Spitzenmannschaften stecken im Tabellenkeller fest. Vermeintliche Abstiegskandidaten spielen um die internationalen Plätze. Selten war die Bundesliga so verrückt wie in dieser Saison. Warum ist das so?

Eintracht Frankfurt gegen TSG Hoffenheim – dieses Duell war am 29. Spieltag der vergangenen Saison ein echter Abstiegs-Krimi. Die Frankfurter standen auf einem direkten Abstiegsplatz, Hoffenheim hatte lediglich einen Punkt Vorsprung.

Am Freitagabend spielen die Mannschaften erneut gegeneinander. Diesmal geht es um die internationalen Plätze. Frankfurt und Hoffenheim sind Teil der Spitzengruppe.

Die ganze Bundesliga scheint verrückt zu spielen. Mit RB Leipzig grüßt ein Aufsteiger von der Tabellenspitze. Der FC Bayern ist nicht Tabellenführer. Die als "graue Maus" verschriene Hertha steht auf Position drei. Der jahrelang belächelte 1. FC Köln hält als Tabellensiebter zumindest den Anschluss an die internationalen Plätze.

Die meisten Experten hätten vor Saisonbeginn eher den VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach im oberen Tabellendrittel erwartet. Stattdessen stecken diese Teams nun im Abstiegskampf. Auch der Neunte Bayer 04 Leverkusen ist von den eigenen Ansprüchen weit entfernt.

Geld schießt eben doch nicht immer Tore

Die aktuelle Saison ist der Beweis: Geld schießt keine Tore. Laut Transfermarkt.de hat Bayer Leverkusen den drittwertvollsten Kader der Bundesliga. Der Marktwert aller Spieler wird auf 262,45 Millionen Euro geschätzt. Der VfL Wolfsburg steht auf Position 5 (187,4 Millionen Euro), Gladbach einen Platz dahinter (161,1).

Der Marktwert der Überraschungsmannschaften ist nicht einmal ansatzweise so hoch. Der Kader von Hoffenheim soll 85,93 Millionen Euro wert sein. RB Leipzig (81,78), Hertha BSC (80,08), der 1. FC Köln (78,9) und vor allem Eintracht Frankfurt (61,45) haben noch einen geringeren Marktwert.

Kostspielige Transfers garantieren schon längst keine Erfolge mehr. Leverkusen hat im Sommer rund 43,6 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Auch der VfL Wolfsburg (47,55) und Borussia Mönchengladbach (29,5) sind ordentlich einkaufen gegangen.

Das Gegenbeispiel ist Eintracht Frankfurt. Dessen Geschäftsführer Sport Fredi Bobic standen gerade einmal 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Mit einigen Leihgeschäften und ablösefreien Verpflichtungen formte er dennoch eine starke Mannschaft.

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Ungleiche Vorbereitung

Es ist nicht ungewöhnlich, dass es in der Saison nach einem Großturnier einige Verschiebungen in der Tabelle gibt. Gerade Vereine, die viele Nationalspieler haben, können sich nicht ordentlich vorbereiten. Dabei ist es so wichtig, in den Wochen vor Saisonbeginn das Spielsystem einzustudieren und die konditionellen Grundlagen zu legen.

In Leverkusen war das kaum möglich. Zehn Spieler mussten für die Europameisterschaft abgestellt werden, zwei weitere für die Copa America. Das heißt also: Der halbe Kader stieg später in die Saisonvorbereitung ein. Defizite waren unausweichlich. Leipzig, Berlin und Frankfurt hingegen mussten jeweils nur drei Spieler abstellen, Köln lediglich zwei. Das sind ganz andere Voraussetzungen.

Fredi Bobic verriet im Sport 1 Doppelpass: "Wir hatten sieben Wochen Vorbereitung – das gab es in dieser Form noch nie. Die haben wir vom ersten bis zum letzten Tag zelebriert. Wir müssen die Spieler besser machen. Das ist die einzige Chance, die wir haben." Heißt also: Eine Mannschaft mit wenig Geld braucht einen Trainer, der die Mannschaft weiterentwickeln kann.

Timo Werners Schwalbe gegen den FC Schalke 04 erhitzt noch immer die Gemüter. Dabei ist es laut Regelwerk durchaus legitim, den Schiedsrichter an der Nase herum zu führen. Eine härtere Bestrafung würde dem ein jähes Ende setzen.

Weiterentwicklung ist nicht immer möglich

Nicht ohne Grund zählen Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Peter Stöger (Köln), Niko Kovac (Frankfurt), Pal Dardai (Hertha BSC) und Ralph Hasenhüttl (Leipzig) mittlerweile zu den begehrtesten Trainern der Bundesliga. Sie haben bewiesen, gerade junge Spieler besser machen zu können.

Eine Weiterentwicklung der Spieler ist in Wolfsburg, Leverkusen und Gladbach kaum zu beobachten. Mit Blick auf Wolfsburg entsteht sogar das Gefühl, die Mannschaft wurde nicht gut zusammengestellt. Julian Draxler hat alles versucht, um den Verein im Sommer verlassen zu können. Auch Luiz Gustavo und Ricardo Rodriguez standen laut Medienberichten kurz vor dem Absprung. Mit Spielern, die in der Saisonvorbereitung mit dem Kopf bereits bei einem anderen Verein sind, lässt sich nur schwer eine Mannschaft formen.

Hinzu kommt der mentale Druck. Mario Gomez verrät auf DFB.de: "Leider ist es besonders schwierig, wenn man hohe Ansprüche hat und es einfach nicht läuft. Dann wird es irgendwann wirklich zu einer Kopfsache."

Angst schadet der Mannschaft

Was in einem Spieler vorgeht, wenn die eigene Mannschaft den Erwartungen hinterherhinkt, hat der langjährige HSV-Spieler Gojko Kacar in einem Interview mit der "Sport Bild" perfekt beschrieben: "Ich MUSS eine gute Leistung bringen, ich darf keine Fehler machen. Das führt zu Angst. Wenn du Angst hast, willst du in erster Linie eigene Fehler vermeiden. Das macht es schwieriger, sich in die Mannschaft einzubringen. So kann kein richtiger Team-Spirit entstehen."

Gut möglich, dass die Spieler in Wolfsburg, Gladbach und Leverkusen mit diesem Problem zu kämpfen haben. Sollte in den nächsten drei Spielen kein Aufwärtstrend zu spüren sein, werden die Vereinsführungen im Winter wohl noch einmal einkaufen gehen. Dass Geld keine Tore schießt, wird dann gerne vergessen.

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