball zu gelangen.

Aber war Gacinovics Einsatz tatsächlich regelwidrig? Auf keinen Fall, meinte Eintracht-Trainer Niko Kovac, der kurz nach dem Schlusspfiff sogar fand, dass „wir aufhören können, Fußball zu spielen“, wenn eine solche Aktion abgepfiffen wird.

Natürlich war das eine maßlose Übertreibung aus Ärger über die Niederlage. Dennoch hat Kovac im Kern nicht Unrecht. Denn bei Eckstößen herrscht im Strafraum stets Hochbetrieb. Fast immer wird dabei ein bisschen gezogen, geschoben und gerangelt, ohne dass die Referees gleich einschreiten.

Diese Praxis ist allgemein akzeptiert, fast niemand wünscht sich eine kleinlichere Regelauslegung. Nun mag man allerdings einwenden, dass strengere Maßstäbe angelegt werden sollten, wenn ein Torhüter derart in seinem Aktionsradius eingeschränkt wird. Und dies umso mehr, wenn dies im Fünfmeterraum geschieht.

Kein Sonderstatus mehr für die Torhüter

Doch die Sonderrechte, die in Deutschland lange Zeit für die Keeper galten, sind schon vor fast fünf Jahren abgeschafft worden. Bis zum Sommer 2012 gab es eine Anweisung des DFB, die besagte: „Der Torwart darf im Torraum nicht gerempelt werden, außer er hält den Ball oder hindert einen Gegner.“

Dann aber wurde diese Anordnung gestrichen – weil sie den Fifa-Regularien widersprach. Denn die sehen einen besonderen Schutz der Torhüter nicht vor. Mit der Streichung der Privilegien passte sich der DFB also internationalen Gepflogenheiten an.

Seitdem gilt: Zweikämpfe zwischen dem Schlussmann und einem gegnerischen Stürmer muss man „beurteilen, als ob sie zwischen zwei Feldspielern an der Mittellinie stattgefunden hätten“. So hat es Hellmut Krug, der Schiedsrichtermanager der DFL, einmal formuliert.

Auch Freiburg protestiert

Es hätte deshalb einiges dafür gesprochen, den eher harmlosen Körpereinsatz von Gacinovic gegen Schwolow durchzuwinken und das folgende Tor anzuerkennen. Womöglich wollte es der Unparteiische in dieser Situation aber vermeiden, sich erneut die Proteste der Freiburger zuzuziehen.

Die hatten sich nämlich bereits nach dem Treffer zum 1:0 für die Eintracht bei ihm beschwert. Doch auch dieses Tor war regulär. Denn Rebic hatte im Zweikampf mit Marc-Oliver Kempf seinen Oberkörper zwar robust, aber regelkonform eingesetzt und den Ball seinem Mitspieler Branimir Hrgota aufgelegt, der schließlich vollstreckte.

Nach dem annullierten Treffer von Rebic wurde das Spiel fast minütlich härter und hektischer. Perl versuchte deshalb, die Gemüter mit Gelben Karten für Gacinovic und den Freiburger Christian Günter zu beruhigen.

Gebrauchter Tag für den Unparteiischen

Doch das ging schief, weil es die Verwarnungen für eher nebensächliche Vergehen gab, während Rebic für zwei heftige Fouls in der 37. und 39. Minute ungeschoren davonkam. Dem Schiedsrichter wollte es nicht gelingen, zu einer klaren Linie zu finden. Strenge und Milde wechselten sich auf unberechenbare Weise miteinander ab.

Zu allem Überfluss ließ ihn nach knapp einer Stunde auch noch einer seiner Helfer im Stich: Bevor Florian Niederlechner das 2:1 für den SC Freiburg erzielte, befand er sich beim Zuspiel von Vincenzo Grifo im Abseits, und das nicht einmal sonderlich knapp. Doch dem Assistenten an der Seitenlinie entging diese Regelwidrigkeit.

Günter Perl gehört hierzulande normalerweise zu den Zuverlässigsten seines Fachs. Doch in seinem 175. Bundesligaspiel erwischte er einen gebrauchten Tag, Dass er in dieser schweren Partie so unglücklich aussah, lag dabei in erster Linie an seiner uneinheitlichen Zweikampfbeurteilung und Kartenverteilung. Darin liegen sonst seine Stärken.