Rückkehrer Nico Hülkenberg sorgt im Qualifying zum Jubiläums-Grand-Prix der Formel 1 in Silverstone acht Monate nach seinem letzten Rennen für eine Überraschung. Dem gegenüber steht eine erneute Pleite für den viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel.

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Eine Woche nach seiner Blitz-Rückkehr in die Formel 1 sorgte Nico Hülkenberg für die große Überraschung im Qualifying zum fünften Lauf der WM-Saison.

Der Racing-Point-Ersatzmann für den an COVID-19 erkrankten Sergio Perez ließ nur den beiden Mercedes in der Startaufstellung den Vortritt.

Hülkenberg: "Nicht schlecht für einen Rentner"

"Ich bin etwas überrascht, hier zu stehen. Ich habe ein großes Lächeln im Gesicht", sagte Hülkenberg nach seinem Husarenritt. "Das war ein Highlight, es ist aber nicht die Zeit, sich zu früh zu freuen." Ihm fehlten auf die Bestzeit 86 Hundertstelsekunden. "Nicht schlecht für einen Rentner." Hülkenberg habe sich "in dieser Woche wesentlich besser gefühlt. Ich habe aber auch viel Respekt vor morgen."

Hülkenberg war letztmals 2016 in Österreich Dritter in der Qualifikation geworden und am vergangenen Sonntag wegen eines Kupplungsschadens noch vor dem Start des ersten Rennens in Silverstone ausgefallen. Er hätte damals auf Position 13 gestanden.

Der Finne Valtteri Bottas sicherte sich die Pole Position vor seinem Teamkollegen, Weltmeister Lewis Hamilton. Der erklärte eine Woche nach seinem siebten Heimsieg in Silverstone: "Das war von mir nicht die perfekte letzte Runde. Valtteri hat einen super Job gemacht."

Sebastian Vettel scheidet bereits im Q2 aus

Sebastian Vettel erlebte den nächsten schweren Frustmoment in seiner Ferrari-Abschiedssaison. Der viermalige Weltmeister schied als Zwölfter bereits vor dem entscheidenden Durchgang um die besten zehn Startplätze für das Rennen am Sonntag (15:10 Uhr/RTL und Sky) aus. Das passierte ihm in dieser für ihn zunehmend frustrierenden Saison bereits zum zweiten Mal. Zum Saisonstart im österreichischen Spielberg hatte Vettel nur die elftbeste Qualifyingzeit erzielt.

Vettel hatte sich am zweiten Silverstone-Wochenende des Jahres schon durch das Training geschleppt. Der vorläufige Gipfel war für ihn die zweite Einheit, als ihn ein Motorschaden ausbremste. Ferrari ließ dann vorsorglich auch bei Scuderia-Stallrivale Charles Leclerc den Antrieb austauschen

"Es war alles, was ich hatte. Das war alles, was drin war im Auto. Ich habe es versucht. Danke", funkte Vettel nach der Zeitenjagd in Silverstone recht emotionslos an seine Box.

Sebastian Vettel: "Mehr war heute nicht drin"

Am Sky-Mikrofon fügte er hinzu: "Das Ziel war, weiter nach vorne zu kommen. Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit meinen Runden. Mehr war heute nicht drin mit dem Auto. Ich versuche jedes Mal, den Reset-Knopf zu drücken und mein Bestes zu geben."

Eine nachträgliche Strafe gegen den ursprünglich direkt vor ihm platzierten Esteban Ocon von Renault lässt Vettel aber um eine Position nach vorne rücken, auf elf. Leclerc eroberte hinter Pierre Gasly im AlphaTauri Rang acht.

Ergebnis des Qualifyings:

  • 1. Valtteri Bottas (Finnland) Mercedes 1:25,154 Minuten
  • 2. Lewis Hamilton (Großbritannien) Mercedes 1:25,217
  • 3. Nico Hülkenberg (Deutschland) Racing Point-Mercedes 1:26,082
  • 4. Max Verstappen (Niederlande) Red Bull-Honda 1:26,176
  • 5. Daniel Ricciardo (Australien) Renault 1:26,297
  • 6. Lance Stroll (Kanada) Racing Point-Mercedes 1:26,428
  • 7. Pierre Gasly (Frankreich) AlphaTauri-Honda 1:26,534
  • 8. Charles Leclerc (Monaco) Ferrari 1:26,614
  • 9. Alexander Albon (Thailand) Red Bull-Honda 1:26,669
  • 10. Lando Norris (Großbritannien) McLaren-Renault 1:26,778
  • 11. Esteban Ocon (Frankreich) Renault 1:27,011
  • 12. Sebastian Vettel (Deutschland) Ferrari 1:27,078
  • 13. Carlos Sainz jr. (Spanien) McLaren-Renault 1:27,083
  • 14. Romain Grosjean (Frankreich) Haas-Ferrari 1:27,254
  • 15. George Russell (Großbritannien) Williams-Mercedes 1:27,455
  • 16. Daniil Kwjat (Russland) AlphaTauri-Honda 1:27,882
  • 17. Kevin Magnussen (Dänemark) Haas-Ferrari 1:28,236
  • 18. Nicholas Latifi (Kanada) Williams-Mercedes 1:28,430
  • 19. Antonio Giovinazzi (Italien) Alfa Romeo Racing-Ferrari 1:28,433
  • 20. Kimi Räikkönen (Finnland) Alfa Romeo Racing-Ferrari 1:28,493

Kopier-Affäre um Racing Point sorgt für Proteste

Während sich auf der Strecke die Machtverhältnisse zementieren und Mercedes unter normalen Umständen unschlagbar erscheint, geht es in Silverstone auf sportpolitischem Parkett weiter rund: Fünf der zehn Rennställe haben ihre Absicht bekundet, gegen das Urteil in der Kopier-Affäre um Racing Point in Berufung zu gehen. Dies sind Ferrari, McLaren, Williams, Renault und auch Racing Point selbst.

Sie haben bis zum 12. August um 10:30 Uhr MESZ Zeit, diese Absicht zu bestätigen. Der Fall, in dessen Zentrum bislang der illegale Designprozess technisch legaler Bremsbelüftungen steht, würde vor dem internationalen Berufungsgericht der FIA verhandelt. Dies würde Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

Racing Point wurde am Freitag mit einer Geldstrafe von 400.000 Euro und dem Abzug von 15 WM-Punkten in der Konstrukteurswertung belegt.

Unerlaubt Bremsbelüftungen von Mercedes übernommen

Das Team fühlt sich zu Unrecht bestraft. Den weiteren beteiligten Parteien geht die Strafe nicht weit genug, zumal Racing Point die fraglichen Bremsbelüftungen, die unerlaubterweise dem Design von Mercedes entsprechen, weiterhin einsetzen darf. (AFP/dpa/hau)

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