Real Madrid steckt tief in der Krise. In der Liga ist der Traum von der Titelverteidigung geplatzt, die Kritik an Trainer Zinédine Zidane wächst. Das Superstar-Trio Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Karim Benzema soll Gerüchten zufolge durch drei Top-Leistungsträger ersetzt werden. Ein großer Umbruch deutet sich an.

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19 Punkte - so groß ist Real Madrids Rückstand auf den Erzrivalen FC Barcelona in der Primera Division. Kurios: Der Abstand zu den Abstiegsrängen beträgt nur 16 Punkte.

Selbst der Champions-League-Einzug ist in Gefahr. Zur Erinnerung: Real Madrid ist amtierender Meister und Champions-League-Sieger.

"Wir sollten jetzt zusehen, dass wir in der Meisterschaft unter die ersten vier kommen", schätzte Weltmeister Toni Kroos die Lage nach der jüngsten Niederlage gegen Villarreal vergangenen Sonntag (0:1) ein.

In der Kritik steht neben Trainer Zinédine Zidane der formschwache Cristiano Ronaldo samt seiner Sturmpartner.

Die Real Madrid nahe Sportzeitung "Marca" spekuliert über einen Komplettaustausch des Angriffs: Ronaldo, Gareth Bale und Karim Benzema sollen durch Neymar, Robert Lewandowski und Eden Hazard ersetzt werden.

Wie konnte es so weit kommen? Und: Braucht der Klub einen Neuanfang?

Cristiano Ronaldo: Unzufrieden und im Formtief

Cristiano Ronaldo spielt eine für seine Verhältnisse sehr schwache Saison. In der Liga kommt er auf magere vier Treffer. Der Portugiese soll laut portugiesischer Zeitung "Record" und "Marca" unzufrieden sein.

Die spanische "El Mundo" schreibt, Ronaldo sei unzufrieden, dass er mit 21 Millionen Euro netto pro Jahr weit weniger verdiene als Barcelona-Star Lionel Messi und PSG-Neuzugang Neymar. "Es ist nicht eine Frage des Geldes, sondern des Status", zitiert das Blatt den Stürmerstar.

Laut "Record" hat Real-Präsident Florentino Pérez ihm nun sogar die Freigabe gegeben.

Ronaldo-Berater Jorge Mendes soll mit anderen Vereinen verhandeln dürfen. Gerüchte um einen Abgang gibt es schon länger.

Manchester United steht laut verschiedenen Medienberichten weit oben auf der Liste der Interessenten.

Reals Angriff: Tausche Superstars gegen Superstars

Auch von Ronaldos kongenialen Sturmpartnern Karim Benzema und Gareth Bale ist nicht viel zu sehen. Der französische Mittelstürmer Benzema strahlt - auch verletzungsbedingt - wenig Torgefahr aus, zwei Liga-Tore sind es 2017/18.

Gareth Bale sucht seit der langwierigen Sprunggelenksverletzung 2016 nach seiner Form.

Drei andere Weltstars hingegen sind in Form: Chelseas Eden Hazard, Bayerns Lebensversicherung Robert Lewandowski und Rekordtransfer Neymar von Paris Saint-Germain glänzen in der aktuellen Spielzeit.

Wünscht sich Präsident Perez diesen Glanz zurück? Um alle drei Spieler verpflichten zu können, müsste laut Bericht der bisherige Angriff verkauft werden. Aus "BBC" mach "NHL". So einfach?

Trainer Zinédine Zidane muss kreativ werden

Nicht ganz. Die sportliche Talfahrt und die Unzufriedenheit im Verein können nicht bloß auf die Spieler zurückgeführt werden.

Verteidiger Dani Carvajal sagte nach der Niederlage gegen Villarreal: "Das ist schon die ganze Saison unser Problem. Wir spielen eigentlich gut, machen aber das Tor nicht."

Trainer Zinédine Zidane ist ratlos. "Wir haben einen schlechten Lauf, der einfach kein Ende finden will", sagte der Franzose.

Längst ist er nicht mehr unantastbar. Schlechte Chancenverwertung, Torgefahr, eine wacklige Defensive. Es mangelt an Kreativität und neuen Spielideen. "Es gibt keine Erklärung, weshalb der Ball nicht reingegangen ist", sagte er, als hätte er sich mit der Pleite abgefunden.

Transfers und Gehalt: Madrids Präsident Perez ist in der Pflicht

Zidane spürt die Auswirkung von Entscheidungen, die ein anderer getroffen hat: Florentino Pérez.

Während Erzrivale FC Barcelona mit den Verpflichtungen von Ousmane Dembélé, Paulinho und Nelson Semedo fast 200 Millionen Euro ausgab, blieb Real-Präsident Pérez ruhig.

Theo Hernandez kam von Atlético Madrid für 30 Millionen Euro, Dani Ceballos von Betis Sevilla für 16,5 Millionen Euro - ein Schnäppchen, doch Ceballos ist kein Stammspieler.

Die Katalanen legten mit dem Transfer von Philippe Coutinho vom FC Liverpool nach - wieder kein Lebenszeichen von Florentino Pérez.

Real Madrid stagniert: Die Mannschaft gewann zweimal in Folge die Champions League. Woher soll die Motivation für weitere Erfolge kommen, solange Pérez keine neuen Anreize schafft?

Wenn nicht durch einen neuen Konkurrenzkampf, dann wäre der finanzielle Anreiz die logische Schlussfolgerung. Wie die Causa Ronaldo zeigt, gibt es diese offenbar nicht.

Champions League und Copa del Rey sind die Hoffnung der "Königlichen"

Ohne Verhandlungsgeschick von Florentino Pérez ist ein Umbruch kaum aufzuhalten, auch wenn ein Mega-Transfer von Hazard, Neymar und Lewandowski fraglich erscheint.

Indes übt sich Zidane vor dem Spiel gegen Leganes in Durchhalteparolen. "Bei all dem Negativen müssen wir etwas Positives finden und am Donnerstag haben wir die Chance, die Dinge zurecht zu rücken", meinte der Trainer.

Copa del Rey und Champions League sind Reals Hoffnung auf einen versöhnlichen Saisonabschluss. Werden diese Pokale gewonnen, könnte der ganz große Umbruch ausbleiben.

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