Die Bayern verlängern einen Vertrag nach dem anderen mit ihren Top-Stars und haben das Gerüst der Mannschaft für eine erfolgreiche Zukunft fast komplett beisammen. Borussia Dortmund dagegen kämpft gegen einen kompletten personellen Umbruch an. Für die Spannung in der Bundesliga lässt das Schlimmes erahnen.

Es könnte alles so schön werden: Auf der einen Seite der FC Bayern mit seinen Super-Serien, seinen Super-Rekorden und seinem Super-Kader.

Und auf der anderen Seite Borussia Dortmund, der ewig nervende Herausforderer, mit seinem frischen Fußball, den etwas kleineren Rekorden und, nun ja, einem etwas unspektakuläreren Kader.

Wenn einen diese Saison etwas lehrt - abgesehen von der Tatsache, dass die Bayern zum vierten Mal in Folge Meister werden - dann die Tatsache, dass es offenbar einzig und allein Borussia Dortmund beschieden ist, die Bayern herauszufordern.

Wir wissen nun, dass der BVB wieder voll da ist und die Bayern sich keine einzige Schwächephase erlauben können, wenn sie weiter das Maß aller Dinge sein wollen.

So ist die Gemengelage gegen Ende der aktuellen Saison. Der BVB kratzt am Nimbus des Rekordmeisters - doch der ist aber immer noch diesen einen entscheidenden Tick besser.

Deshalb sollten sich die Fans in Deutschland auch schon mal auf die kommende Spielzeit freuen. Weil die Bayern da ohne jenen Trainer funktionieren müssen, der ihr Spiel nochmal auf ein ganz anderes Niveau gehoben hat.

Und weil es vielleicht ein paar Anpassungs- und Startprobleme geben könnte mit dem neuen Trainer Carlo Ancelotti. So hofft die Konkurrenz wenigstens insgeheim.

Auch dass die Bayern satt sein könnten nach vier Meisterschaften in Folge und vielleicht sogar dem möglichen Triple-Gewinn. Und dass der BVB in der zweiten Saison mit Thomas Tuchel die wenigen kleinen Fehler dieser Runde ausbessert, noch stärker wird und in den entscheidenden Spielen auch den nötigen Punch hat.

Bayerns Gerüst steht

All denen, die sich darauf freuen, dürften die Nachrichten aus München und Dortmund gar nicht schmecken.

Die Vertragsverlängerung mit Manuel Neuer haben die Bayern nur zwölf Stunden nach dem Einzug ins Pokalfinale fast nebenbei durchgewunken. Es ist der fünfte wichtige Spieler, der sich mit der längstmöglichen Vertragslaufzeit von fünf Jahren an den Rekordmeister bindet.

Bleibt Neuer bis zum Ende des Kontrakts, wäre er zehn Jahre bei Bayern geblieben. Nicht schlecht für einen, der ursprünglich nicht erwünscht war. Bereits kurz vor Weihnachten wurden die Verträge mit Thomas Müller, Javi Martinez und Jerome Boateng bis 2021 verlängert, David Alaba folgte wenige Wochen später.

Die Bayern halten das Gerüst ihrer Mannschaft zusammen. Die Strategie, mit jenen Top-Stars, die im so genannten besten Fußballeralter sind, vorzeitig langfristige Verträge abzuschließen und gleichzeitig den Verlockungen des ganz großen Geldes aus der Premier League zu widerstehen, geht voll auf.

"Als Fußballverein haben wir uns erlaubt, die Tür zuzumachen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Rahmen der Vertragsverlängerungen mit Müller, Martinez und Boateng. "Und diese Tür bleibt zu! Das kann ich allen versprechen."

Nun also auch noch Neuer, dem immer mal wieder eine Verbindung zu Manchester City angedichtet wurde, weil dort ja schon bald Pep Guardiola trainieren wird und auf einen Torhütertyp wie Neuer großen Wert legt.

"Manuel ist der beste Torhüter der Welt und wir sind total zufrieden mit seinen Leistungen. Wir sind glücklich, dass er sich entschieden hat, beim FC Bayern zu bleiben und einen neuen Vertrag zu unterschreiben", sagte Rummenigge am Mittwoch.

"Keine Sorgen um die Zukunft"

Beachtet man noch die Arbeitspapiere von Douglas Costa und Joshua Kimmich (beide bis 2020) sowie von Arturo Vidal und Thiago Alcantara (beide bis 2019) und dazu die Tatsache, dass Kingsley Coman in einem Jahr per Kaufoption fest gebunden werden kann, sind die Bayern bombastisch gut aufgestellt.

Da fällt selbst die ungewisse Zukunft der alten Recken Franck Ribéry und Arjen Robben sowie die von Mario Götze (alle drei bis 2017) nicht mehr so schwer ins Gewicht. Und auch Philipps Lahms Abschied 2018 dürfte sanft aufgefangen werden.

"Wir haben jetzt alle Leistungsträger sehr, sehr langfristig an den FC Bayern gebunden. Die Fans brauchen sich keine Sorgen um die Zukunft zu machen."

Einzig Robert Lewandowski gilt es nun noch zu halten - das allerdings wird eine Mammutaufgabe werden, selbst für die Bayern. So ist der Stand an der Säbener Straße: Die Bayern bekommen den nötigen, altersbedingten Umbruch offenbar reibungslos hin.

Angst vor dem Dominoeffekt

Und in Dortmund? Da gab es, nicht zuletzt befeuert durch das ungeheuer schmerzhafte Aus beim FC Liverpool, wieder zahlreiche Gerüchte.

Ilkay Gündogans Abschied zu Manchester City scheint schon so gut wie beschlossen.

Nach der Posse vom letzten Sommer, als Gündogan erst weg war, um dann doch noch ein Jahr beim BVB zu bleiben. Doch nun, nach dem gar nicht mehr so geheimen Treffen seines Beraters mit City-Sportdirektor Txiki Begiristain, wäre alles andere als ein Abgang Gündogans beim BVB eine dicke Überraschung.

Vor wenigen Tagen machten dann schon wieder Gerüchte um Mats Hummels und den FC Barcelona die Runde. Angeblich beobachtet Barcas Sportchef Ariedo Braida den Nationalspieler wieder intensiver. Bei den Katalanen steht nach dieser Saison auch ein Umbruch ins Haus.

Hummels' Vertrag beim BVB läuft in einem Jahr aus. Wollen die Schwarz-Gelben noch eine ordentliche Ablösesumme kassieren, dann wäre in diesem Sommer die letzte Möglichkeit dazu. Hummels will nach eigenem Bekunden "deutlich vor der EM" seine sportliche Zukunft geregelt haben. Viel Zeit bleibt ihm dafür also nicht mehr.

Auch Henrikh Mkhitaryans Vertrag läuft nur noch ein Jahr. Der Armenier lässt immer wieder durchklingen, wie wohl er sich fühlt und wie sehr er von Tuchel als Trainer profitiert habe. Gleichzeitig kokettiert sein Berater Mino Raioli mit anderen Klubs, darunter Juventus Turin.

Mit Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus hat der BVB immerhin rechtzeitig langfristige Verträge abgeschlossen.

Der nächste Neuanfang droht

Was der oder die Wechsel eines oder mehrere Leistungsträger für Folgen für den BVB haben könnten, will sich im Moment noch niemand ausmalen. "Es gibt keine Ultimaten und keinen Druck, das wäre kontraproduktiv", sagt Tuchel.

Aber auch ihm ist klar, dass das ein riskantes Unterfangen ist. Im Hintergrund muss immer auch ein Plan B verfolgt werden, für den Fall der Fälle.

Und im schlimmsten Fall brechen dem BVB dann nicht eine, sondern zwei oder sogar drei Stützen der Mannschaft auf einmal weg. Dann wäre die Borussia gefühlt wieder in die Stunde Null zurückversetzt. Wie vor einem Jahr bei Tuchels Amtsübernahme nach der Klopp-Ära.

Für jene Fans, die sich einen spannenden Titelkampf in der Bundesliga wünschen, wären das keine besonders rosigen Aussichten. Dabei könnte doch alles so schön werden.