• Neymar blickt mit seinen 30 Jahren auf eine äußerst erfolgreiche Karriere zurück. Gemessen an seinem Selbstverständnis ist die Fußballer-Vita des Brasilianers aber noch unvollendet.
  • Abseits des Platzes hat sich der Superstar längst zur globalen Ikone entwickelt.
  • Trotz alledem häuft sich die Kritik an seiner Professionalität und seiner Einstellung als Profifußballer.

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Am 5. Februar 2022 wird Neymar da Silva Santos Júnior, kurz Neymar, 30 Jahre alt. Obwohl der Brasilianer in einem Atemzug mit den besten Fußballern seiner Generation genannt wird, bleibt ein großer Makel, der ihn von der absoluten Weltklasse unterscheidet: der fehlende Weltfußballer-Titel.

Der Dribbelkünstler, dessen Vater ebenfalls Profifußballer war, wuchs in ärmlichen Verhältnissen in der Nähe von Sao Paulo auf. Mit 11 Jahren wechselte er zum FC Santos. 2009 gab er mit 17 Jahren sein Profi-Debüt. Der Hype um seine Person erreichte ab diesem Zeitpunkt schwindelerregende Ausmaße. So war der Wechsel des kommenden Superstars von Brasilien nach Europa nur noch eine Frage der Zeit.

Unter großer medialer Aufmerksamkeit wechselte der damals 21-jährige 2013 zum FC Barcelona. Auch Star-Trainer Pep Guardiola, damals noch beim FC Bayern München unter Vertrag, soll wiederholt versucht haben, die Verantwortlichen des Rekordmeisters von einer Verpflichtung des Flügelspielers zu überzeugen. Das Gesamtpaket aber war gewaltig und Neymar landete schließlich für 88 Millionen Euro bei den Katalanen.

Was sich Jahre später erst herausstellen sollte: Der damalige Shootingstar ließ sich bei seiner Vertragsunterschrift eine Klausel für den Fall des Gewinns der Weltfußballer-Wahl einbauen. Laut "Football Leaks" hätten ihm die Katalanen allein dafür 425.000 Euro bezahlen müssen.

Auf erfolgreiche Zeit in Barcelona folgt Weltrekord-Transfer

Seine Anfangszeit bei den "Blaugrana" verlief im Nachhinein betrachtet genauso, wie es sich die Beteiligten im Vorfeld erhofft hatten. Der "Wundersturm MSN" um Lionel Messi, Luis Suarez und Neymar erzielte Tore fast nach Belieben. Gekrönt wurde die überragende Phase des Teams mit dem Champions-League-Titel 2014/15 - Neymars bisher größtem Erfolg als Profifußballer.

2017 dann plötzlich der große Schock aufgrund einer Ausstiegsklausel: Paris Saint-Germain machte etwas, was bis dato nicht für möglich gehalten wurde und zog die Ausstiegsklausel in Neymars Vertrag. In Spanien ist der Vertragspassus eigentlich eine reine Formalie in Spielerverträgen und bei den Topstars ist die entsprechende Summe so hoch angesetzt, dass die Klausel so gut wie nie zur Anwendung kommt. PSG war's egal und stemmte den bis heute geltenden Weltrekord-Transfer in Höhe von 222 Millionen Euro.

Neymars Ziel: Bei PSG dem Weltfußballer-Titel näher kommen

Was in Barcelona nicht geklappt hat, sollte für den Spieler durch den Wechsel nach Paris nachgeholt werden: der Sprung vom Shooting-Star zum Weltfußballer. Bis heute ist dieser Vorsatz aber unerfüllt. Laut "Le Parisien" liegt Neymars Bonus für die Auszeichnung mittlerweile bei schwindelerregenden drei Millionen Euro.

Ein weiterer Gewinn der Königsklasse wollte ebenfalls nicht gelingen, obwohl die Eigentümer des Klubs aus Katar dies mit kostspieligen Investments seit Jahren forcierten. Neymars Karriere wirkt mit Erreichen der neuen Lebensdekade weiterhin unvollendet.

Bei der Bewertung darf eines nicht vergessen werden: Mit den Jahren stieg die Verletzungsanfälligkeit des Ausnahmekönners und monatelange Ausfallzeiten zählen mittlerweile fast schon zur Regel. Entsprechend häufig wurde der technische Feingeist in seinem Spielrhythmus zurückgeworfen.

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Neymar wird zur Weltmarke

Abseits des Fußballs entwickelte sich Neymar über die Jahre dafür immer mehr zur internationalen Ikone und globalen Marke. Laut "Forbes Ranking 2021" landete Neymar auf Platz drei der bestbezahlten Fußballer des Jahres mit insgesamt 95 Millionen US-Dollar (ca. 82,9 Millionen Euro).

Arbeitgeber PSG ist mit 75 Millionen Dollar Jahressalär für den Großteil der Einnahmen verantwortlich. Für die weiteren Einkünfte in Höhe von 20 Millionen Dollar sorgten Werbedeals mit Puma, PokerStars und dem Videospiel Fortnite. Lediglich Messi (110 Mio. Dollar) und Cristiano Ronaldo (125 Mio. Dollar) verdienten im gleichen Zeitraum mehr.

Daneben ist Neymar immer häufiger vor der Kamera zu sehen. Neben Gastauftritten in der dritten Staffel der Netflix-Serie "Haus des Geldes" brachte der Streamingdienst jüngst eine biographische Dokumentation mit dem Titel "Neymar, das vollkommene Chaos" heraus, in der laut Angaben von Netflix "private und berufliche Höhen und Tiefen" enthüllt werden. Dabei sollen besonders die Jahre zwischen 2019 und 2021 im Fokus stehen und private Einblicke gegeben werden, die man von dem Spieler in der Form bisher nicht gekannt hat.

Liegt Neymars Fokus längst nicht mehr nur auf dem Sport und gefährdet er durch all seine Nebentätigkeiten seine Karriereziele und langfristig gedacht auch sein fußballerisches Vermächtnis? Die Kritik jedenfalls wird immer lauter.

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Zweifel an Neymars Professionalität wachsen

Trotz der Vielzahl an neuen Projekten und Kooperationen rund um die "Marke Neymar" häufen sich in den vergangenen Jahren die kritischen Stimmen. Neben Vergewaltigungsvorwürfen sowie Steueraffären um Scheinfirmen und hinterzogene Einnahmen in Millionenhöhe wird immer häufiger seine Professionalität und Einstellung in Frage gestellt.

Jerome Rothen, Ex-Profi von PSG, wurde in der spanischen Zeitung "Sport" vor Kurzem sehr deutlich: "Neymar wird alt, nimmt an Gewicht zu und führt kein richtiges Leben." Edouard Cisse, ebenfalls langjähriger Spieler des Klubs, schlug in die gleiche Kerbe und kritisierte den Offensivspieler in "Le Parisien" Ende des vergangenen Jahres dafür, bisher zu wenig aus seinen Möglichkeiten bei PSG gemacht zu haben.

Neymar statt eines Anführers eine "verzogene Göre"?

Ihm seien in Paris "die Schlüssel in die Hand gedrückt" worden und man hat "ihn alles machen lassen. Das hat ihn überfordert." Neymar sei nicht der erhoffte Anführer der Mannschaft, sondern "ist eine verzogene Göre geworden, die alle anderen herumscheucht".

Im vergangenen Sommer machten zusätzlich Bilder aus dem Sommerurlaub des Superstars medial die Runde. Daraufhin entbrannte eine Diskussion über das Übergewicht und die schlechte körperliche Verfassung des Spielers. Neymar selbst ging daraufhin bei der brasilianischen TV-Anstalt "Globo" in die Offensive: "Ich weiß nicht, was ich noch machen muss, damit mich die Leute respektieren. Es ist normal geworden und geht schon eine lange Zeit so."

Genau hier liegt die Diskrepanz. In Anbetracht der hohen Ansprüche an sich selbst, Verpflichtungen neben dem Platz und sonstigen Nebenkriegsschauplätzen wirkt der 30-Jährige aktuell auf der Suche nach Antworten auf die Frage, was er im fortgeschrittenen Fußballeralter noch erreichen kann - Ausgang ungewiss.

Verwendete Quellen:

  • transfermarkt.de: Neymar
  • eurosport.de: Geleakt! 45,9 Millionen Euro garantiert: So viel verdient Neymar beim FC Barcelona
  • wiwo.de: Das sind die bestbezahlten Fußballer 2021
  • Sky Sport: Netflix-Doku über Neymar zeigt überraschende Entwicklung
  • sportbuzzer.de: Irre Klausel: Diese Summe kassiert Neymar von PSG, wenn er Weltfußballer wird
  • Stern.de: Neymar kritisiert Respektlosigleit: "Wird Zeit, dass ich den Mund aufmache"
  • spox.com: PSG-Star Neymar unter Beschuss: "Er ist eine verzogene Göre geworden"
  • Sky Sport: Ex-PSG-Star kritisiert Neymar: "Er wird alt und nimmt zu"
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Deutschland, Brasilien, WM 2014, Halbfinale, Sami Khedira, Luiz Gustavo, Belo Horizonte
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