Genauso wie Manchester United keine Chance gegen den FC Bayern München eingeräumt wurde, scheint auch beim Duell Real Madrid gegen Borussia Dortmund der Sieger bereits festzustehen. Doch genauso wie ManUnited im Hinspiel am Dienstag gezeigt hat, dass man sie nicht zu früh kleinreden sollte, wird auch der BVB alles daran setzen, die Hellseher des Weltfußballs zu widerlegen. Wir haben zusammengetragen, was für die Borussia spricht - und was gegen sie.

Was spricht für ein Weiterkommen von Borussia Dortmund?

Letzte Chance Pokal(e): Die deutsche Meisterschaft ist seit vergangener Woche auch rechnerisch passé, realistisch gesehen war der Zug schon seit Monaten abgefahren. Da kommen K.o.-Spiele doch gerade recht. Im DFB-Pokal stehen die Dortmunder bereits im Halbfinale, nun soll das auch in der Champions League gelingen. Man kann davon ausgehen, dass Jürgen Klopp nicht entgangen ist, welche Chance sich seinem Team hier bietet, mit einigen wenigen guten Spielen doch noch Titel zu gewinnen. Und erst recht sollte man davon ausgehen, dass Klopp seiner Mannschaft genau das recht unmissverständlich klarmachen wird.

Real hat eine Minikrise: Noch vor wenigen Wochen war Madrid eine Insel der Glückseligkeit, wo neben dem Gewinn der spanischen Meisterschaft und der Champions League auch der Literaturnobelpreis für Cristiano Ronaldo nur noch Formsache war. Nach Niederlagen im Clasico gegen Barca, gegen Sevilla und dem Abrutschen in der Tabelle auf Platz drei sieht das schon wieder ganz anders aus. Auch ein 5:0 gegen Rayo Vallecano am vergangenen Spieltag konnte die Fans nicht beruhigen - sie straften sogar Ronaldo mit Liebesentzug und pfiffen ihn bei eigensinnigen Aktionen aus. Vorfreude auf die Champions League sieht anders aus.

Da war doch was im vergangenen Jahr: Knapp war's am Ende zwar, aber Fakt ist - Real Madrid ist letztes Jahr im Halbfinale an Borussia Dortmund gescheitert. Besonders das 4:1 des BVB im Hinspiel zu Hause dürfte Madrid noch gut (oder besser: schlecht) in Erinnerung sein. Zumal Real bis zum 6:1 auf Schalke im Achtelfinale von 25 Europapokal-Partien in Deutschland nur eine einzige gewonnen hatte. Madrid weiß also, dass es sich im Heimspiel ein Polster herausschießen muss. Konter gegen angriffslustige "Königliche" sollten sich also einige ergeben - und mit dem formstarken Marco Reus als Lewandowski-Ersatz steht dafür genau der Richtige in der Sturmspitze.

Was spricht dagegen, dass Borussia Dortmund weiterkommt?

Cristiano Ronaldo und Gareth Bale: Im Grunde erübrigt an dieser Stelle jegliche Erklärung. Ronaldo schießt ohnehin ein Tor, er hat in dieser Champions-League-Saison bei jedem seiner Einsätze getroffen. Wirklich wahr, wir haben nachgeschaut. Ronaldo könnte vor seinem ersten Ballkontakt verletzt ausgewechselt werden, am Ende stünde er unter den Torschützen im Spielbericht. Ähnlich verhält es sich bei Gareth Bale, der sich nach einer kleinen Fremdelei zu Beginn als die erhoffte Angriffswaffe erwiesen hat. Wenn man so will, geht Real Madrid mit einer 2:0-Führung in dieses Spiel.

Real ist heiß auf die "Decima": Seit mehr als zehn Jahren läuft Real der "Decima" hinterher - dem zehnten Gewinn des Europapokals der Landesmeister respektive der Champions League. Die Älteren erinnern sich vielleicht: 2002 gewann Madrid gegen Bayer Leverkusen das Finale in Glasgow, seitdem sehnt ganz Madrid einen weiteren Triumph herbei. Und genau so spielt Real in der bisherigen Champions-League-Saison auch: In acht Spielen gingen Ronaldo und Co. siebenmal als Sieger vom Platz. Und beim achten Mal hieß es am Ende 2:2 gegen Juventus Turin, das lassen wir mal durchgehen.

Lewandowski fehlt wegen einer Gelbsperre: Man kann es natürlich auch positiv sehen und sagen, dass Borussia Dortmund schon mal für die kommende Saison üben kann, wenn Robert Lewandowski für die Bayern kickt. Man kann es aber auch realistisch sehen, dann muss man festhalten: Ohne ihn ist der BVB nur halb so stark und muss seine komplette Spielweise umstellen. Lange Bälle nach vorne kann man sich getrost sparen, weil vorne statt Lewandowski, der die Pässe in jeder Höhe magisch anzieht und halten kann, ein deutlich kleinerer Reus steht, der auch Pässe in Gesichtshöhe mit dem Fuß stoppt. Das Spiel verlagert sich also deutlich auf den Boden und auf die Außen - was uns zum letzten Punkt bringt.

Die Neuen sind CL-unerfahren: Unbestritten ist, dass Henrich Mchitarjan und Pierre-Emerick Aubameyang nicht nur bei Scrabble-Freunden hoch im Kurs stehen, sondern auch ihre fußballerische Klasse schon bewiesen. Für beide ist es aber die erste Saison auf höchstem Champions-League-Niveau. Wie sie sich bei dieser ersten richtig großen Herausforderung schlagen, muss sich noch zeigen. Fest steht nämlich, dass Marco Reus auf die Pässe der beiden entweder durch die Mitte (Mchitarjan) oder die Flügel (Aubameyang) angewiesen ist. Borussia Dortmund sollte nach vorne aber tunlichst etwas zustande bringen - schließlich müssen sie ein 0:2 aufholen.