Der 25-jährige Robin Gosens ist essenzieller Bestandteil einer der spannendsten Mannschaften in Europa: Atalanta Bergamo. Am Dienstagabend bestreitet der Klub das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Valencia. Vorab steht Gosens mehr denn je im Fokus - möglicherweise auch beim DFB-Team.

Mehr Fußballthemen finden Sie hier

25 Spiele, 70 Tore: Das ist die überragende Bilanz von Atalanta Bergamo in der Serie A. Die Mannschaft von Trainer Gian Piero Gasperini hat sich in den letzten Jahren - ohne ein eklatantes Transferminus - sukzessive zu einem Topteam in Italien entwickelt. Der Höhepunkt war die Qualifikation für die diesjährige Champions League und der Verbleib der etablierten Stammkräfte.

Das Hinspiel im Achtelfinale gegen den FC Valencia gewann Atalanta dank sehenswerter Tore mit 4:1. Die Elf von Trainer Gian Piero Gasperini überraschte dabei erneut, spätestens nach diesem Spiel hat sie sich einen Namen in Europa gemacht und zählt zu den Geheimfavoriten in der Königsklasse. Robin Gosens erlebt die beeindruckende Entwicklung des Klubs seit seinem Wechsel zu "La Dea“ im Sommer 2017 hautnah mit.

Lesen Sie auch: Auch das Rückspiel gewann Atalanta und steht im CL-Viertelfinale.

Robin Gosens: Probetraining bei Borussia Dortmund

Der Verlauf der Karriere des mittlerweile 25-jährigen ist alles andere als typisch. Geboren wurde Gosens in Emmerich unweit der Grenze zur Niederlande. In der Jugend spielte er in Elten, Bocholt und Rhede, wechselte anschließend in die Niederlande. Über die Vitesse-Jugend schaffte es Gosens in die zweite Mannschaft des Klubs aus Arnheim. Von Peter Bosz gefördert und erstmals als Linksverteidiger eingesetzt ging es auf Leihbasis nach Dordrecht, anschließend zu Heracles. Der Wechsel zu Atalanta war der Schlüsselmoment in seiner Karriere und die Folge langer, harter Arbeit.

Dabei deutete sich der Sprung in den Profifußball für Gosens nicht unbedingt an. Er war talentiert, aber alles andere als herausragend. Zudem ging er nicht den Weg durch eine Jugendakademie, auch wenn er ein Probetraining bei Borussia Dortmund absolvierte - ohne Erfolg. "Ich wurde über­rannt. Ich habe mich die ganze Zeit hilflos umge­guckt und hatte keinen Schimmer, wo ich hin­laufen soll“, teilte Gosens 2019 in einem Interview mit "11 Freunde“ mit.

Statt einem Einstieg in die Glamourwelt des Profifußballs waren durchzechte Nächte und Spiele am Rande des Restalkohols an der Tagesordnung, Gosens musste in seiner Jugend nichts aufgeben. Dass er eher zufällig in die Niederlande wechselte, passt zu seiner Geschichte. Nachdem der "die Sterne vom Himmel spielte“, sprach ihn ein Scout von Vitesse Arnheim an, der eigentlich einen anderen Spieler beobachten wollte. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Gosens: Der Alleskönner auf der linken Seite

Auch auf dem Platz merkt man Robin Gosens an, dass er nicht schon in jungen Jahren den Feinschliff einer Akademie erfuhr. Seine Technik ist eher durchschnittlich, seine Spielintelligenz dafür extrem hoch. Und das hilft dem Linksfuß, sich auf der komplizierten Position links vor der Dreierkette mit zahlreichen Aufgaben im Defensiv- und Offensivbereich zu etablieren. Acht Tore und fünf Vorlagen konnte der 25-jährige in der laufenden Saison beisteuern - ein respektabler Wert. Doch auch defensiv ist Gosens wertvoll, weil er keinen Ball verloren gibt. Sein Wille ist beeindruckend, die Bereitschaft, nach Ballverlusten schnellstmöglich wieder die defensive Struktur herzustellen und den Gegner anzulaufen, ist vorbildlich.

Neben Peter Bosz ist auch Gian Piero Gasperini eine wichtige Person in der Karriere von Robin Gosens. Gasperini förderte den jungen Spieler bei Atalanta, half ihm, konstanter zu werden. Dabei ist es hilfreich, dass Gosens ein wissbegieriger, lernwilliger Mensch ist - auf und neben dem Platz.

Denn der 25-Jährige, der sein Abitur mit der Durchschnittsnote 2,0 abschloss, studiert neben der Profikarriere Psychologie an einer Fernuni, bildet sich weiter. Dieser nicht alltägliche Karriereverlauf könnte ein entscheidender Grund dafür sein, dass sich Robin Gosens nicht zu viele Gedanken macht, auch auf der Bank sitzend ehrliche Freude über ein Tor der eigenen Mannschaft ausstrahlen kann.

Über Atalanta Bergamo in die DFB-Elf und die Bundesliga?

Trotz seiner Gelassenheit ist Robin Gosens durchaus ambitioniert. Er hätte nie erwartet, dass er zu einem essenziell wichtigen Spieler einer Mannschaft wird, die in der Champions League spielt. Dort angekommen ist der Gedanke, was wohl noch möglich ist, nachvollziehbar. Bisher wurde der Linksfuß noch nicht für die Nationalmannschaft nominiert, die Testspiele Ende März könnten seine große Chance sein. Denn auf "seiner“ Position ist noch keine Entscheidung gefallen, alle Kandidaten, die dort spielen könnten, bringen mindestens kleine Fragezeichen mit.

"Ich habe noch keine Signale erhalten. Wenn man mich einlädt, werde ich mich natürlich nicht wehren“, äußerte sich der Spieler selbst zuletzt zurückhaltend zum Thema Nationalmannschaft. Beeinflussen kann er Bundestrainer Joachim Löw ohnehin nur mit guten Leistungen auf dem Platz - und die zeigt er regelmäßig.

Ein Ziel in seiner Karriere formuliert Robin Gosens aber sehr offensiv: "Ich habe noch nie in Deutsch­land auf hohem Niveau gespielt. Die Bun­des­liga bleibt also mein Traum!“ Vor allem eine Verbindung zum FC Schalke 04 besteht, das ist derzeit aber noch Zukunftsmusik. Vorher konzentriert sich Gosens auf weitere Aufgaben in der Champions League - und vielleicht sogar auf die Europameisterschaft im Sommer.

Verwendete Quellen: