Red Bull Salzburg hat nach dem Meistertitel auch den ÖFB-Cup gewonnen. Das Finale gegen die Austria war aber eine zähe Angelegenheit, die Salzburg in Unterzahl für sich entscheiden konnte. Der entscheidende Mann war einmal mehr Kapitän Jonatan Soriano.

Red Bull Salzburg hat den ÖFB-Cup 2015 gewonnen. Die Salzburger setzten sich im Finale gegen Austria Wien mit 2:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung durch und feierten damit nach dem Gewinn der Meisterschaft den zweiten Titel der Saison.

Red Bull Salzburg: mit zehn Spielern zum Sieg

Vor 16.000 Zuschauern im längst nicht voll besetzten Wörthersee-Stadion in Klagenfurt war Torschützenkönig Jonatan Soriano der Türöffner für Red Bull. Der Spanier erzielte in der 96. Minute das erlösende 0:1, dem Felipe Pires zwölf Minuten später den zweiten Treffer folgen ließ und Salzburg zum dritten Double der Vereinsgeschichte schoss.

Der Erfolg des Meisters ist umso bemerkenswerter, da Red Bull 80 Minuten lang mit einem Spieler weniger auf dem Feld stand. Keeper Peter Gulacsi flog kurz vor der Pause der regulären Spielzeit nach einem brutalen Foul an David De Paula vom Platz.

Durch die Niederlage verpasste die Austria nicht nur den 28. Triumph im Pokal, sondern nun auch zum zweiten Mal in Folge den Einzug in den europäischen Wettbewerb. Dafür darf sich der Wolfsberger AC freuen, der als Fünfter der Abschlusstabelle doch noch in die Qualifikationsrunde zur Europa League rutscht.

Ereignislose Minuten beim ÖFB-Cup-Finale

Die Partie in Klagenfurt kam in der ersten Halbzeit im Prinzip nie richtig in Tritt. Zwei harmlose Torannäherungen der Salzburger durch Ramalho per Kopf (11.) und Valon Berisha (22.) war alles, was die Fans bestaunen konnten. Salzburg brachte sein typisches Spiel nicht wirklich durch. Zwar attackierte der Meister früh mit fünf oder sechs Spielern, bekam aber kaum Zugriff auf den Ball und kam so überhaupt nicht in die gefürchteten Umschaltbewegungen.

Die Austria zog sich wie erwartet weit zurück und versuchte sich mit weiten Schlägen in die Spitze, um dann nachzurücken und auf den zweiten Ball zu gehen. Da auch das alles andere als gut funktionierte, entwickelte sich eine ereignislose erste halbe Stunde.

Für die Aufreger der ersten Hälfte sorgten zwei Schiedsrichterentscheidungen. Erst übersah Referee Oliver Drachta ein klares Handspiel Salzburgs Duje Caleta-Car im Strafraum und verweigerte der Austria den fälligen Strafstoß (30.).

Eine schwache Partie

Elf Minuten später stockte den Zuschauern im Stadion der Atem: Nach einem langen Ball auf De Paula rammte Bullen-Keeper Gulasci den Angreifer 40 Meter vor dem Tor rücksichtslos und brutal nieder. Drachta blieb gar keine andere Wahl, als dem Ungarn in dessen letzten Spiel für Red Bull mit Rot vom Platz zu stellen. De Paula musste mit einer Gehirnerschütterung raus, Salzburg-Coach Adi Hütter opferte Angreifer Takumi Minamino für die Einwechslung von Ersatzkeeper Alex Walke.

Die Austria versuchte in Überzahl in der zweiten Halbzeit gleich Dampf zu machen. Alexander Gorgon fasste sich aus 24 Metern ein Herz und nagelte den Ball nach 24 gespielten Sekunden an die Latte. Die Wiener hatten nun mehr Ballbesitz, Salzburg rückte eine Spur weiter nach hinten und sah sich das zumeist einfallslose Treiben der Austria in kompakter Formation an.

Das Geschehen spielte sich jetzt zumeist im Mittelfeld ab, die Intensität der Zweikämpfe nahm zu - Chancen blieben auf beiden Seiten aber eine Rarität. Wien kam wenigstens sporadisch in die gefährliche Zone vor dem gegnerischen Tor, Salzburgs hochgepriesene Offensive blieb in der zweiten Halbzeit fast komplett ohne Szene. Lediglich ein ordentlicher Versuch des eingewechselten Felipe Pires zwang Heinz Lindner zu einer Parade (83.).

Auf der Gegenseite hatte James Holland nach einem Konter kurz vor Schluss noch eine gute Chance, sein Schlenzer aus 15 Metern ging aber rechts neben das Tor. Das torlose Remis nach 90 Minuten war also die logische Folge einer schwachen Partie, die fast nur von der Spannung lebte.

In der Verlängerung gewann das Spiel an Fahrt

Sechs Minuten waren in der Verlängerung gespielt, als der bis dahin blasse Toptorjäger Jonatan Soriano seinen großen Auftritt hatte: Nachdem Holland im Mittelfeld ausgerutscht war, nahm Sorianio den Ball auf, umkurvte Patrizio Stronati und versenkte den Ball trocken aus halblinker Position ins lange Eck. Es war das erste Gegentor überhaupt für die Austria im laufenden Wettbewerb.

Jetzt endlich war richtig Fahrt in der Partie. Die Austria reagierte wütend und hatten erst durch Unglücksrabe Holland nach einer Ecke (100.) und kurz vor dem letzten Wechsel durch Daniel Royer (104.) zwei gute Einschusschance (100.). In den letzten 15 Minuten entblößten die Wiener immer mehr die eigene Deckung und gingen ein höheres Risiko.

Alex Grünwald scheiterte gleich doppelt an Walke (106.). Dann aber wurde die Austria klassisch ausgekontert. Nach einem Ballverlust im Mittelfeld spielte Nils Quaschner den Ball perfekt in die Tiefe auf Pires, der aus 16 Metern frei vor Lindner cool blieb und en Ball flach im linken Eck versenkte (108.).

Soriano war der entscheidende Mann auf dem Platz

Die Wiener Fans konnten mit der Vorentscheidung offenbar nicht so gut umgehen und warfen ein Bengalo aufs Spielfeld. Schiedsrichter Drachta unterbrach die Partie sofort und schickte die Spieler für knapp zehn Minuten in die Kabine. Nach Wiederaufnahme war die Luft aber raus. Die Austria gab sich geschlagen, Lukas Rotpuller sah in der Nachspielzeit noch Gelb-Rot wegen Reklamierens.

Salzburg hatte da den Sieg schon ungefährdet nach Hause geschaukelt und beschenkt seinen Coach Hütter bei dessen Premieren-Saison gleich mal mit dem Double. "Es war ein unglaublicher Kampf, am Ende hatte ich drei Krämpfe auf einmal. Wir haben gewonnen, weil wir mit Jonny Soriano den überragenden Mann auf dem Platz hatten", sagte Martin Hinteregger.

Auf der Gegenseite war Austria-Coach Andy Ogris komplett bedient. "Wir haben alles versucht, waren aber vor dem Tor nicht zwingend genug. Das ist sehr bitter für die Austria, dass wir jetzt erneut nicht international vertreten sind. Aber Jonatan Soriano ist ein Top-Spieler, nicht nur in Österreich. Der würde überall seinen Stempel aufdrücken."

Der gelobte Soriano war selbstverständlich überglücklich. "Wir haben mit einem Spieler weniger ein super Spiel gemacht. Wir sind Red Bull!" Dem war kaum noch etwas zuzufügen.