Jürgen Klinsmann ist zurück in der Bundesliga. Zum Rückrundenauftakt trifft er mit Hertha BSC auf seinen Ex-Klub FC Bayern München. Der FCB hat in den kommenden fünf Monaten unter Hansi Flick Großes vor. Klinsmanns Berliner könnten jedoch zum frühen Stolperstein werden.

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Der FC Bayern hatte allein im 21. Jahrhundert viele große Trainer. Ottmar Hitzfeld, Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Pep Guardiola, sie alle sammelten fleißig Titel mit dem Verein und haben sich im Geschichtsbuch des deutschen Rekordmeisters in großen Lettern verewigt.

Ein anderer Name dürfte dort hingegen maximal als Fußnote auftauchen: Jürgen Klinsmann. Von Sommer 2008 bis April 2009 coachte er die Bayern. Dann musste er gehen. Jetzt, elf Jahre später, coacht Klinsmann wieder in der Bundesliga. Sein neues Projekt heißt Hertha BSC - und das soll möglichst erfolgreich werden.

Klinsmann bringt den Glamour bei Hertha BSC zurück

Eigentlich war das so gar nicht vorgesehen gewesen. Klinsmann sollte eigentlich nur bei der Hertha im Aufsichtsrat sitzen. Drei Wochen später fand er sich plötzlich auf der Trainerbank wieder, weil die Berliner unter Vorgänger Ante Covic um den Klassenerhalt fürchteten. Das war Ende November.

Fünf Ligaspiele hat Klinsmann seither mit der Hertha bestritten. Nach einem 1:2 gegen Borussia Dortmund zum Auftakt folgten acht Punkte aus vier Spielen. Die letzten drei Partien vor der Winterpause blieb die Hertha gar ohne Gegentor - Trainerwechsel geglückt, oder?

Noch ist ein Urteil über Klinsmanns Schaffen in der Hauptstadt zu früh, eines ist aber klar: Der 55-jährige Wahl-Kalifornier hat der einstigen grauen Maus Hertha neues Leben eingehaucht - und den Glamour zurück an die Spree gebracht. Und den wollen sie in Berlin haben.

Hertha BSC und das große Geld: Klinsmann ist nur der Anfang

Schließlich möchte Hertha BSC langfristig wieder den Anschluss an die Liga-Spitze schaffen. 224 Millionen Euro hat der neue Investor Lars Windhorst dafür bereitgestellt. Klinsmann gefällt das. Schon bei seinem Amtsantritt versprach er großes, denn: "Deutschland und Berlin haben einen Megaklub verdient."

Dass ein solches Projekt jedoch nicht über Nacht funktioniert, erlebt Hertha aktuell an den holprigen Transferambitionen: Spieler der Marke Granit Xhaka (FC Arsenal), Mario Götze (BVB), Lucas Tousart (Olympique Lyon) oder Julian Weigl (SL Benfica) sollten es am besten sofort sein. Bisher kam nur Santiago Ascacibar für zehn Millionen Euro Ablöse vom VfB Stuttgart.

Bei derzeit 19 Punkten und nur vier Zählern Vorsprung vor dem Relegationsplatz heißt das Ziel vorerst Klassenerhalt. Ab kommender Saison wird dann auf Kurs Europa aufgestockt und in absehbarer Zukunft, besser zeitnah soll es ein Titel sein.

Klinsmann ist Teil dieser neuen Euphorie in Berlin. Wie schnell diese Euphorie in Ablehnung umschlagen kann, kennt der Hertha-Coach jedoch noch aus Münchner Zeiten.

Klinsmann und das Missverständnis FC Bayern München

240 Journalisten erschienen 2008 zur Präsentation Klinsmanns an der Säbener Straße. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß jubilierten ob ihres neuen Trainers, am Ende blieb allerdings nicht viel mehr von der Klinsmann-Ära übrig als der Running Gag mit den Buddha-Figuren.

Das 1:5 gegen den VfL Wolfsburg und das 0:4 gegen den FC Barcelona innerhalb weniger Tage waren die Auslöser. Das 0:1 zu Hause gegen den FC Schalke 04 brachte das Fass zum Überlaufen.

Zehn Helfer hatte sich Klinsmann nach München mitgebracht, viele von ihnen sprachen kein Wort Deutsch, sodass zwischenzeitlich auf dem Trainingsgelände mehr Dolmetscher als Trainer ihr Werk verrichteten. Heute sagt Klinsmann über diese Zeit:

"Damals wurde viel kaputt getreten." Und: "Ich habe dann einfach gemerkt, dass das ein oder andere dann nicht gepasst hat." Umso mehr ist er nun heiß auf das Duell mit seinem Ex-Klub.

Hertha BSC will den FC Bayern ärgern - mit Klinsmann auf der Bank

Gerade noch rechtzeitig reichte der US-Verband, für den Klinsmann zwischen 2011 und 2016 die Nationalmannschaft betreute, Unterlagen ein, die der DFB und die DFL anerkannten. Klinsmanns Trainerlizenz wurde verlängert.

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, das im Jahr 2000 im Zuge eines Sonder-Lehrgangs erworbene Papier sei seit dem 31. Dezember 2012 abgelaufen.

Die fehlenden Dokumente, entschuldigte sich Klinsmann, lägen in seinem "Häuschen in Kalifornien, in irgendeiner Schublade". Die werde man schon finden, "alles kein Problem", geriet der ehemalige Stürmer und Trainer des FC Bayern nie in Panik, das große Spiel aus formalen Gründen womöglich zu verpassen. "Ich habe ihnen viele Sachen zugeschickt, die ich zumindest in meinem Laptop drin habe, das müsste eigentlich schon ausreichen."

Letztlich ging es gut aus. Für Klinsmann ist viel wichtiger, dass es jetzt gegen den FCB unter Hansi Flick geht. "Was gibt es Schöneres?", strahlte er in einem Live-Video bei Facebook in die Kamera.

Matthäus glaubt nicht an einen Bayern-Sieg in Berlin

Für seinen früheren Teamkollegen und heutigen Sky-Experten Lothar Matthäus ist klar: "Es wird ein schweres Spiel für Bayern München." Im Interview mit dem "kicker" erklärte er: "Hertha spielt sehr diszipliniert, kompakt, kämpferisch und ist schnell im Umschaltspiel." Schon beim 2:2 im Hinspiel ärgerte die Hertha die Bayern. Und so kommt Matthäus zu dem Schluss: "Ich glaube nicht, dass Bayern in Berlin gewinnt."

Mehr noch, seinem Freund Jürgen traut er zu, mit Hertha BSC "in den nächsten zwei Jahren wettbewerbsfähig für die internationalen Plätze sein". Wenngleich er ihn weniger als Trainer sieht, sondern vielmehr als Leiter eines Projekts.

Der Fußball in Berlin soll wieder schön neu glänzen. Gleich zu Beginn des neuen Zeitalters der Hertha kann Klinsmann seinem Ex-Klub aus München ein Bein stellen - wenn der DFB ihn denn lässt.

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