Der FC Bayern ist immer noch nicht Meister und blickt in eine trübe Zukunft. Aber immerhin winkt im Abstiegs- und Champions-League-Kampf ein äußerst spannendes Saisonfinale. Hier folgt unsere nicht immer ganz ernst zu nehmende Rückschau auf den 31. Spieltag.

Sabrina Schäfer
Eine Glosse
von Sabrina Schäfer

Die Ergebnisse des 31. Spieltags

  • FC Augsburg - 1. FC Köln 2:3
  • SC Freiburg - TSG 1899 Hoffenheim 1:1
  • Union Berlin - Werder Bremen 3:1
  • FSV Mainz 05 - FC Bayern 2:1
  • VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 0:2
  • Bayer 04 Leverkusen - Eintracht Frankfurt 3:1
  • Union Berlin - TSG 1899 Hoffenheim 1:1
  • RB Leipzig - VfB Stuttgart 2:0
  • Borussia Mönchengladbach - Arminia Bielefeld 5:0
  • FC Schalke 04 - Hertha BSC (Nachholspiel am 12.5., 18:00 Uhr)

Davon sollten Sie gehört haben

  • Es ist schon verblüffend, da schimpft man ganz reflexartig auf die immergleichen Reflexe von Abstiegskandidaten, Trainer zu entlassen und stattdessen Friedhelm Funkel oder andere aus der Ära der Ballonseide zu holen. Und dann holt der 1. FC Köln Funkel und der holt sechs Punkte aus drei Spielen, gewinnt unter anderem am Wochenende mit 3:2 beim direkten Konkurrenten FC Augsburg, steht plötzlich wieder auf dem Relegationsplatz und macht eine Rettung gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Vielleicht kommt Ballonseide ja auch bald zurück.
  • Werder Bremen hingegen googelt eventuell schon "Was macht eigentlich Peter Neururer?", auch wenn es Florian Kohfeldt ehrt, dass er trotz der siebten Niederlage in Folge noch nicht von sich aus den Rückzug angetreten hat. "Ich kann für mich ausschließen, dass ich weglaufe", hatte der 38-Jährige nach der 1:3-Niederlage bei Union Berlin erklärt. Ob er wohl auch so eine romantische Vorstellung vom Weglaufen hat wie ich als Fünfjährige? Bündel packen, an einen Stock binden und ausziehen, um die Welt zu entdecken und am Ende vielleicht noch einen verzauberten Tisch bekommen. Wir werden es wohl nie erfahren. Schade, eigentlich.
  • Überhaupt der Abstiegskampf: Mal wieder spannend bis zum Schluss, keine Ahnung wie das noch ausgeht. Bielefeld zum Beispiel schien vor diesem Spieltag halbwegs gefestigt und lässt sich dann mit 0:5 in Gladbach abschießen. Und Herthas Quarantäne birgt ja auch noch allerhand Dramenpotenzial in den Nachholspielen. Wir sind schon gespannt auf die 2021er Hertha-Edition der Löwe-Rede: "Glauben Sie wirklich, dass sich die DFL oder Christian Seifert auch nur eine Sekunde überlegt, was das für uns bedeutet? Sie sitzen in ihren 5.000 Euro teuren Bürostühlen, und wir müssen diesen verf**** Preis bezahlen!"
  • Angenehm spannend machen es die Herren Champions-League-Anwärter: BVB-Stürmer Erling Haaland hat pünktlich zum Saisonendspurt seinen Torriecher wiedergefunden (hatte ihm wohl ein Onkel am Kindergeburtstag die Nase geklaut, hehe). Und auch wenn sie es nur ungern zugeben, dürften den direkten Konkurrenten Wolfsburg und Frankfurt nach dem 2:0-Sieg der Dortmunder beim VfL doch zumindest ein bisschen die Knie schlottern, sonst würden sie sich kaum in derart trotzige Behauptungen wie Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke stürzen: "Wir haben noch zwei Punkte Vorsprung. Und wenn ich das Restprogramm der Dortmunder und unseres anschaue, dann wage ich zu bezweifeln, dass sie die zwei Punkte noch aufholen." Dortmund spielt noch gegen Leipzig, Mainz und Leverkusen. Und die Wölfe? Die müssen noch gegen Union Berlin ran - und Leipzig und Mainz.
Europapokal Startplätze der Bundesliga ab 2021

Mit dem FC Bayern muss man wirklich Mitleid haben

Das Weißbier war schon kaltgestellt, die "9"-T-Shirts (by the Masterminds who also brought you "8", "Die Jahreszahlen der Meisterschaften in Form einer 7" und "Die 6 in Rauten") sauber gebügelt in Kartons in der Kabine verstaut und dann das: eine Niederlage gegen den FSV Mainz 05. Toll.

Immer noch nicht Deutscher Meister. Das hat's nach dem Pokal-Aus, der Champions-League-Pleite und dem Hansi-Flick-Drama auch noch gebraucht. Mit dem FC Bayern muss man wirklich Mitleid haben derzeit.

Und als ob das nicht schon ärgerlich genug wäre, wagt es nun auch noch RB Leipzig, sich nicht einfach in Ehrerbietung und Dankbarkeit zu überschlagen ob der Tatsache, dass sich der große FC Bayern netterweise für deren Cheftrainer interessiert. Stattdessen sollen die Leipziger Berichten zufolge 30 Millionen Euro Ablöse für Julian Nagelsmann fordern. Das wäre jetzt kein Ding, wenn nun der DFB Hansi Flick für 35 Millionen aus seinem Bayern-Vertrag rauskaufen würde, doch der spielt mal wieder den Spielverderber. Zitat DFB-Vize Rainer Koch in "Blickpunkt Sport": "Der DFB wird keine Ablösesummen zahlen, weil er noch nie Ablösesummen gezahlt hat und weil er als gemeinnütziger Verband im Übrigen sich schwertut, dies zu tun."

Aber wenn der FC Bayern schon 30 Millionen für einen Trainer ausgibt, dann bleiben am Ende nur noch ein paar Milliönchen für Spieler übrig. Und wenn Sportvorstand Hasan Salihamidzic dann ein, zwei, acht Spieler holt, die dann blöderweise nur auf der Bank sitzen, weil man für ein paar Milliönchen halt nicht das Nonplusultra kriegt, dann ist es auch wieder niemandem Recht. Und am Ende fliegt man dann wieder aus der Champions League und Nagelsmann muss gehen und will aber weitergezahlt werden und Oliver Kahn muss interimsweise die Mannschaft übernehmen.

Ganz toll. Aber vielleicht reicht es ja nächsten Samstag daheim im Topspiel gegen Borussia Mönchengladbach zur Meisterschaft. Und dann schaut die Bayern-Welt schon wieder ganz anders aus.

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Zitat des 31. Spieltags

"Spannend, oder? Das ist doch was für euch! Zuschauergerecht, fangerecht, fürs Fernsehen perfekt."

(Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic nach dem 1:3 in Leverkusen über den Kampf um die Champions-League-Qualifikation - Für Online-Medien übrigens auch. Wir danken, Herr Bobic!)

Zahl des Spieltags

40 Gegentore hat Bayern München in dieser Saison bereits kassiert. So viele gab es zuletzt vor 29 Jahren. Und da soll nochmal jemand sagen, der FC Bayern hätte keine Lust auf Spannung ...

Mit Material der dpa.
Robert Lewandowski, Rafal Gikiewicz, FC Bayern München, FC Augsburg, Bundesliga, 34. Spieltag, 2021
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